Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 3. (1878)

Das Bildungswesen im österreichischen Heere vom dreissigjährigen Kriege bis zur Gegenwart. (Beitrag zu Culturgeschichte Österreichs.) Nach Originalquellen von Josef Ritter Rechberger von Rechkron, Major im k. k. Kriegs-Archiv

vom dreissigjährigen Kriege bis zur Gegenwart. 25 Kürzung wegen, zu einer Generalisirung, und daraus entstand jene Lehre, die in dem österreichischen und im deutschen Heere eine Rolle spielt, während sie den Franzosen, Italienern, Russen u. s. w. stets fremd geblieben ist. Obschon die Geschichte auf dem Gebiete der Literatur ein weites Feld erobert und von Decennium zu Decennium an innerem Gehalte gewonnen hatte, so blieb der Geschichts-Unterricht in den militärischen Anstalten bis zum Jahre 1848 im Wesentlichen fast auf jenem Stand­punkte, den er in dem vorangegangenen Zeitabschnitte einnahm. Im An­schlüsse an die dürftige, mehr auf das Gedächtniss als auf den Verstand berechnete Unterweisung in der Geographie wurde der Geschichtsstoff nach den einzelnen Ländern abgehandelt. Und wenn es darüber hinaus zu einem Erfolge kam, so war dies jenen Lehrern und Professoren zu danken, welche die Wichtigkeit dieses so sehr auf den Charakter wirken­den Bildungsmittels erkennend, demselben den richtigen Gehalt verliehen. Eine für den militärischen Unterricht äusserst wichtige Erwei­terung erhielt der Geschichtsstoff durch die Kriegsgeschichte, welche schon zu Beginn des Jahrhunderts von österreichischen Autoren mit Geschick gepflegt und in der Armee mit Eifer studirt wurde. Die Möglichkeit, auf diesem Gebiete nach allen seinen Rich­tungen hin Erspriessliches zu leisten, war mit der 1801 erfolgten Grün­dung des k. k. Kriegs-Archives auf Antrag des Kriegsministers Erz­herzog Carl durch Kaiser Franz II. geschaffen, welcher die neue Institution Männern anvertraute, die ihre Aufgabe gar wohl begriffen ‘). Aus dem bezüglichen Rescripte geht hervor, dass Stabs- und Ober- officiere des General-Quartiermeisterstabes „zur Verwendung im Kriegs- Archive zur Bearbeitung der Kriegsgeschichte“ bestimmt waren. In den Stand des Kriegs-Archives sollte unter Anderen auch ein Mann kommen, „der durch seine wissenschaftlichen und Sprachkenntnisse besonders nützlich bei den alten Acten, deren so viele in lateinischer und italienischer Sprache geschrieben sind“, werden konnte. Vornehmlich wurde das reiche Material durch die „Österreichische militärische Zeitschrift“ verwerthet, welche als fachliches Organ den geistigen Verkehr unter den Angehörigen des Heeres vermittelte und sich auch im Auslande eines geachteten Rufes erfreute. Leider war dies die einzige periodisch erscheinende Druckschrift für die Armee und dabei pecuniar zu sehr eingeschränkt, als dass alle Gebiete der Kriegswissenschaft in ausgiebigem Masse hätten Pflege finden können. Mit Beginn des 19. Jahrhunderts musste sich das Heereswesen völlig verändern, denn der Krieg ward nunmehr nach streng wissen­schaftlichen Grundsätzen geführt. Diesen gemäss waren Grösse, Stärke *) *) C.-A. Sr. Majestät; „Duka’scher Nachlass 1809—1810“.

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