Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 3. (1878)

Das Bildungswesen im österreichischen Heere vom dreissigjährigen Kriege bis zur Gegenwart. (Beitrag zu Culturgeschichte Österreichs.) Nach Originalquellen von Josef Ritter Rechberger von Rechkron, Major im k. k. Kriegs-Archiv

26 Das Bildungswesen im österreichischen Heere und Zusammensetzung der Wehrmacht auf die staatlichen Hilfsquellen und Kräfte zu basiren, so auch das Yerhältniss der verschiedenen Truppen- (Waffen-) Gattungen und Heeres-Anstalten zu einander mit Rücksicht auf mögliche Kriegsfälle richtig anzubahnen. Ehe noch Erzherzog Carl, 1801 zum Kriegsminister ernannt, an dieses schwierige Reformwerk Hand angelegt hatte, that er den Ausspruch, dass „unverwandte Aufmerksamkeit auf Militär-Akademien, Schulen und andere dahin gehörige Etablissements“ gerichtet werden müsse, um „der Armee den so nöthigen Nachwuchs von geschickten, brauchbaren, unterrichteten Officieren und tüchtigen Unterofficieren zu verschaffen“. Insoweit des kaiserlichen Prinzen Einfluss zu reichen vermochte, folgte dem Worte die That, denn das Bildungswesen im Heere erfuhr eine wesentliche Erweiterung, indem Regiments-Knaben-Erziehungs­häuser, Cadeten-Compagnien, Regiments-Cadeten-Schulen, die Pionnier- Corps-Schule, die Ingenieur-Akademie, das Bombardier-Corps, das Equitations-Institut, die Wiener-Neustädter Militär-Akademie, Officiers- Schulen, die Lehrcurse für die königlich ungarische adelige und die königlich lombardisch-venetianische Leibgarde, die Generalstabs- Schule, endlich bei allen Truppengattungen Einrichtungen bestanden, um Unterofficiere und Soldaten auch theoretisch unterweisen zu können. Die Heeres-Anstalten, namentlich in administrativer Beziehung, blieben dem militärischen Einflüsse entzogen, und darum beschränkte sich das Bildungswesen für dieselben auf einen Curs für Auditore, die Josefs-Akademie und das Thier-Arznei-Institut. Zu dem Officiers-Töchter-Institut gesellte sich das Mannschafts- Töchter-Institut. Österreichs Wehrmacht, 1797 durch Übernahme der venetiani- schen Marine vermehrt, von 1804—1809 auf die sogenannte Triestiner Marine beschränkt, erhielt 1814 in der exitalienischen Marine eine ansehnliche Verstärkung, wenngleich diese maritimen Streitmittel hauptsächlich nur zum Schutze des Handels dienten. Anlässlich der 1824 erfolgten Neu-Organisirung der kaiserlichen Marine erhielt das Militär-Bildungswesen einen Zuwachs durch das Marine-Collegium und durch das Marine-Knaben-Erziehungshaus. Dritter Zeitabschnitt. (Von den politischen Bewegungen 1848—1849 in Mittel-Europa bis zur Einführung der allgemeinen Wehrpflicht im österreichischen Heere.) Der entscheidende Wendepunkt in der politischen und culturellen Entwickelung Österreichs, welchen die Jahre 1848—1849 bildeten, musste seinen Einfluss auch auf das Heer geltend machen. Dieses, aus dem Kriege ruhmesstolz hervorgegangen und verjüngt durch seinen

Next

/
Oldalképek
Tartalom