Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 3. (1878)

Das Bildungswesen im österreichischen Heere vom dreissigjährigen Kriege bis zur Gegenwart. (Beitrag zu Culturgeschichte Österreichs.) Nach Originalquellen von Josef Ritter Rechberger von Rechkron, Major im k. k. Kriegs-Archiv

24 Das Bildungswesen im österreichischen Heere Von den Hilfswissenschaften war die Literatur über Mathematik bald vermehrt. Die Landes-Aufnahmen in ökonomischer und militärischer Bezie­hung, sowie die vom General-Quartiermeister-Stabe bewirkte Beschrei­bung, als Ergebniss eingehender militärischer Reeognoscirungen, hatten über Österreich nicht nur ein völlig umfassendes, sondern auch äusserst kostbares Material für die Erdkunde geschaffen. Die Vermessungen und Aufnahmen erfolgten in Salzburg (1707—1808), im Erzherzogthume Österreich (1807—1819), in Tirol (1816—1820), in der Lombardié, Venedig und Mittel-Italien (1802—1825), in Kärnten, Krain und Istrien (1821—1824 und 1825—1835), in Steiermark (1826—1836), in Mähren und Schlesien (1838—1842), in Böhmen (1842—1853), in Ungarn (1810 begonnen und nach mehrfachen Unterbrechungen 1868 beendet), endlich in der Bukowina (1828 begonnen, 1863 beendet) *). Da in diesem Zeitabschnitte noch immer die Wahrung des Geheim­nisses vorwaltete, so wurde nur ein geringer Bruchtheil des aufge­speicherten Schatzes zur Conception von Kartenwerken für die Publicität verwerthet. Das Kartenwesen hatten die gediegenen Arbeiten des österreichi­schen Generalstabes schon zu Beginn des Jahrhunderts auf einen hohen Standpunkt und in den nachfolgenden Decennien zu allgemeiner Anerkennung gebracht. Die eigentliche geographische Literatur blieb in den ersten Decennien des Jahrhunderts in der früheren Kindheit. Die Apostel der Erdkunde: „Alexander von Humboldt“ und „Carl Ritter“, arbeiteten erst an den Werken zur Verbreitung des eigentlichen geo­graphischen Wissens; und selbst, nachdem diese begonnen, währte es noch geraume Zeit, ehe das Licht die Dämmerung bei der Mehrheit durchzudringen vermochte. Diesen Verhältnissen verdankt ein ganz eigenthümlicher militärischer Wissenszweig: die „Terrainlehre“, seine Entstehung. Vor und zu Beginn unseres Jahrhunderts war der Ein­fluss des Bodens und seine richtige Benützung für den Kampf zu vollster Würdigung gelangt. Die geographischen Werke überhaupt, und insbesondere jene, welche für den Unterricht bestimmt waren, boten aber so wenige und so dürftige Daten über Gestaltung und Beschaffenheit der Erdoberfläche, dass von jenen Mächten Mittel- Europa’s, welche die möglichen Kriegsfälle in’s Auge fassten, Officiere zur Bereisung verschiedener Nachbarländer, und zwar in der Absicht beordert wurden, im Geheimen den Hauptcharakter derselben auszu­kundschaften und zu beschreiben. Diese Aufzeichnungen führten, der ') Karten-Archiv des k. k. Kriegs-Archives. Die Aufnahmen von Galizien (1861 — 1865), von Siebenbürgen (1853 begonnen), Croatien, Slavonien und der Militär- grenze (1869 beendet), der Walachei (1869) fallen in die nächstfolgenden Zeit­abschnitte.

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