Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 3. (1878)

Das Bildungswesen im österreichischen Heere vom dreissigjährigen Kriege bis zur Gegenwart. (Beitrag zu Culturgeschichte Österreichs.) Nach Originalquellen von Josef Ritter Rechberger von Rechkron, Major im k. k. Kriegs-Archiv

vom dreissigjälirigen Kriege bis zur Gegenwart. 15 10 Jahren auf 386 mit 443 Kindern an, welch’ letztere insgesammt Anspruch auf Versorgung hatten. Bei dem Regimente Mathesen (Nr. 42) aber erreichte die Ziffer eine enorme Höhe, denn bei dem dritten Bataillon allein erscheinen 1792 bei einem Effectiv-Stande von 969 Köpfen „324 Verheiratete mit 455 Kindern“ ausgewiesen. Aber nicht blos bei der Infanterie, sondern auch bei der Cavallerie waren die zahlreichen Ehen mit Kindern gesegnet, so z. B. beim Cürassier-Regimente Hohen- zollern (Nr. 8), welches 1782 bei einem Effectivstande von 1033 Köpfen 78 Verheiratete mit 117 Kindern hatte’). Summirt man nach dem Stande der Armee vom Jahre 1754 die 54 Infanterie-, 18 Cürassier-, 16 Dragoner- und 10 Huszaren-Regimenter2), und werden dazu noch die Artillerie und übrigen Branchen gerechnet, so gibt eine gering angenommene Durchschnittsziffer der Verheirateten und deren Kinder eine Gesammtzahl, welche die Errichtung besonderer Erziehungs­anstalten unabweislich erscheinen Hess. Maria Theresia’s Absicht, die Ackerbau treibende Bevölkerung durch Begünstigung der Soldaten­ehen rasch zu vermehren, war für friedliche Verhältnisse berechnet, diese aber blieben bei den politischen Constellationen während Ihrer Regierungsjahre ein frommer Wunsch. Die geistige Ausbildung der Soldatenkinder wurde auf das all­gemeine staatliche Unterrichtswesen basirt. Aber noch im Jahre 1770 fehlte dem grössten Theile der politischen Behörden die Geneigtheit zu thatkräftigem Eingehen in die nöthige durchgreifende Reorganisation des Volksschulwesens. Ungeachtet dessen hatte Maria Theresia schon 1771 die Errichtung von Schulcommissionen, Schulfonds und Normalschulen in allen Provinzen theils durchführen, theils vorbereiten lassen. 1774 war bereits die Verfassung tauglicher Schulbücher be­endet, der Unterricht der Lehramts-Candidaten vollständig organisirt, und am 6. December eine allgemeine Schulordnung genehmigt. „Die persönliche Theilnahme der Kaiserin“ an dem bezüglichen Wirken „leistete dem energischen Fortgange der Schulverbesserung mächtigen Vorschub3)“, und für die Errichtung von Hauptschulen gab die Auf­lassung vieler Gymnasien Raum, Mittel und Lehrkräfte. Da ungeachtet alles dessen den Intentionen Maria Theresia’s nicht in dem gewünschten Masse entsprochen war, erfolgte 1781 die Einführung des Schulzwanges, und erst der feste Wille Kaiser Josef’s II., durch die Thätigkeit der von ihm angeeiferten landesfürstlichen und Privat-Beamten unterstützt, steigerte in kurzer Zeit die Zahl und den Besuch der Volksschulen in ausserordentlicher Weise. Gegen Ende des ersten Zeitabschnittes mussten nicht nur die staat­lichen, sondern auch die socialen Zustände Österreichs von jenen völlig ’) Amtlicher Ausweis der Fachrechnungs-Abtheilung, Zahl 7759. s) Registratur des Reichs-Kriegs-Ministeriums 1754, Fase. 84, Nr. 192. 3) Bericht des Unterrichts-Ministeriums vom Jahre 1873.

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