Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 3. (1878)
Das Bildungswesen im österreichischen Heere vom dreissigjährigen Kriege bis zur Gegenwart. (Beitrag zu Culturgeschichte Österreichs.) Nach Originalquellen von Josef Ritter Rechberger von Rechkron, Major im k. k. Kriegs-Archiv
14 Das Bildungswesen im österreichischen Heere tern weg und zu denen Landesbewohnern in die Provinzial-Versorgung kommen, damit denenselben gleich von der allerzartesten Jugend an nicht allein die harte Bauernarbeit angewöhnt, sondern auch das Land- Ökonomie-Wesen eingeflösset, und auf solche Weise sie zur Besorgung des Feldbaues, wie für den Militär-Stand, am sichersten gut und gemein- crspriesslich erzogen werden“. Wie sehr der Kaiserin die rasche Hebung des Nährstandes am Herzen lag, geht daraus hervor, dass sie den Gymnasial-Unterricht einschränkte, „in der Befürchtung, eine übergrosse Zahl Gymnasien werden dem Ackerbau, Gewerbe und Handel zu viele Kräfte entziehen *)“. Der Hofkriegsrath trachtete die Soldatenkinder in möglichst grosser Zahl in den von der Regierung in’s Leben gerufenen Waisenhäusern der Provinzen unterzubringen. Auf einem bezüglichen Anträge ist indorsirt: „Der Hofkriegsrath hat zu dieser Versorgung, soweit der Fundus erklecket, die Soldatenkinder in Vorschlag zu bringen, aller- massen der böhmisch-österreichischen Kanzlei unter einstens mitgebe, damit solche, wo die Waisenhäuser allschon bestehen, sogleich eingenommen und in Verpflegung gebracht, wo sie aber noch nicht bestehen, sogleich zu Stand gebracht werden. „Maria Theresia.“ Über jene Soldatenkinder, die sich in der Waisenhaus Versorgung befanden, mussten durch die General-Commanden an den Hofkriegsrath „die Consignationen“ eingereicht werden, und zwar vorzüglich darüber, „was sie allda erlernet haben“, . . . „um diejenigen aus ihnen, die etwa sich schon selbst das Brod zu verdienen im Stand sein dürften, aus der Stiftung wegzunehmen1“)“. Mit gutem Erfolge hatte der Hofkriegsrath Soldatenkinder bis zum achten Jahre auch „zu denen Landesbewohnern gegen Bezahlung täglicher zwei Kreuzer per Kopf in Kost gegeben“, den Kindern vom achten Jahr an, die schon „zu gewissen Arbeiten tauglich“ waren, „zwei Gulden zur Anschaffung der ersten Kleidungsstücke verabreichen lassen“ 3). Von 1743 an hatten die Waisenhäuser zu Wien, Graz, Klagenfurt (ursprünglich „Militär-Waisenhaus“, im Jahre 1775 mit 243 Knaben und 169 Mädchen) und Linz allmälig prosperirt und nicht nur zur Verbesserung des Volksunterrichtes beigetragen4), sondern auch für eine Reihe von Jahren die Möglichkeit geboten, einen Theil der Soldatenknaben zu versorgen. Deren Zahl nahm aber stetig zu; so hatte z. B. das Regiment Marschall (jetzt Nr. 18) im Jahre 1751 bei der Effectivstärke von 2068 Mann 222 Verheiratete; nach Verlauf von 10 Jahren war diese Zahl auf 344 gestiegen, und wuchs nach ferneren *) Bericht des Unterrichts-Ministeriums vom Jahre 1873. 2) 1775 Registratur des Reichs-Kriegs-Ministeriums, Fase. 47, Nr. 441. 3) Registratur des Reichs-Kriegs-Ministeriums. Vortrag des Hofkriegsrathes Nr. 371, Jahr 1775. 4) Bericht des Unterrichts-Ministeriums vom Jahre 1873.