Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 2. (1877)

Die Neben-Operationen im Feldzuge 1859 in Italien

Die Neben-Operationen im Feldzuge 1859 in Italien. 85 gewünschten Vorwand, die Bevölkerung gegen Österreich aufzustacheln. Als der Festungs-Commandant von Ancona, GM. Mollinary, wegen Verhängung des Belagerungs-Zustandes und Einsprache gegen das Ein­laufen des französischen Kriegsdampfers „LTmpetueuse“ in den dortigen Hafen auf den Widerstand der päpstlichen Behörden stiess, nahm die Bevölkerung auch gegen die k. k. Truppen eine feindselige Haltung an. Der Protest des Occupations-Truppen-Commandanten gegen die unbeschränkte Verleihung von Waffen-Licenzen führte dieser Stimmung neue Nahrung zu, welche sich in Insulten gegen k. k. Officiere Luft machte, als die Nachricht von dem unglücklichen Ausgange der Schlacht von Magenta eingetroffen war. Der Verlauf der Ereignisse in den Nachbarstaaten blieb nicht ohne Einfluss auf Modena. Die am Passo deli’ Abetone stehende französische Brigade, deren Vortruppen bis Pievepelago streiften, machte die Sprengung der Brücke bei Parullo und die Verstärkung der dort aufgestellten österreichischen und estensischen Truppen nothwendig. Zum Schutze der herzoglichen Regierung gegen revolutionäre Umtriebe und zum Schutze der estensischen Truppen traf am 4. Juni, unter Commando des GM. Baron Jabionski, eine combinirte Brigade in Modena ein. Diese hatte die ihr angewiesene Aufstellung an der Secchia und am Rodano kaum bezogen, als wegen Rückzuges der II. Armee vom Ticino deren Abberufung und vorläufige Concentrirung um Modena anbefohlen ward; das Treffen bei Melegnano aber, welchem die Räumung der Lombardié und jene von Piacenza sich anreihte, hatte auch die Einberufung sämmtlicher am rechten Po-Ufer aufge­stellten Truppen wie der Besatzungen aus dem Römischen zur Folge. GM. Jabionski liess die Eisenbahnbrücke über die Secchia bei Rubbiera zerstören und trat am 11. den Rückzug nach Moglia an. Seine königl. Hoheit der Herzog von Modena schloss sich der Brigade an, nachdem er zuvor eine Proclamation an die Bewohner erlassen hatte. Die Regierungs-Geschäfte wurden nun von einer Junta über­nommen, welche die Dictatur Victor Emanuel’s proclamirte. GM. Habermann trat am 11., nachdem er vorher alles Militärgut und die transportfähigen Kranken über Ferrara hinter den Po dirigirt hatte, seinen Rückzug über Bologna an, erreichte am selben Tage Modena und rückte mit der Brigade Jabionski am 14. in Ceresa ein Die Bevölkerung von Bologna rief nach Abmarsch der öster­reichischen Besatzungs-Truppen Victor Emanuel zum Dictator aus und erklärte den Anschluss der Legationen an Piemont. Der Befehl zur Räumung von Ancona kam dem GM. Mollinary in einer Zeit zu, als die Armirung der Festung theils vollendet, theils im vollen Zuge war. Die Geschütze sollten mittels des im Hafen von Ancona ankernden k. k. Kriegsdampfers „Curtatonel£ insgeheim nach

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