Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 2. (1877)
Die Neben-Operationen im Feldzuge 1859 in Italien
86 Die Neben-Operationen im Feldzuge 1859 in Italien. Dalmatien abgesendet oder, wenn hiezu keine Zeit mehr wäre, sammt der rückbleibenden Munition unbrauchbar gemacht werden. In Folge dessen wurden die Geschütze vernagelt, die Munition aber dem päpstlichen Legaten zur Aufbewahrung übergeben, die Mundvorräthe endlich um 60 Percent des Localpreises veräussert. Der Rückmarsch der Brigade GM. Baron Mollinary begegnete nicht nur keinem Hindernisse, sondern es wurde derselben im Gegen- theile von den Gemeinden die etappenmässige Verpflegung willfährig verabfolgt. Die Marschleistung derselben vom 12. bis 18. Juni, 30 y* Meilen, ist eine bedeutendere in der Kriegsgeschichte. Der Räumung von Ancona reihte sich jene von Ferrara an. Der dortige Commandant, FML. Marquis Vasquez, Hess vom 11. Juni an die Kranken nach Padua, Geschütze und Vorräthe aber nach Mantua schaffen und folgte, nachdem die Queue der Brigade Mollinary Ferrara passirt hatte, als Arriéregarde derselben am 20. über den Po. Begebenheiten am unteren Po und vor Venedig. — Zur Bewachung des unteren Po wurden anfangs Juni die Brigaden Marziani und Anthoine aufgeboten und unter Commando des FML. Baron Marenzi zu einer Division vereinigt. Erstere war bestimmt, die Po- Mündungen gegen Landungsversuche zu vertheidigen; letztere sollte dem Feinde das Vorbrechen durch die Sümpfe der Polesina verwehren. Die durch GM. Baron Maroicic vorgenommene Recognoscirung ergab, dass in diesem von Lagunen und Sümpfen bedeckten Gelände, auf den 3 bis 5 Fuss tiefen und von Sandbänken verlegten Flussmündungen eine Landung stärkerer feindlicher Truppen-Abtheilungen nicht ausführbar sei. Die Nachricht von dem Auslaufen einer für das adriatische Meer bestimmten Expeditions-Armee von Toulon, gestaltete die Aufgabe dieses Generals zu einer schwierigen, und lehrreich sind die Ergebnisse, welche bei Lösung derselben seine Forschungen zu Tage förderten1). Das Festungsgebiet von Venedig, von Brondolo bis Mazzorbo, in einer Länge von 5 Meilen, und vom Fort Lido bis zum Fort Haynau, in einer Breite von l1/,, Meilen, umfasste eine Fläche von nahezu 8 Quadratmeilen in zwei Befestigungs-Gruppen, nämlich jener von Venedig selbst und der von Chioggia-Brondolo. Venedig war Mitte Mai in vollkommen vertheidigungsfähigem Zustande, mit Lebensmitteln, Süsswasser und Munition hinreichend versehen, mit 573 Geschützen armirt und hatte eine Besatzung von 21.500 Mann. Die kriegerischen Ereignisse vor Venedig beschränkten sich auf zweimalige Beschiessung feindlicher Fahrzeuge von unserer Seite und *) Siehe Seite 149—156.