Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 2. (1877)

Die Neben-Operationen im Feldzuge 1859 in Italien

84 Die Neben-Opevationen im Feldzuge 1859 in Italien. Ferneres unablässig bemüht war, das Selbstbestimmungsrecht des toscanischen Volkes zu betonen. Sache des Prinzen sollte es dann weiter sein, diesem Selbstbestimmungsrechte die in seinen Wünschen gelegene Richtung zu geben. Am 25. Mai landete das 5. französische Corps in Livorno und schob seine Vortruppen an die modenesische Grenze vor. Der Herzog von Modena zog daher seine in der Garfagnana stehenden Truppen nach Cerreto déllé Alpi zurück. Kaum hatten die estensischen Truppen die Garfagnana geräumt, als bewaffnete Haufen piemontesischer Nationalgarden und auch reguläre sardinische Truppen mit Regierungs-Commissarien eintrafen, um die Gebiete von Gallicano und Garfagnana im Namen Victor Emanuel’s in Besitz zu nehmen. Hierauf überschritten sie die Grenze von Parma und erschienen in Pontremoli. Parma stand in freundschaftlichen Beziehungen zu Piemont, hatte seine Neutralität ausdrücklich erklärt und auch den Entschluss gefasst, den Schutz Frankreichs anzusuchen. Die gegen diesen Gewaltact in Turin gemachten Vorstellungen hatten keinen Erfolg. Die Verweigerung des Schutzes und der Umstand, dass auch Piacenza von den k. k. Truppen geräumt werden sollte, bestimmten die Herzogin-Regentin das Land zu verlassen. Die provisorische Regierung erklärte sofort den Anschluss an Piemont; die Truppen aber, welche sich stets durch eine musterhafte Haltung auszeichneten, rückten mit 8 Kanonen und 2 Mörsern nach Brescello ab; ihres Eides nun entbunden, nahmen die Meisten ihren Abschied, Andere traten in Dienst des Herzogs von Modena und brachten die Geschütze nach Mantua. In den päpstlichen Legationen, wo Österreich kraft der Verträge das Besatzungsrecht hatte, begann die Gährung mit dem Zeitpunkte, wo FZM. Graf Gyulai den Ticino überschritt. Die Neutralitäts-Erklärung des päpstlichen Staates von Seiten Österreichs und Frankreichs, welche wohl für diese Staaten, nicht aber auch für Toscana und die dort organisirten Freischaaren Geltung hatte, war wenig geeignet, die Revolution von demselben fernzuhalten, im Gegentheile liess sie der Actionspartei freies Spiel, die Umwälzung ungestört vorzubereiten. Die päpstlichen Behörden verhielten sich den revolutionären Kundgebungen gegenüber passiv; ja sie versagten den Massnahmen, welche die k. k. Militär-Commanden gegen die Ausschreitungen zu ergreifen oder anzuregen bemüssigt waren, die schuldige Unterstützung. Die vom Occupations-Truppen-Commandanten GM. Habermann gegen die drohende Aufstellung der toscanischen Division Ulloa und die Marschrichtung des Prinzen Napoleon getroffenen militärischen Sicherheits - Massnahmen verschafften der tendenziösen Presse den

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