Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 2. (1877)
Betrachtungen über die Schlacht bei Solferino
Betrachtungen über die Schlacht bei Solferino. 69 „Eben die ungemein defensive Stärke der Position hinderte ein offensives Vortreten des Vertheidigers ans derselben. Eine wirksame Unterstützung konnte nur seitwärts erfolgen, indem die Abtheilungen des 1. Armee-Corps nicht in die Stellung, sondern an derselben vorbei geführt wurden. Allerdings wäre eine rechtzeitige Vorsorge für den Ersatz der Munition nöthig gewesen, wenn es den drei tapferen Brigaden ermöglicht werden sollte, ihre lange und erfolgreiche Verteidigung fortzusetzen.“ „Kaiser Napoleon bestimmte für den entscheidenden Angriff zunächst die Division Camou. Die Brigade Picard wurde links gegen die Höhen dirigirt, die Brigade Manéque rückte an der Brigade Alton rechts vorbei, gegen die Abtheilungen des 1. österreichischen Corps vor, welche am Monte Pelegrino aufgestellt waren.“ „Wenn jetzt wenigstens das 7. Armee-Corps hier zur Stelle war, wenn sich ihm die Hälfte des 1. Armee-Corps und die Cavallerie- Division Mensdorff anschlossen, so würde man ohne Zweifel die Brigade Manéque zurückgeworfen haben und konnte mit mindestens 30.000 Mann gegen die Division Mellinet und den linken Flügel des Marschalls Mac Mahon Vorgehen, die einzigen, die noch nicht in’s Gefecht verwickelt waren. Eine solche Offensive in diesem Augenblicke und in dieser Richtung musste alsbald auch die Verhältnisse bei Solferino wieder hersteilen.“ „Kaiser Franz Joseph hatte dem 7. Armee-Corps die Direction auf Solferino gegeben, seinen Abmarsch um 9‘/2 Uhr befohlen, — es hätte, da die Entfernung von Volta bis zum Monte Pelegrino l1/* Meile beträgt, füglich zur Stelle sein können, — wie wir sehen, traf aber der um 12‘/2 Uhr erfolgende französische Angriff auf die Brigaden Reznicek und Hoditz des 1. Armee-Corps. So erlag dem umfassenden und mit überlegenen Kräften geführten Angriff der Franzosen das 1. Armee- Corps in einer Stellung, welche das 5. Corps so lange behauptet hatte.“ — Die Armee-Oberleitung, welche nach dem Verluste des Punktes Solferino die Schlacht noch keineswegs aufgab, da das Gefechtstorrain bei Guidizzolo und S. Martino behauptet wurde, befahl um 3 Uhr die Concentrirung aller verfügbaren Kräfte der II. Armee in der Stellung von Cavriana, somit die Bildung der zusammenhängenden Schlachtlinie auf den zurückgehaltenen Staffel in der Höhe Cavriana-Guidizzolo. Die 2. Division des 7. Armee-Corps traf nach verspätetem Aufbruch, nach fehlerhaft genommener Marschrichtung, wohl erst spät Nachmittags am linken Flügel der II. Ai'mee ein, war aber doch vermögend, den Rückzug und den Aufmarsch dieses Flügels in die zweite Stellung von Cavriana zu decken. Schon war der Aufmarsch der Truppen in die Position von Cavriana im Zuge, als bei der obersten Heeresleitung die bekannte