Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 2. (1877)

Betrachtungen über die Schlacht bei Solferino

64 Betrachtungen über die Schlacht bei Solferino. zur Sicherheit der Armee gehandhabt, schien ganz verschwunden zu sein. Indem ferner viele Abtheilungen am 23. Juni Abends in später Stunde die Lagerplätze erreichten und die von der obersten Heeres­leitung schon am 22. für den 24. Juni erlassenen Dispositionen kurz vor und nach Mitternacht — I. Armee — erhielten, die Führer aber aus eigener Initiative zu handeln sich nicht veranlasst fanden, so wurden auch keine Vorbereitungen für eine Schlacht getroffen, und beide k. k. Armeen wurden in ihren Lagerstellungen überrascht. Es ist nun wohl zu erklären, dass der ebenso unerwartet als frühzeitig erfolgte Angriff auf die Österreicher ein Schwanken in den ersten Gegen-Dispositionen hervorrief, welches theils verspätete, theüs unrichtige Verwendung einzelner Brigaden, ja ganzer Divisionen und Armee-Corps zur Folge hatte. Bei Solferino war es nicht das erste Mal, dass der zu späte Aufbruch des k. k. Heeres und die nicht rechtzeitige Ausgabe der Dispositionen die Schlacht zu Gunsten seines Gegners entschieden f hat. Nachstehende Episode aus der Schlacht von Wagram am 5. und 6. Juli 1809 liefert einen Beleg hiezu *). „Am 5. Juli 11 Uhr Nachts wurde in einem von den Flammen verschonten Hause zu Deutsch-Wagram die General-Disposition für den 6. zu Papier gebracht, deren Grundgedanke darin bestand: den völlig in’s Marchfeld herübergekommenen Feind mit allem Nachdruck anzugreifen und in die Donau zu werfen.“ „Diese Disposition war schon im Augenblick, in welchem selbe ausgegeben wurde, völlig unausführbar, insoweit sie ein gleichzeitiges Handeln bedingte. Sie traf sogar beim 4. Armee-Corps erst um zwei Uhr Morgens, also selbstverständlich bei den entfernteren viel später ein. Die noch vom vorigen Tage stark mitgenommenen Pferde kamen nicht so rasch vorwärts, Einzelne verirrten sich, und so gelangte die Disposition erst gegen drei Uhr Morgens an das 6. und 3. Armee-Corps, und es wurde fast vier Uhr, bis Mann und Pferd, ganz wie gewöhnlich, mit hungrigem Magen den Marsch antraten, weil den so oft wiederholten Befehlen des Armee-Commando’s in dieser Hinsicht nicht gebührende Rechnung getragen wurde.“ „Aufbrechen sollte die Armee, wie folgt: „Das 6. Armee-Corps (FML. Graf Klenau) und das 3. Armee- Corps (FZM. Graf Kollowrat) um Ein Uhr nach Mitternacht; „das Grenadier-Corps (FML. Baron d’Aspre) um 3 Uhr; 4) Vergleiche: „Der Feldzug des Jahres 1809 in Süddeutschland“, von Heller v. Hellwald, k. k. Feldmarschall-Lieutenant „Österreichische militärische Zeitschrift“, Jahrgänge 1862 und 1863.

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