Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 2. (1877)
Betrachtungen über die Schlacht bei Solferino
Betrachtungen über die Schlacht bei Solferino. 65 „das Cavallerie-Reserve-Corps (G. d.C. Fürst Liechtenstein), sobald die Tete der Grenadier-Colonne herbeikommt.“ Das 1. Armee-Corps (G. d. C. Graf Bellegarde) hatte um vier Uhr Morgens Aderklaa anzugreifen, das 4. Armee-Corps (FML. Fürst Rosenberg) aber um vier Uhr Morgens in Bewegung sich zu setzen“. „Das 4. Armee-Corps, welches die Angriffs-Disposition um 2 Uhr Morgens erhielt, fand Zeit, seine Vorbereitungen zu treffen und Schlag vier Uhr loszubrechen. — Während FML. Fürst Rosenberg in voller Action sich befand, blickte der Generalissimus — Se. kais. Hoheit der Erzherzog Carl — von der Höhe oberhalb Baumersdorf vergebens nach seinem rechten Flügel, der kaum erst in der Höhe von Leopoldau und Süssenbrunen stand, wodurch auch das Vorgehen des Grenadier- und Cavallerie-Corps sich verzögerte. —Es gieng auf sieben Uhr, als das 1. Armee-Corps (G. d. C. Graf Bellegarde) seine Anstalten in der Linie Aderklaa—Deutsch-Wagram beendet hatte*, gegen zehn Uhr war es schon, als endlich der österreichische rechte Elügel — 3. Armee- Corps FZM. Graf Kollowrat — seine Formirungsiinie vollständig erreichte, auf welcher ihn der Generalissimus schon um acht Uhr erwartet hatte etc. etc.“ — Zu der erwähnten Hauptursache für den unglücklichen Ausgang der Schlacht von Solferino sind noch folgende, nebensächliche Fehler und Versäumnisse zu zählen. Das Meldungswesen und der Sicherheitsdienst blieben hinter den gehegten Erwartungen, — überhaupt hinter den diesbezüglichen Vorschriften und den nach selben bewirkten Friedensübungen weit zurück. Bei Vormärschen in unmittelbarer Nähe des Feindes gehörten die beiden Armee-Hauptquartiere eher zu den Vordertreffen als zu der Queue. Hätten dieselben, wie früher bemerkt, in Guidizzolo und Cavriana oder Solferino übernachtet, anstatt l ‘/2 Meilen rückwärts in Cereta und Volta zu bleiben, oder würden sich dieselben, wenn auch in den letztbezeichneten Stationen nächtigend, doch wenigstens früh Morgens an die vordere Linie der Truppen begeben haben, so hätte es nicht geschehen können, dass die Rapporte der Unterbofehlshaber viel zu spät einliefen, und letztere wären wieder nicht längere Zeit ohne Weisungen geblieben. Die Dispositionen des grossen Hauptquartiers vom 22. Juni legten in dieser Beziehung keinen Zwang auf, denn sie bezeichneten die Orte nicht, in welchen die Hauptquartiere der beiden Armeen etablirt werden sollten. Das 9. Armee-Corps erhielt erst um 6 Uhr die Meldung über den um 2‘/a Uhr— also 3‘/2 Stunden früher — entbrannten Kampf bei Medole, so wie über den Verlust dieses Ortes; das I. Armee-Commando wurde davon gar nicht in Österr. militär. Zeitschrift. 1877. (Mittheilungen des Kriegs-Archivs.) 5