Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 2. (1877)

Wilhelm v. Janko: Der erste Infanterie-Inspector der österreichischen Armee

100 Der erste Infanterie-Inspector der österreichischen Armee. bewaffneten Macht auf fast Eine Million Soldaten bringen. Das Frankreich Napoleon I. hatte diese Stärke im Jahre 1812, als es den Krieg in Spanien und Russland führte und über einen grossen Theil Europa’s gebot, nicht überschritten; Russland war im Krimkriege, wo Alles dem Kriegszwecke dienstbar gemacht und eine 25jährige Felddienstpflicht Staatsgesetz war, über eine Million Soldaten nicht herausgekommen. Was Österreich also beim Ausbruch des Krieges versäumt hatte, die Aufstellung übermächtiger Massen, das wurde im Verlaufe des Feldzuges reichlich eingebracht. Leider hielten die im Kriege aus­schlaggebenden finanziellen Mittel mit den organisatorischen der Kriegs­verwaltung und mit der patriotischen Hingebung der Bevölkerung nicht gleichen Schritt, um die colossalen Truppenmassen, ihrer Be­stimmung gemäss, gehörig auszurüsten und zu verpflegen und so den Krieg fortzuführen, statt ihn in einem Momente zu beendigen, wo fast die ganze wehrfähige Volkskraft zur Erreichung des Kriegszweckes eingesetzt werden konnte. ~§3~ Der erste Infanterie-Inspector der österreichischen Armee. Nach dem hofkriegsräthlichen Act im k. k. Kriegs-Archive mitgetheilt von Wilhelm von Jankó. Zu denjenigen Persönlichkeiten, welche die Geschichte Meister der Kriegskunst, sowohl im praktischen als im theoretischen Sinne nennt, gehört der Feldmarschall Moriz Graf von Lacy. Namentlich in letzterer Beziehung machte sieh sein Wirken derart geltend, das man ihn mit Recht als den Reorganisator der österreichischen Armee im verflossenen Jahrhundert bezeichnet, da er ihre Institutionen von den Kriegs-Artikeln angefangen bis zu den Bestimmungen für ihre Thätigkeit am Schlachtfelde, den Anforderungen der Zeit gemäss um­geschaffen hatte. Lacy, der das ganze Vertrauen seiner Monarchin Maria Theresia und seines Kaisers, Josef II., besass, wurde nach Feld­marschall Daun’s erfolgtem Ableben dessen Nachfolger in der Präsi­dentschaft des Hofkriegsrathes, nachdem er ein Jahr vorher mit der Würde der eben neu in’s Leben gerufenen Stelle eines Inspectors für die gesammte kaiserliche Infanterie betraut worden war1). Die l) In Hirtenfeld’s „Maria Theresien-Orden“ irrig als General-Inspector der „Armee“ genannt.

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