Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 1. (1876)

Österreichs Kriege seit 1495. Chronologische Zusammenstellung des Schlachten, Gefechte, Belagerungen etc., an welchen kaiserliche Truppen auf den verschiedenen Kriegsschauplätzen entweder allein, oder mit ihren Alliirten theilgenommen haben - Moriz Edlen von Angeli: Der Kriegsrath und seine Bedeutung in der Gegenwart

Der Kriegevath und seine Bedeutung in der Gegenwart. 97 sie den Operations-Berathungen beizog. Im Türkenkriege 1664 z. B., wo vier verschiedene Armeen (die kaiserliche, die Reichs-Kreis-Armee, die Auxiliär-Armee und das französische Hilfscorps) unter dem Befehle Montecuccoli’s vereinigt waren, mehrten sich die Kriegsberathungen in unglaublicher Weise, freilich weder zum Vortheile der Einheit der Leitung, noch der Operationen. Es gehört jedoch in den Bereich der historischen Fabel, wenn behauptet wird, der Kriegsrath sei eine obligate Einführung im Heere und weniger dazu bestimmt gewesen, den Oberfeldherrn intellectuell zu unterstützen, als ihn sozusagen unter Controle zu stellen, ihn von allzukühnem Wagen abzuhalten und seinen Entwürfen Fesseln anzulegen, falls sie sich nach irgend einer Richtung hin in zu hohem Fluge erheben wollten. Wie sehr auch eine solche Annahme durch den Hinweis auf die endlosen Kämpfe des dreissigjährigen Krieges, wo sich manche Heerführer in bedenklicher Weise von der Autorität des Regenten emancipirten, begründet erscheinen möchte, die Geschichte liefert dafür keine Anhaltspunkte, und was speciell das kaiserliche Heer betrifft, lässt sich vielmehr das stricte Gegentheil beweisen. Dem Feldherrn blieb die Leitung, der nach einem bestimmten politischen Ziele gerichteten Operationen vollständig überlassen; es stand ihm völlig frei, die zugewiesenen Kräfte entweder allein nach eigenem Ermessen zu verwenden, oder sich des Rathes Anderer zu bedienen. Selbst im dreissigjährigen Kriege, als noch die frühere Zusammen­setzung des Kriegsrathes in theilweiser Geltung war, trug man dieser Anschauung vollkommen Rechnung und stellte es z. B. in der Instruction für den Erzherzog Leopold Wilhelm, bei Übernahme des Ober- Oommandos über das kaiserliche Heer (15. September 1639), demselben frei, „sich mit den geheimen Kriegs- und anderen Räthen, Obristen und wem sonst hiezu tauglich“ zu berathen. Nach dem westphälischen Frieden kommen in der kaiserlichen Armee die ständigen Kriegsräthe allmälig in Wegfall, und wurden statt derselben die beim Heere anwesenden höheren Generale bis ein­schliesslich des Feldzeugmeisters dem Kriegsräthe beigezogen. Es scheint nun, dass man sich später (1673) mit der Idee trug, die bestandenen früheren Kriegsräthe in Form einer Dependenz des mittlerweile bereits zu hohem Einflüsse gelangten Hofkriegsrathes wieder herzustellen. Das Project, welches von dem Obristen Grafen Ferdinand Ernst Herberstein ausgieng, blieb jedoch ohne praktische Folgen und wurde von dem damaligen Ober-Commandanten des kaiser­lichen Heeres in energischer Weise abgelehnt. Graf Montecuccoli, dem das Memorandum des Obristen Grafen Herber stein zur Begut­achtung übergeben wurde, schrieb hierüber an den Hofkriegsrath zu Wien: „Die Hofkriegsrathsstelle zu Feld kann in gar keine Consideration kommen, sintemal die Officiers, wenn sie von denen Generalspersonen Österr. militär. Zeitschrift. 1876. (Mittheilungen des Kriegs-Archivs.) ^

Next

/
Oldalképek
Tartalom