Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 1. (1876)
Österreichs Kriege seit 1495. Chronologische Zusammenstellung des Schlachten, Gefechte, Belagerungen etc., an welchen kaiserliche Truppen auf den verschiedenen Kriegsschauplätzen entweder allein, oder mit ihren Alliirten theilgenommen haben - Heinrich Du Val Graf von Dampierre, Freiherr von Mondrovillia, kaiserlicher General-Feldwachtmeister, Kämmerer, Kriegsrath, Ritter des Ordens de Santa Militia und Oberst-Inhaber eines Cürassier-Regiments. Ein Beitrag zur Geschichte der I. Periode des dreissigjährigen Krieges
86 Heinrich Du Yal Graf von Dampierre. Schaar stellte sich der Feldherr selbst, ihm zur Seite befanden sich ein Lieutenant (der als Augenzeuge über den Fall Dampierre’s im „Floras Germanicus“ Mittheilung machte) und Don Carlos d’Austria (?). Auf dem steilen und schmalen Wege, der zu dem östlichen, der Domkirche zugewendeten Schlossthore führte (heutzutage Schlossberggasse) wurden diese Musketiere zuerst eines vor dem Thore aufgeworfenen halben Mondes gewahr, von wo aus und dem dahinter befindlichen Schlosse, man sie mit einem dichten Kugelregen begrüsste. Die feindliche Besatzung bestand aus etlichen Fähnleins conföderirter Österreicher, Böhmen und Mährer, welche von den entwichenen österreichischen Edelleuten Erasmus von Landau, Zacharias Stärzer und András Thornradel von Ebergassing (bekannt als Anführer bei der Scene vom 11. Juni 1619 in der Burg) mit Wort und Beispiel zur tapferen Verteidigung des Schlosses ermuthigt wurden. Dampierre, der einen flüchtigen Abriss der Stadt und Umgebung von Pressburg mit sich führte, sprach seine Verwunderung über die neu aufgeworfene Verschanzung aus, die er zweimal, jedoch vergeblich angreifen liess; er selbst gab dabei den Seinigen das schönste Beispiel der Unerschrockenheit und Tapferkeit, indem er sie, eine Partisane hoch in der Hand, aufs Feurigste aneiferte. Den Musketieren Dampierre’s, die mit aller möglichen Anstrengung ihrer Kräfte die Palissaden ausrissen und mit martialischem Geschrei sich zum Vordringen untereinander entflammten, gelang es wohl, bei dem dritten Anlaufe das vorgelegte Werk zu übersteigen, aber der Hagel von Kugeln, welcher sie vom Schlosse aus empfieng, lichtete ihre Reihen auf das Furchtbarste. Dampierre ertheilte daher dem früher erwähnten Lieutenant den Befehl, sich einstweilen vertheidigungsweise zu verhalten, während er selbst um Verstärkung sich zurückbegeben wolle. In dem Momente, als er sich umkehrte, wurde er aber von einer Kugel rückwärts in den Hals getroffen, die zum rechten Ohre wieder hinausfuhr, worauf er auch augenblicklich todt zur Erde fiel. Es war dieses um 2 Uhr Nachmittags. Der Fall Dampierre’s machte die Kaiserlichen derart verwirrt, dass sie sich rasch zurückzogen. Gleichzeitig machte auch die Besatzung einen Ausfall, verfolgte die Fliehenden und bemächtigte sich des gefallenen Körpers Dampierre’s, dessen Haupt, Brust und Angesicht von den wider ihn aufgebrachten Hajdúkén mit Buzogánys und Piken zerschlagen und zerstochen, endlich der Kopf abgehauen und sammt dem Rumpf in das Schloss geschleppt ward. Den Kaiserlichen war sowohl über das Misslingen ihres Angriffes als über den Tod ihres Generals die Thatkraft zu einem ferneren Versuche entfallen, und dies umsomehr, als Collalto, im Momente des Unglückes mit seiner Reiterei über den Ort Engerau hervorbrechend, von den Ungarn, die einen lebhaften Ausfall machten, ebenfalls nicht nur mit empfindlichem Verluste in die Flucht geschlagen, sondern auch