Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 1. (1876)
Österreichs Kriege seit 1495. Chronologische Zusammenstellung des Schlachten, Gefechte, Belagerungen etc., an welchen kaiserliche Truppen auf den verschiedenen Kriegsschauplätzen entweder allein, oder mit ihren Alliirten theilgenommen haben - Heinrich Du Val Graf von Dampierre, Freiherr von Mondrovillia, kaiserlicher General-Feldwachtmeister, Kämmerer, Kriegsrath, Ritter des Ordens de Santa Militia und Oberst-Inhaber eines Cürassier-Regiments. Ein Beitrag zur Geschichte der I. Periode des dreissigjährigen Krieges
85 Heinrich Du Val Graf von Dampierre. u-' Darüber verfloss natürlich Zeit und damit auch die verabredete Stunde des Angriffes. Nachdem der Tag hereingebrochen, besprach sich Dampierre über die nun zu treffenden Massregeln. Seine Officiere waren der Weitervorrückung abgeneigt; sie meinten, dass, da der helle Tag angebrochen und die Collalto’sche Truppe bereits vom Feinde entdeckt sei, wie sich dies aus dem Lärmen und Schiessen in jener Richtung schliessen liess, man keine Hoffnung habe, die Besatzung zu überrumpeln und Petarden anzuhängen, dass es vielmehr am rath- samsten scheine, „die Impresa“ bis auf eine günstigere Zeit aufzuschieben. Dampierre aber, ein ebenso entschlossener als tapferer Soldat, wusste allen Einwendungen zu begegnen und fügte schliesslich hinzu, dass ihn die Correspondenz, welche er mit dem Grafen Pálffy und Anderen geführt, bestärke, dass der Anschlag auch am Tage nicht fehlschlagen werde. Er liess nun die Schiffe hierauf wieder ihre Fahrt fortsetzen, musste aber nach kurzer Zeit abermals den Untergang zweier aneinander gekoppelter Schiffe mit 200 Mann, die zur Vorhut bestimmt waren, beklagen. Sie stiessen am Fusse des Braunberges, welcher die Ruine der Burg Rattenstein trägt, auf einen Felsen und scheiterten, wobei fast alle darauf befindlichen Leute ertranken. Ungeachtet dieses wiederholten Unfalles, den man jetzt als erneuerten abmahnenden Fingerzeig des Schicksales anzusehen versucht ist, und einer gleichzeitigen lebhaften Begrüssung durch Stückgeschosse aus dem Schlosse Theben, setzte Dampierre, der nunmehr wusste, dass sein Anrücken bekannt sei und von Pressburg aus auch wahrgenommen wurde, seine Fahrt dennoch fort, um etwa Stunde oberhalb dieser Stadt bei einem Weinberge zu landen. Nachdem er die Truppe geordnet, führte er sie sofort im Sturme gegen die an dem Strome gelegenen Vorstädte Zuckmantel, Wedritz, Donau-Neusiedel (Neustift) und die daselbst aufgeworfene Schanze, nahm sie im ersten Anlauf und das in letzterer befindliche Geschütz. Gleich darauf fielen ihm noch zwei Bethlen’sche Kanonen in die Hände, welche auf dem Krönungshügel, der sich damals vor dem Fischerthore — nicht wie später unfern der Schiffbrücke — befand, aufgepflanzt waren, die er gegen die Stadtmauer kehrte, diese und das früher erwähnte Thor damit beschiessend. Seine an die Besatzung gerichtete Aufforderung, sich zu ergeben, ward mit der Erklärung, „bis auf den letzten Blutstropfen fechten zu wollen“, beantwortet. Als Dampierre nach längerer nutzloser Beschiessung und mehrmaligem, aber vergeblich versuchtem Anstürmen wahrnahm, dass er hier keinen Erfolg zu erzielen im Stande sei, gab er an dieser Stelle, etwa gegen die zehnte Stunde, alle weiteren Versuche auf. Er beschloss , nunmehr seinen Angriff gegen das Schloss zu richten, wohin er auch sofort 200 Musketiere und einige Feuerwerker mit den wenigen noch übrigen Petarden beorderte. An die Spitze dieser kleinen