Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 1. (1876)

Österreichs Kriege seit 1495. Chronologische Zusammenstellung des Schlachten, Gefechte, Belagerungen etc., an welchen kaiserliche Truppen auf den verschiedenen Kriegsschauplätzen entweder allein, oder mit ihren Alliirten theilgenommen haben - Eine Episode aus der Schlacht bei Magenta den 4. Juni 1859

70 Eine Episode aus der Schlacht bei Magenta den 4. Juni 1859. einige Steine an der Mauer aufeinander, um zu dem feindlichen Officier zu gelangen, und stieg auf dieselben. Tiefe Stille herrschte auf beiden Seiten. Die erste Bewegung des Zuaven-Capitäns war, dass er unserem Abgesandten die Hand reichte und die entgegen gebotene mit Wärme drückte, als wolle er dadurch die Achtung zu erkennen geben, welche unsere Schaar und deren verhältnissmässig winzige Zahl dem Gegner ab gerungen hatte. Der Inhalt seiner Rede war beiläufig: „Oberst Tixier, Comman­dant des 2. Zuaven-Regimentes, verpfände unserem Commandanten sein Ehrenwort, es sei für uns kein Ausweg mehr offen; wir hätten ihnen, die in ihren vielen Kriegen tapfere Feinde auch im Unglücke ehren gelernt, viel Theilnahme eingeflösst; weiteres Blutvergiessen wäre un­verantwortlich, weil wir am Ende doch unterliegen müssten, da Magenta von drei französischen Armee-Corps besetzt sei, und die Österreicher sich im vollen Rückzuge befänden. Man biete uns ehrenvolle Gefangen­schaft; die Officiere sollten ihre Waffen behalten.“ Oberlieutenant Mudroch brachte diese Worte, die überdies von Allen gehört wurden, zu Oberst Hauser. Das Hoffnungslose unserer Lage unter dem Eindrücke der einbrechenden Nacht erkennend, ergaben wir uns. Es war */g9 Uhr Abends. Auf diese Art waren also in Gefangenschaft gerathen: Oberst Hauser mit 4 Officieren und 130 Mann. Darunter waren 18 leicht Verwundete. Die Schwerverwundeten blieben im Hause liegen. Todt waren 5 Mann geblieben. Man brachte uns in das Nachbarhaus, behandelte uns höchst chevaleresk und liess den Officieren die Waffen, welche aber am fol­genden Tage auf höheren Befehl, um unter den übrigen Gefangenen keine Ausnahme gelten zu lassen, abgenommen wurden, was durch Oberst Tixier persönlich in rücksichtsvollster Weise geschah. Man brachte uns über Genua nach Frankreich.“ Bazancourt erzählt über diesen Kampf des 2. Feldjäger-Bataillons in seiner bombastischen Weise ziemlich unwahr, aber für den Kampf selbst bezeichnend, Folgendes: „Aus einem grossen Hause von mehreren Stockwerken, welches die linke Ecke der Strasse bildet, war das Gewehrfeuer am fürchter­lichsten. Ein österreichischer Oberst hatte es mit 300 Tirailleuren besetzt, die als ausgezeichnete Schützen vielen Schaden unter uns anrichteten. Todte und Verwundete lagen in grosser Anzahl vor allen Zugängen dieses todbringenden Hauses ausgestreckt. So lange es in der Hand des Feindes bleibt, ist jedes weitere Vordringen unmöglich. „Man muss sich um jeden Preis des Hauses bemächtigen!“ sagt General l’Espinasse, der mit ritterlicher Unerschrockenheit den Kugeln trotzend, welche ihn umpfeifen, und seinen Truppen in der gefährlichen

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