Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 1. (1876)
Die Schlacht von Königgrätz
Die Schlacht von Königgrätz. 47 vorwärts als Offensivflanke vor. Da aber die Kaiser Ferdi- nand-Cürassiere sowohl aus Kornfeldern, wie aus einigen naheliegenden Häusern von Infanterie und auch von Artillerie mit Kartätschen heftig beschossen wurden, also Angesichts einer so vortheilhaften Position des Feindes an keinen Cavallerie-Erfolg zu denken war, liess der Regiments- Commandant, Oberst Berres, sein Regiment umkehrt schwenken und führte selbes, mustérhaft geordnet, im Trab zurück. Dieses Manöver veranlasste jedoch den Feind, diesem Cürassier- Regimente zu folgen, und gab hiedurch dem Regimente Hessen-Cüras- siere Nr. 6 unter Oberst Graf Thun, Gelegenheit zu einer glänzenden Attaké in die linke Flanke (diese Attaké wurde muthmasslich durch eine Escadron Nicolaus-Huszaren unterstützt), welche zur Folge hatte, dass die feindliche Reiterei endlich so vollständig und nachhaltig geschlagen wurde, dass sie sich nirgends auf dem weiten Schlachtfelde blicken liess/' Die österreichische Cavallerie war zur Erhärtung ihres erfolgreichen Wirkens auf dem Schlachtfelde von Königgrätz weder eines beredten Anwaltes noch eines glänzenden Plaidoyers bedürftig, wie sie die preussische Reiterei in Oberst v. Besser und dessen Schrift gefunden hat. Zu einer solchen, das Sprichwort: „Qui s’excuse, s’accuse“ bestätigenden Sachwaltschaft lag keine Veranlassung vor. Die Gefechts- Relationen, welche an dem Tage nach der Schlacht verfasst wurden, die über Leistungen der Cavallerie in Militär-Zeitschriften von com- petenten Officieren veröffentlichten Berichte, endlich das vom k. k. Generalstabe auf Grund dieser Behelfe herausgegebene Werk genügten vollkommen zur Aufklärung der Thatsachen und der durch sie geschaffenen Verhältnisse. Bändereiche Bücher Hessen sich über einen kaum lV2stündigen Reiterkampf, während dessen Truppen, Aufstellungen, Objecte etc. nur im Galop und Carriére passirt und in Betracht gezogen werden konnten, nicht schreiben, wenn sie nicht Nebensächliches enthielten. Die preussische Armee, welche während des Reiterkampfes Infanterie und Artillerie in Stellungen gebracht und verwendet, dann aber auch das Schlachtfeld in Besitz genommen hatte, war jedenfalls besser in. der Lage, einzelnen Schlachtmomenten ihre Aufmerksamkeit zu schenken, als das k. k. Heer, welches zur Zeit des Zusammenstosses der Cavallerie-Massen in halber Auflösung ausserhalb des Actionsbereiches der Reiterei sich befand. Da hatte Jeder mehr an sich selbst, als an den Nebenstehenden zu denken. Aus dieser Auseinandersetzung der Gefechtsverhältnisse wird es erklärlich, weshalb die Darstellung der sieghaften Reitergefechte im österreichischen Generalstabswerk von trockener Kürze ist, und warum von allem Detail abgesehen werden musste. Der Generalstab