Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 1. (1876)

Die Schlacht von Königgrätz

46 Die Schlacht von Königgrätz. nicht die österreichischen Reiter-Brigaden gesiegt, dann würden sie ihre höchst unvollständige Verfolgung weiter ausgedehnt und nicht in einem Momente abgeschlossen haben, wo die Früchte des Sieges erst erbeutet und unermesslich werden konnten. Nach dem Zurückwerfen unserer Cavallerie-Massen stand der Thaten- und Unternehmungslust der preussischen Reiterei kein Hinderniss mehr im Wege; sie konnte leicht und ungehindert bis vor die Thore von Königgrätz, ja bis Pardubitz Vordringen.“ Es ist mithin unumstössliche Thatsache, dass die österreichische Cavallerie nur zurückgewiesen und nicht gänzlich über den Haufen geworfen (total culbutirt) wurde, dass dieses Zurückweisen durch alle drei Waffen der preussischen Armee und nicht durch die Reiterei allein stattgefunden, und dies erst dann, als sie ihren Zweck erreicht hatte, die feindlichen Cavallerie-Massen aus dem Felde zu schlagen und für die Verfolgung der österreichischen Infanterie unschädlich zu machen. Das Cürassier-Regiment Kaiser Ferdinand ist trotz aller An­fechtungen von gegnerischer Seite nicht zur Action gelangt, und der k. k. Generalstab, welcher die Geschichte des Feldzuges von 1866 nur nach demselben vorgelegenen Acten verfasste, hat sich in dieser Beziehung keine Blösse gegeben, da er nur dasjenige aufnehmen konnte, was actenmässig erwiesen war. Die Prätension, über Bewegungen und Waffenthaten der österreichischen Reiterei auf dem Schlachtfelde von Königgrätz besser unterrichtet sein zu wollen, als ihre eigenen Führer, muss zurückgewiesen werden. Uber den Angriff des Cürassier-Regi- ments Kaiser Ferdinand drückt sich die Relation der 1. Reserve- Cavallerie-Division folgendermassen aus: „Die feindliche Reiterei, Dragoner-Regiment Nr. 2?, Garde- Dragoner ? und ein Uhlanen-Regiment, rückte auf den Höhen nördlich von Rozberitz zum Angriffe in drei Treffen vor, voraus zwei Treffen Dragoner, weiter rückwärts das Uhlanen-Regiment als Reserve. Den­selben gieng die Brigade Schindlöcker mit grösster Bravour entgegen und warf sie mit Untex'stützung einiger Escadronen Huszárén, welche aus östlicher Richtung gegen Rozberitz rückten, mit solcher Heftig­keit, dass sie vollständig geschlagen und in volle Flucht gejagt wurden, wobei sich das Cürassier-Regiment Graf Stadion Nr. 9 besonders aus­zeichnete.“ „Während dieses Angriffes hatte auch die Brigade General-Major Prinz Solms einen Angriff auf feindliche Huszárén, das Regiment blaue Huszárén mit weissen Schnüren und rothe Huszárén, gemacht. Die blauen Huszárén schwenkten mit Zügen rechtsum Kehrt und giengen zurück, als sich denselben das 4. Cürassier-Regiment Kaiser Ferdinand nach bewirktem Aufmarsch immer mehr und mehr näherte.“ „Mit dem Cürassier-Regiment Kaiser Ferdinand gleichzeitig rückte auch das 6. Cürassier-Regiment Pi’inz von Hessen in Staffeln rechts

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