Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 1. (1876)

Österreichs Kriege seit 1495. Chronologische Zusammenstellung des Schlachten, Gefechte, Belagerungen etc., an welchen kaiserliche Truppen auf den verschiedenen Kriegsschauplätzen entweder allein, oder mit ihren Alliirten theilgenommen haben - Moriz Edlen von Angeli: Der Kriegsrath und seine Bedeutung in der Gegenwart

Der Kriegsrath und seine Bedeutung in der Gegenwart. 99 Bei der damals noch weit mehr als heute herrschenden Ansicht, militärische Leistungen absolut nur nach dem Erfolge zu beurtheilen, musste der Feldherr stets dessen gewärtig sein, dass man ihm bei missglückten Unternehmungen die versäumte Einberufung des Kriegs- rathes als sträfliche Unterlassung anrechnete, wenn gleich im anderen Falle keine Frage darnach war, ob die erfolgreich durchgeführte Operation früher berathen wurde oder nicht. Ausserdem aber öffnete der Gebrauch, Kriegsrath zu halten, auch Intriguen verschiedenster Art Thür und Thor, und waren die Fälle nicht selten, wo die eigenen Generale die Pläne ihres Feldherrn durch­kreuzten — wo alliirte Truppenführer die Sonderpolitik ihrer Landes­herren, zum Schaden der eigentlich kriegführenden Macht, durch ihr Votum im Kriegsrathe begünstigten. — Selbst dort, wo keine von Aussen kommenden Einflüsse die Functionen des Kriegsrathes beein­trächtigten, konnten sich die Beisitzer nur in sehr seltenen Fällen zu jener Selbstlosigkeit erheben, welche als Postulat jeder Berathung angesehen werden muss. Die Verantwortung, welche sie mit dem obersten Führer theilten, beschränkte umsomehr jede rückhaltslose Meinungsäusserung, als die Mitrathenden zumeist nur im ungünstigen Falle die gefassten Beschlüsse dem ganzen Umfange nach zu vertreten hatten, während sie sich bewusst waren, nur in geringerem Masse an den erkämpften Lorbeeren zu participiren. Mag diese Beurtheilung des Wesens ehemaliger Kriegsräthe vielleicht auch strenge erscheinen, so fusst sie doch mit unbestreitbarer Richtigkeit in der menschlichen Natur, die nur selten Ideale schafft und wird überdies durch die Thatsacben fast ausnahmslos erhärtet. Vergleicht man die Resultate der Kriegsberathungen, welche die Archive aufbewahrt haben, so trifft man überall die gleiche Erscheinung, dasselbe Wiederspiel von vorsichtig verclausulirter Anschmiegung an die Ideen des Feldherrn, — oder die trockene, unfruchtbare Negation unter der verschiedensten Form. — Die Fälle sind nicht sehr zahl­reich, wo der Kriegsrath den ursprünglichen Entwurf des Feldherrn thatsüchlich modificirte; wo dies aber stattfand, geschah es im negativen Sinne; der Kriegsrath blieb hinter dem Entwürfe zurück. Dagegen ist es ohne Beispiel, dass der Kriegsrath, über die ihm vorgelegten Fragen hinausgehend, den Feldherrn zu kühnem Wagen fortgerissen, und dieser, den so modificirten Plan erfolgreich durchgeführt hätte. Endlich führte die zu weit getriebene Verallgemeinerung eines an und für sich vollkommen berechtigten und nothwendigen Principes zu dem Missbrauche, dass der Feldherr beijedem Anlasse die Meinung seiner Generale einholte, vor jeder entscheidenden That innehielt, um erst Kriegsrath zu halten, wobei dieser aber selten mehr war, als das Echo des Willens des Feldherrn oder ein Hemmschuh seines Handelns.

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