Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 1. (1876)
Österreichs Kriege seit 1495. Chronologische Zusammenstellung des Schlachten, Gefechte, Belagerungen etc., an welchen kaiserliche Truppen auf den verschiedenen Kriegsschauplätzen entweder allein, oder mit ihren Alliirten theilgenommen haben - Moriz Edlen von Angeli: Der Kriegsrath und seine Bedeutung in der Gegenwart
100 Der Kriegsrath und seine Bedeutung in der Gegenwart. Den genialen Führer lähmte er entweder in seinen Entwürfen oder sank zur blossen Formalität herab, wo jener es verstand, sich über ihn hinwegzusetzen oder ihn zu beherrschen; die Unentschlossenheit aber fand eine willkommene Stütze in endlosen Berathungen, die oft der nichtigsten Anlässe halber veranstaltet wurden. Die Folge hievon war die in früheren Zeiten so oft hervortretende schleppende, thatenlose Kriegführung, welche Prinz Eugen treffend mit dem Ausspruche charakterisirt, dass, wenn ein General keine Lust hätte, etwas zu unternehmen, kein Mittel besser sei als einen Kriegsrath zu halten Die Geschichte beweist dies auch zur Genüge und zeigt, dass dort, wo ein genialer, thatkräftiger Führer an der Spitze des Heeres stand, sich auch die Kriegsberathungen auf ein bescheidenes Mass reducirten, während anderseits oft weit mehr Kriegsräthe als Affairen vorkamen. Die nachfolgende Wiedergabe eines Kriegsraths-Protokolles nach dem Originale aus dem Jahre 1664 wird den richtigsten Massstab zur Beurthei- lung bieten. Die kaiserliche Armee hatte vor dem Anmarsche des Grossveziers die Belagerung von Kanizsa aufgehoben und sich auf Serinvár zurückgezogen, um dort die Ankunft der Reichs-Armee abzuwarten, welche jedoch erst ankam, als die Türken auch diesen letzteren Platz genommen und, nun zu weiteren Operationen bereit, zwischen Kanizsa und der Drau lagerten. Bei der ungehinderten Bewegungsfreiheit des Gegners musste die, jeder Initiative beraubte kaiserliche Armee darauf bedacht sein, über ihre nächsten Operationen schlüssig zu werden. Feldmarschall Graf Montecuccoli benutzte daher den Augenblick, wo der kaiserlichen Armee durch die bereits in der Nähe angelangten Kriegsvölker des Reichs-Feldmarschalls Markgrafen Leopold von Baden eine erweiterte Operationsfähigkeit in Aussicht gestellt war, um in innerem Kriegsräthe die weiteren Massnahmen festzustellen. Uber diese Berathungen wurde das nachstehende Protokoll an Ort und Stelle aufgenommen 4j. Protocollum den 10. Juli 1664, Nachmittags. Praesentibus : Feldmarschall Graf Montecuccoli; Markgraf Leopold von Baden, Reichs-Feldmarschall; Graf Georg von Waldek, General-Lieutenant der Reichs-Armee; Graf Wolfgang von Hohenlohe, General-Lieutenant über die alliirten Truppen in Ungarn; Feldmarschall von Sp arr, Feldzeugmeister Markgraf von Sulzbach; Judex curiae Graf Nádasdy. Montecuccoli proponirt: Man hätte die Reichsvölker erwartet, dem Feinde Abbruch thun zu können; selbige wären nun in der Nähe angekommen, also falle zu deliberiren vor: J) Kriegs-Archiv; Feldacten 1664, Fase. VII, 63. Anderweitige Beispiele der Abhaltung von Kriegsräthen aus den Jahren 1697—98 finden sich in dem Werke „Feldzüge des Prinzen Eugen von Savoyen“, herausgegeben von der Abtheilung für Kriegsgeschichte des k. k. Kriegs-Archivs, Wien 1876, II. Band, Anhang Nr. 38 — 41, 43, 44, 47—50 und Supplement-Heft Nr. 24.