Militär-Oekonomie-System der kaiserlichen königlichen österreichischen Armee 8. (Wien, 1821)

\ Contumaz befindlichen Diener öfters mit Lauge auszureiben, die Wände mit frischem Kalke zu weißen, und die Fenster und Thüren wenigstens durch 42 Tage offen zu lassen, ehe in solche andere Contumazisten eingenommen werden dürfen. Jene Häuser von Orten, in denen die Pest ausgebrochen ist, und aus welchen Pestkranke entweder in das Laza- reth gebracht, oder in ihren eigenen Häusern verstorben sind, müssen in Gegenwart eines Stabs - Offrciers und eines Contumaz- oder Rastell-Znspectors durch den exponieren Arzt und exponirten Reinigungsdrener sehr genau durchsuchet, alle giftfangenden Zeuge, welche in den Zimmern, Kammern, Dächern, Böden und Scheunen vorgefunden werden, mit der größten Vorsicht und Behuthsamkeit auf einen Haufen zusammen getragen, das­jenige aber, was von den Contumaz - Beamten zu vertilgen nölhig befunden wird, abge­sondert, durch die Schatzleute zur künftigen Vergütung taxiret, sodann in den Pestsreyd- hos gebracht, daselbst verbrannt, und die Asche vergraben werden. Dasselbe gilt auch von den in Pest-Lazarethen gebrauchten Särgen, Todtentnchen u. s. w. Die genaue Durchsuchung aller Gemächer ist um so nöthiger, als eben durch derley verborgene Effecten oft das Pestübel ausgebrochen ist. Jene Hausgerathe und Effecten von größerem Werthe, welche gut vereiniget werden können, sind in die Contumaz-Coliben zu bringen, in Kübel, mit frischem Wasser gefüllt, einzuweichen, von Zeit zu Zeit mit einem Stabe umzurühren, das Wasser öfters abzulas­sen, und frisches so lange darauf zu gießen, bis klares abläuft; bann werden die Effecten ÄUsgeschweifet, in der Luft getrocknet, über den Pestrauch gehalten, und hernach die vorige Manipulation bis zu Ende der Relnigungs - Periode wiederhohlt. Hölzerne, eiserne, kupferne Eeräthe, Bodungen, Fässer, Wägen u. dgl., müssen im Freyen mit Sand abgerieben, öfters gewaschen, die Wände der Zimmer in ben im- pestieken Hausern abgeschlagen, mit Kalk einige Mahle wohl ausgeweißet, die Zimmerbö' den mit Lauge öfters gerieben, die Hauvtplätze mit Pflügen umgeackert, wieder planirt, und der obere S chütt oder Mist auf den Pestfreydhof gebracht, und daselbst vergraben werden. Die Zimmer sind mit Mineral - Säure auszuräuchern, welche Räucherung auf eine dreyfache Art veranstaltet werden kann: i tens: Mittelst der Dämpfe der gemeinen concentirten Salzsäure, ober stens: Mittelst der Dämpfe der vollkommenen Salpeter-Säure, ober 3tens: Mittelst der Dämpfe der übersauren ober orygenirten Salzsäure. §. 8299. Zur Gewinnung der salpetarsauren Dämpfe gießt man in eine Schale, au$ Glas, Porzellan oder Steingut, z. B. in eineKaffehschale, ein Loth starkes Vitriolöhl, und rühret nach und nach ein Loth fein pulverisirten Salpeter mit einem gläsernen Stabe hinein. Es entbinden sich dabey schnell und in großer Menge blaßweiße salpetersaure Dämpfe, welche sich im ganzen Zimmer verbreiten. Das Gemische wird von Zeit zu Zeit mit der Glasstange umgerührt, wobey die Ent­wickelung der Dämpfe wohl ein paar Stunden fortbauert. Zuweilen entwickeln sich hier rothe, den Lungen schädliche Dämpfe, was man, so viel als möglich, zu vermeiden suchen muß, und man wird dieses können, wenn man erstens Metall, Holz, Stroh und thierische Substanzen von der Berührung der Massa ausschließt; zweytens, wenn man die Hitze vermeidet; deßwegen soll man das Vitriolöhl vor der Mi­schung nicht erwärmen, und nie eine größere Menge, als oben gesagt wurde, in einem Gesäße vermischen; sondern, wenn eine stärkere Räucherung nöthig ist, lieber mehrere Ge­säße anwenden, auch nie die ganze Qualität an bewohnten Orten auf Ein Mahl zu sa mm ei mengen, sondern die Mischung nach und nach verrichten; drittens: man entferne bähe auch vor der Räucherung alles Metall aus den Zimmern, Betten und Kleibern, so viel al Von den Contumaz-Anstalten. l <Uoifrt;riff jur Der fflljjcterfaueen,

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