Militär-Oekonomie-System der kaiserlichen königlichen österreichischen Armee 3. (Wien, 1820)

555 die Schädlichkeit des Genusses einer Mineral- Saure ins Besondere noch nach der speciellen Gattung und der Größe der Beymischung einer solchen Saure, dann nach dem Verhält­nisse der Zelt, in welcher dieselbe Menge anhaltend und fortgesetzt im Essig genossen wird; allein dieser Schaden ist nicht minder in der Pharmacie und Chemie von noch größerem Belange , indem die Präparationen der Medicamente durch diese Verfälschung unendlich lei­den, einige davon, dieser fremden Beymischung wegen, auch wohl gar nicht zu Stande ge­bracht werden können. Der im Handel vorkommende Essig ist manchmahl mit Schwefel- oder Vicriol-Säurc, mit Salz, auch Salpecer- Säure verfälscht, um ihn dadurch, wegen mangelnden Gehaltes an Essigsäure, sauer zu machen, und die bestimmte Menge des milden Kali zu neutralisiren, dadurch also die gewöhnliche Probe des Essigs zu hintergehen. Da die Schwefelsäure einer Sérts die wohlfeilste unter den Mineral-Säuren ist, anderer Seits auch reiner sauer schmeckt, als die Salz- und Salpeter-Säure, so wird sie gewöhnlich zur Verfälschung des Essigs angewendet; seltener wird zu diesem Zwecke die Salz- und Sal­peter-Saure verwendet. B ey der Prüfung und Untersuchung des Weinessigs ist daher Folgendes zu beobachten: Ein guter Weinessig muß vollkommen klar, von mehr oder weniger gelblicher Farbe seyn, auch kann er etwas in's Röthliche stechen (was der Fall ist, sobald er auS rothem Weine erzeugt wurde) , er muß einen angenehmen und eigenthümlich saueren Geruch und Geschmack besitzen; eine geringe Menge zwischen den Händen gerieben, darf nicht nach Bier oder Branntwein riechen; durch mehrere Tage aufbewahrt, darf keine Neigung zum Schimmel oder Kamigwerden bemerkbar seyn; zur Hälfte eingekocht, muß er nach dem Erkalten viel saurer schmecken, als zuvor. Eine Unze soll 28 bis 3o Gran mildes Gewächs - Laugensalz sättigen. D en Verdacht einer Verfälschung mit Schwefelsäure erregt ein besonders eingreifender, eigenthümlich saurer Geschmack, und das Neutralisiren einer größeren Menge vom Gewächs- Laugensalze, zum Beyspiel 5o bis 60 Gran. Die volle Gewißheit dieser Verfälschung spricht sich aus, wenn eine dem zu prüfenden Essig zugetröpfelte Lösung des reinen oderauch essigsaueru, salpetersauern, auch salzsaueru Ba­ryts eine mehr oder weniger starke weiße Trübung (je nachdem mehr oder weniger Schwe­felsäure beygemischr ist) verursacht, und darauf ein weißer Niederschlag entsteht, der in keiner Säure auflöslich ist. Eine geringe Trübung bey diesem Versuche darf man jedoch nicht als einen Beweis einer Verfälschung mit Schwefelsäure annehmen, indem diese von den schleimigen Theilen des Essigs herrührt. Die Verfälschung mit Salzsäure entdeckt man durch eine salpetersaure Silberauflösung, bey deren Zutröpfeln sogleich eine weiße, flockichte Trübung, und darauf ein weißer Nleder- schlag entsteht , der getrocknet bey Einwirkung des Sonnenlichtes eine graue Farbe anmmmt. D ie Verfälschung mit Salpeter-Säure wird dadurch erkannt, daß das durch Sättigung des Essigs mit Gewächs -Laugensalz und Abrauchender Mischung trocken erhaltene Neutral-Salz, üuf glühende Kohlen gestreut, mit Verpuffen und lebhaftem Feuer verbrennt. War der Essig aber nicht mit dieser Säure verfälscht, so wird das erhaltene Salz nur gelinde knistern, und einen brenzlich - säuern Geruch verbreiten. Aber außer den Mineral-Säuren kennen betriegerische Menschen auch noch andere Stoffe zur Verfälschung des Essigs, und wenden diese öfters als Mineral - Säuren an. E in derley zubereiterer Essig hat keinen angenehmen, rein sauren, sondern einen bren­nend scharfen Geschmack, was durch Einkocheu des Essigs noch wahrnehmbarer wird. Bestreicht man eine Lippe mit reinem, und dle andere Lippe mit dem verfälschten Essig, jo bleibt riüch dem Abtrocknen auf letzterer Lippe ein Brennen zurück, welches auf der ersteren nicht Start findet. Von der Approvisionirung der festen Platze.

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