Militär-Oekonomie-System der kaiserlichen königlichen österreichischen Armee 1. (Wien, 1820)
Von den Obliegenheiten der Beamten. 107 ver Stelle in bic Bearbeitung zu nehmen, und abzugeben, daimt derley Angelegenheiten in der oben fest gesetzten Art ihrer Erledigung schleunigst zugesührt werden können. Zur Erreichung dieses Zweckes ist es nothwendig, daß der Referent, bevor er über die Stücke die Auszüge verfassen laßt, in dieselben die Einsicht nehme, um zu bestimmen, wel- che Stücke zuvörderst extrahirt werden sollen. Wie es mit Bearbeitung der übrigen, nicht in die Elasse der dringlichen gehörigen Stücke gehalten, und daß auch bey diesen das längere Erliegen der Eingaben nicht geduldet werden soll, ist schon oben bemerkt worden. Seine Majestät finden also hier nur noch zu bemerken, daß Leichtsinn, Flüchtigkeit und Schleuderey von der Beschleunigung der Geschäfte wohl unterschieden, sohin keine wesentliche Beylage ungelesen gelassen, und jeder Antrag sorgfältig geprüft werden müsse. Unnöthige Einvernehmungen, die oft nur um Zeit zu gewinnen, manches Mahl auch um die Mühe der Erhebung und des Nachdenkens auf Andere zu wälzen, geschehen, haben ein - für allemahl zu unterbleiben. Ins Besondere machen es aber Seine Majestät allen Referenten zur unerläßlichen Pflicht, in die Protocolle der Unterbehörden genaue Einsicht zu nehmen, da ohne eine solche Einsicht der wichtige Zweck, weßwegen die Vorlegung der Protocolle anbefohlen ist, ganz verloren geht, und derjenige, der sie unterlaßt, sich eines der wirksamsten Hülfsmittel, um sich sein Fach ganz eigen zu machen, entzieht. Aber auch die übrigen Hülssmittel, um als Referent den möglichsten Nutzen zu stiften, dürfen nicht aus den Augen gelassen werden, sondern müssen so, wie sich die Gelegenheit dazu darbiethet, gesammelt, und entweder in dem Büreau aufbewahrt, oder wenigstens daselbst Vormerkungen, wo und unter welcher Nummer solche in der Registratur zu finden sind, geführt werden. Hierher gehören allgemeine Uebersichten, Ausweise, wichtigere, zur Erleichterung und Vervollkommnung der Geschäftsbehandlung beytragende Data, genaue und ausführlichere Schilderungen der Bestellung und des Geistes der Unterbehörden, ausgearbeitete Tableaus von dem ganzen Umfange des Administrations-Zweiges oder von dessen einzelnen Bestandthei- len mit Hinweisung auf das, was schon eingerichtet und verbessert worden ist, und was noch einer Organlsirung oder Verbesserung bedarf. Seine Majestät verkennen es zwar nicht, daß eine längere Zeit dazu erforderlich seyn wird, um diese zu einer wahrhaft guten Geschaftsbehandlung nothwendigen Hülfsmittel vollständig herbey zu schaffen, und behalten Sich vor, hierüber und über die damit im Zusammenhänge stehende, von jedem Referenten alljährlich zu liefernde Uebersicht des ihm anvertrauten Administrations-Zweiges Allerhöchstihre Gesinnungen ausführlicher zu erkennen zu geben. Seine Majestät versehen sich jedoch, daß die hier vorgeze-ichneten Grundlinien immer hinreichen werden, daß diejenigen Referenten, welche ähnliche Saminlungen von Materialien aus dem eigenen Gefühle ihres Nutzens bereits angefangen haben, dieselben fortsetzen, die andern aber sich damit, nach Zulassung ihrer übrigen Arbeit, ebenfalls zu beschäftigen beginnen. Indem nun aber, um auf schleunige und gründliche Behandlung der Geschäfte, verbunden mit umfassender Uebersicht, sicher rechnen zu können, die Rathe fähige, für ihrFach vollkommen ausgebildete Männer, und nicht bis zum Unerschwinglichen belastet seyn müssen, so haben Seine Majestät in dieser Hinsicht zu erinnern befunden, wie nothwendig es sey, bey Entwerfung der Vorschläge zur Besetzung der Rathsstellen die sorgfältigste Auswahl zu treffen, und nicht bloß die Eigenschaften des Jndividiums überhaupt, sondern auch ins Besondere dessen relative Brauchbarkeit für das Amt in Anschlag zu bringen, und bey demselben keiner solchen Ueberhaufung mit Geschäften Statt zu geben, deren Bezwingung auch die Kräfte eines fleißigen und fähigen Mannes übersteigt, zumahl dem Dienste sehr schlecht damit gedient ist, wenn selbst thatige und geschickte Männer in die unangenehme Alternative kommen, entweder in Rückstände zu versinken, oder die Stücke mit dem möglichst geringsten Aufwande von Zeit und Mühe abzufertigen, und auf das viele Gute, was aufmerksame Beobachtung getroffener Einleitungen, anhaltendes Verfolgen der eigentlichen Quellen sich außernBand i. 28 *