Zs. Kakuk , I. Baski (Hrsg.): Kasantatarische Volksmärchen: Auf Grund der Sammlung von Ignác Kúnos.
Texte
93 schicktest mich weg. Nichts ist mir geblieben in dieser Welt, bin vom dem Land entfemdet, irrte in der Welt herum, und der jetzt vor dir stizende [104] Jüngling, siehe bin ich, dein Sohn." Als der Padischah und seine Frau diese Worte hörten, verloren beide dass Bewusstsein, beide erblindeten, sie weinten vor Freude und Kummer, dass Herz zersprang ihnen und sie starben. Der Jüngling bestattete Vater und Mutter, sammelte seine Untertanen und kehrte zu seiner Frau zurück. Er kehrte zurück, da kam ihm die alte Frau entgegen, lächelnd verlieh sie ihrer Freude Ausdruck; Reich und Arm alle Leute wurden zusammengerufen und in das Schloss geführt und ein grosses Freudenfest veranstaltet. Doch die zwei Witfrauen waren in grosser Sorge. Als würde sich ein Mahlenstein in ihren Köpfen drehen, ihr Hirn brodelte nur so, zu welcher Stunde wird er uns töten, fragten sie sich und warteten auf ihre Todesstunde. Der Padischah stellte die Witwen beiseite und versuchte die Wünsche des alten Mütterchens zu erraten. Das Mütterchen und die beiden Witwen haben die Sache schon lange geplant; sie assen und tranken, das Freudefest war beendet, die Soldaten zerstreuten sich, nur sie blieben zurück. Der Padischah fragte das Mütterchen: "Nun, Mütterchen, was soll ich dir für deine Dienste geben?" Das Mütterchen dachte nicht lange nach und sagte: "Mach mich zur Herrin der Berge, auf denen mein Haus steht, damit niemand auf diesen Berg, doch auch auf den daneben stehenden kommen und mich [105] stören darf." Der Padischah fragte weiter: "Und vom Gold und Silber soll ich dir viel geben, Mütterchen?" Das Mütterchen erwiderte: "Gold und viel geben, Mütterchen?" Das Mütterchen erwiderte: "Gold und Silber nehme ich nicht, die Dinge haben mit Freude geendet; doch was werden wir mit den Witfrauen machen?" Der Padischah dachte bei sich: "Was sind das für Reden, was sollen wir jetzt tun, sie können auch nicht ungestraft bleiben." Der Padischah konnte der alten Frau auf diese Frage keine Antwort geben und bat drei Tage Bedenkzeit. Die drei Tage vergingen wie drei Stunden. Da der Padischah eine andere Strafe nicht ausdenken konnte, dachte er, ihnen die Häupter abschlagen zu lassen. Darauf sagte das Mütterchen dem Padischah: "Nun, Padischah, die Dinge nahmen ein glückliches freudiges Ende, worum du gebeten hast, ist erfüllt, genug des Blutvergiessens, lass ihnen das Leben und gib sie mir, ich werde auf sie achtgeben, sie werden mir dienen." Da sagte der Padischah: "Ich habe nicht die Absicht, sie ungeschoren und unversehrt auf der Welt zu lassen, doch angesichts deiner Dienste, passt es nicht, nicht auf deine Worte zu hören", und er willigte ein sie ihr zu geben. Das Mütterchen verabschiedete sich Arm in Arm mit den zwei Witwen untergehakt vom Padischah: "Nun, wir werden uns nicht mehr sehen." Sie ging davon, kehrte in ihr Haus zurück und zog um ihren Berg einen undurchsichtigen, von der Erde bis zum Himmel reichenden Eisenzaun [106] und lebte mit den Frauen zusammen. Nun, zur selben Zeit kam eine andere Sache im Schloss zutage. Dem Padischah, der der Vater des Jünglings war, wurde, wahrend der Jüngling im Krieg war, ein Sohn geboren. Zu jener Zeit war der Junge etwa acht bis zehn Jahre alt. Sein Name: Alpam-Schah. Da dieses Kind eine Waise war,