Zs. Kakuk , I. Baski (Hrsg.): Kasantatarische Volksmärchen: Auf Grund der Sammlung von Ignác Kúnos.
Texte
87 Sobald er eintrat, fragte er wieder die Frauen: "Habt ihr das Tuch nicht gefunden? Jetzt ist die Lage so, dass ich es brauche. Es komme was da wolle, doch man muss es finden", sagte er. Die Frau des Padischahs war ein sehr kluges, belesenes Mädchen, das viel gesehen hat und sich auf jede List verstand. Die Frau sagte zum Padischah: "Jetzt bleibt uns die Lösung: alle Frauen in unserem Reich, alte Weiber müssen wir zusammenrufen." Dann schickten sie in alle Richtungen die Botschaft und alle alten Weiber, Mädchen und Frauen versammelten sich im Schloss. Dananch ging der Padischah verwundet auf den Platz und fragte die Frauen: "Ist jemand unter euch, die über den Verbleib [97] des verlorenen Gegenstands etwas sagen könnte?" Auf diese Frage des Padischahs ertönte weder von den Guten noch den Bösen, weder von den Klugen noch den Dummen, weder von den Wissenden noch den Unwissenden ein Pieps. Da dies so nicht zum Erfolg führte, fragte der Padischah zum zweitenmal, ob es eine Frau gibt, die nicht gekommen sei. Darüber konnte niemand Aufklärung geben. Nur hinten begann ein altes Weib zu kreischen wie eine Schmeissfliege. Der Padischah hörte die Stimme des alten Weibes, rief sie zu sich und begann sie auszufragen. Das alte Weib sagte: "Neben diesem und solchem Wald am Rande einer tiefen Grube blieb im Aul Kara-muntscha nur ein altes Weib, ausser ihr sind alle gekommen." Nachdem der Padischah diese Worte vernahm, liess er einen Diener ein angespanntes Pferd besteigen, damit er die alte Frau herhole, und am Tor trug er ihm auf, sie sehr rasch zu holen und schickte ihn weg. Sie gingen und gingen und erreichten einen Wald. Als sie den Wald verhessen, gingen sie am Rande der Grube weiter. Sie gingen und gingen, es dunkelte schon. Von Ferne sah man einen Feuerschein. Sie fürchteten, dass das keine menschliche Behausung ist, sondern eine verzauberte. Sie wurden von den Männern eingeholt, die der Padischah ihnen nach geschickt hat [98] und diese sagten: "Geht rasch dahin, weil hinter uns der Padischah selber kommt." Diese hieben auf die Pferde ein und die die Räder berührenden Stellen berührend, dir nicht berührenden Uberspringend, Höhlungen, Gruben, Löcher, Graben nicht achtend, als sie das Feuer erreichten, war ein Berg sichtbar. Ein Berg wuchs auf den anderen, auf dem Berggipfel wuchs Stein, auf der Steinspitze wuchs Moos, war vermoost und verwittert, verfault und verschrumpelt. Auf dem Gipfel des Berges stand ein Haus, das Haus steht am Rand, die Tür ist aus Rohrmatte-, ein Zahn (des alten Weibes) berührt den Boden, der andere Zahn reicht bis zum Dachbalken, sie sass auf dem Ehrensitz in der Ecke und sponn. Sie sind angekommen, sind zu ihr auch hereingegangen und der alten Frau gesagt, worum es geht. Die alte Frau mummelte und mümmelte, will nicht gehen: "Ich habe keine Lust, mein Vermögen hier zu lassen." Der ganze Besitz der alten Frau bestand aus einem Krug ohne Tülle und einem verrussten Kessel ohne Stiel und Schnur. Während sie noch feilschten, erschien ein dritter Mann vom Padischah und trieb sie zur Eile an, sie drängten das alte Weib und schoben sie aus dem Haus, mit dem Gesicht nach hinten setzten sie sie auf die Trage des Wagens und fuhren den Abgrund entlang. [ 99] Laufend, auf das Gesicht fallend, wieder sich er-