Zs. Kakuk , I. Baski (Hrsg.): Kasantatarische Volksmärchen: Auf Grund der Sammlung von Ignác Kúnos.
Texte
55 Es verging nicht wenig Zeit, wie in den Jahren vorher, als die Festtage heranrückten. Als sie sich fröhlich zum dritten Fest bereiteten und versammelten, kam plötzlich die Nachricht vom Alten für den Padischah: "Kommt morgen bis sechs Uhr her!" Obwohl der Padischah den Alten nicht mochte, aber den Garten gern hatte und nicht wusste, wie er bis morgen hinkommen solle, wälzte er sich von einer Seite auf die andere und verbrachte die Nacht schlaflos. Im Morgengrauen, es war noch nicht hell, liess [56] er die Trommeln schlagen und die Trompeten blasen, spannte die Hunde an, hinter ihnen die Katzen, den Mantel liess er am Boden schleifen und machte sich so auf den Weg in den Garten. Er kam zur angegebenen Zeit an dem Rand des Gartens an. Der Garten war nicht zu sehen. Vom Weg stieg roter Staub auf. Er blickt aufmerksam hin, in der Mitte des Gartens ringen neben dem Zelt zwei Männer. Zu dem erwähnten blinden alten Mann gesellte sich noch ein anderer Greis. Dieser Alte ist zwanzig Arschin hoch, fünfzig Arschin dick, sein Bart reicht bis zur Erde und wirbelt den Staub auf. Als unser wachender Alte die Stimme des Padischahs vernahm, drehte er diesen mit aller Kraft um und warf ihn zu Boden. Da brach der Tag an, der Staub setzte sich an, der Garten tauchte völlig auf, die grünen Blumenbeete waren voller kraftiger Pflanzen. Der Padischah sah den Garten, der Garten war tadellos. Der alte Wächter erhob sich über den anderen und liess sich auf ihn nieder. Als der Padischah diesen Zustand sah, sagte er zu den mit ihm gekommenen Wächtern: "Schafft diesen Mann rasch weg, der Alte soll sich ausruhen." Die achter warteten gar nicht ab, dass er zu Ende spricht. Sie packten den Alten [57] an den Armen, stiessen ihn in den Hintern, und sie machten sich daran, ihn am Bart hinauszuschleppen. Da sagte der alte Wächter: "Das könnt ihr nicht tun! Ich selber werde ihn hinbringen, wohin der Padischah befiehlt." Sie gingen zum Padischah und berichteten ihm, was der Alte gesagt hat. Der Padischah befahl, sie sollen ihn in das Eisenschloss der Stadt führen und einsperren. Als der Alte die Worte des Padischahs vernahm, begann er seinen Gegner zu zerren und brachte ihn in die Stadt. Der Alte ging gerade aus dem Garten hinaus. Da sagte der Padischah: "Zum erstenmal in unserem Leben feiern wir so ein Fest", und damit Hessen sie sich fröhlich in der Mitte des Gartens zum Essen nieder. Sie warteten auf den Alten, doch dieser kam nicht zurück. Da spannten sie sechs Paar Hunde an, schoben sie von hinten zu einem Wasserwagen und schickten sie dem Alten entgegen. Sie gingen nicht weit. Sie trafen den Alten, der schwer atmend und erschöpft ihnen entgegenkam. Er sah und hörte die ihm entgegenkommenden Menschen nicht. Sie packten den Alten unter die Arme führten ihn ab, setzten ihn auf den Wagen und brachten ihn zum Fest des Padischahs. [58] Und sie guckten nur und guckten. Dieser Alte war nicht nur des Tisches des Padischahs, sondern selbst des Aborts unwürdig. Trotzdem wurde er für seine Dienste an den Tisch gesetzt. Der Padischah empfing ihm mit fröhlichem Gesicht und setzte ihn neben sich. Der Padischah fragte den Alten aus. Der Alte zum Padischah: "Ich weiss von nichts, ich habe nichts gesehen. Diese