Zs. Kakuk , I. Baski (Hrsg.): Kasantatarische Volksmärchen: Auf Grund der Sammlung von Ignác Kúnos.
Texte
51 in das Zelt der Wächter. Aber das Zelt war leer, die Umgebung war auch leer. Als der Padischah diesen Zustand sah, wusste er vor Zorn nicht, was tun, er sprang in die Luft und wollte sich zu Boden werfen. Da sagte der dem Padischah am nächsten stehende Wesir: "Mein Padischah, mein Sultan, ich bin eine alte Schuhsohle, mit Zorn geht die Sache nicht, man muss die Methode finden. Sobald wir zurückkehren, werden wir die Lösung der Sache besprechen." — so brachten sie den Padischah zurück in das Schloss. Dieser Padischah, wie sehr er auch nachdachte, etwas zu machen, was noch kein Mensch [51] gemacht hat, konnte das nicht fertigbringen, was ein einfacher Bauer fertigbringt. Nachdem er zu sich gekommen war, dachte er, man müsse einen Rat halten nicht nur nach den eigenen Worten machen und so die Sache anpacken. Doch er konnte sich den Wunsch nicht aus dem Kopf schlagen, den Garten drittens zu bestellen. Wieder dingte er Tagelöhner, Jetzt nützt es nicht, wenn ich überprüfe deinen Tagelöhner [dachte er.] "Jeder soll nach seiner Weise arbeiten", sagte er, als er setzte sie auf ein hölzernes Pferd, "arbeitet so, wie ihr könnt", eiferte er sie an. Die Knechte überlegten, sprachen darüber, was der Padischah tut und gingen, den Garten nach ihrem Gutdünken zu bestellen. Der Padischah sagte: "Es kommt, wie es kommt, jetzt machen sie, wie sie wollen, ich mische mich nicht ein, wenn es gelingt, ist gut, wenn nicht, dann eben nicht." Und er dachte nicht daran, von zu Hause wegzugehen. Die Knechte pflügten den Garten, harkten den Boden, legten Blumenbeete an, gruben Gruben, schlugen Wasser aus der gefrorenen Erde und säten die Saat aus. Die Pflanzen keimten, sprossen aus dem Boden und wuchsen. Sie bestellten dem Padischah, dass diese Jemand bewachen muss. Der Padischah versammelte alle seine Untertanen und sagte: "Ich wähle jetzt nicht, es seien jetzt die Wünsche anderer, fragt euch selbst!" — beschloss er. [52] Als sie den Befehl des Padischahs vernahmen, kamen sie alle humpelnd und stauchelnd taumelnd und laufend. So viele kamen, dass man den Mist in der Welt zählen konnte, doch die Menschen nicht. Dann kam der Padischah heraus: "Nun, sind alle meine Untertanen gekommen?" fragte er. "Viele Menschen sind gekommen", schrien sie. Hinter der Menge stand auf einem Stock gestützt ein blinder, lahmer, krummer, weissbärtiger, rotnasiger, mondgesichtiger, alter Mann und rief mit heiserer Stimme: "In meiner Nachbarschaft blieb ein Mann." Doch unter soviel Volk ging nicht nur eine solche Stimme verloren, sondern auch das Gebrüll eines aus voller Kehle schreienden Redners war nicht zu hören. Wie dem auch sei, der Alte schrie so lange, bis er vom Padischah gehört wurde. Der Padischah rief diesen Alten zu sich. Stolpernd und humpelnd kam der Alte zum Padischah. Der Alte hat keine Augen, kann auch micht sprechen, ein Ende seines Kleides schleift am Boden, das andere hangt im Grab, sein Gewand ist schäbig und auch der ganze Schatzkasten [d. h. sein Hintern] des Alten ist zu sehen. Trotzdem hat der Padischah seine Worte gebilligt.! 53] Er befahl, auch diesen Mann zu holen, der zu Hause geblieben ist. Der Hund rannte, die Laus lief, der Staub wirbelte, der Floh flog, dröhnend und schreiend gingen sie in das Haus des Alten, auf sein Gejammer nicht achtend, zerrten