Zs. Kakuk , I. Baski (Hrsg.): Kasantatarische Volksmärchen: Auf Grund der Sammlung von Ignác Kúnos.
Texte
119 Sohn mitnehmen zu dürfen. Da sie sehr eindringlich baten, willigten das Mütterchen und das Väterchen ein und gaben ihnen ihren Sohn. Diese gingen fort, erreichten eine Steppe und wollten den Jungen binden, damit er nicht flieht. Der Junge sagte: "Wenn ihr mich nicht bindet, dann habe ich nicht die Absicht zu fliehen." Die Karawanenleute glaubten den Worten des Jungen und Hessen ihn frei. Als sie assen, tranken und sich hinlegten, sah sich der Junge um und erblickte unweit einen Wald. Er dachte nicht lange nach und ging in Richtung des Wäldes. Als er in dem Wald ankam, fand er einen sehr grossen Himbeerstrauch, eifrig pflückte er die Himbeeren, verfehlte den Weg und gelangte in die Tiefe des Waldes. Wie er so ging, erreichte er eineu Pfad. Lassen wir den Jungen auf dem Pfad gehen und kehren wir zu der Karawane zurück. Die Karawanenleute wachten auf und sehen [137] den leeren Platz de3 Jungen. Sie suchten ihn hier und suchten ihn dort, konnten ihn nicht finden und setzten ihren Weg fort. Der Junge schritt immer noch auf diesem Pfad und trat in ein Haus. Im Haus war niemand, im Herd brannte das Feuer. Er ging hin und sah, dass im Kessel auch schon das Fleisch gar war. Den Jungen überkam grosse Esslust. Er ass ein Stück Fleisch und legte sich hinter dem Ofen hin. Da kamen mit einmal eine Taube, ein Falke und ein Rabe ins Haus. Sie legten ihre Flügel an und verwandelten sich in wurderbare, ganz junge Burschen. Der Rabe: "Es menschelt". Seine Gefährten sagten: "Du selbst isst Menschenfleisch, kommst nach Hause und dann sagst du, dass Menschengeruch kommt." Sie assen das gekochten Fleisch, warfen von neuem Fleisch in den Кеззе1 und entfernten sich. Als diese waggegangen sind, wartete der Junge ab, dass das Fleisch gar wird, nahm ein Stück heraus, ass es auf und ging wieder hinter den Ofen und legte sich auf seinen Platz nieder. Wie vordem, kamen die Burschen nach Hause und setzten sich hin, das Fleisch zu essen. Der Rabe schnupperte wieder. Seine Gefährten glaubten ihm nicht, das .Menschengeruch da ist. Der Rabe sagte: "Na warte, lass mich das Fleisch ansetzen" und heimlich zählte er fünfzehn Stück Fleisch ab und warf sie in den Kessel. [138] Sie gingen zu dritt weg. Wie vordem stand der Junge auf, ass vom Fleisch und legte sich wieder hinter den Ofen. Diese kamen wieder und setzten sich, das Fleisch zu essen. Der Rabe zählte nach, vom Fleisch fehlte ein Stück. Der Rabe sagte: "Habe ich es nicht gesagt, hier ist ein Mensch!" Danach begannen alle drei, das Haus zu durchsuchen, sie erblickten den Jungen hinter dem Ofen und schrien ihn an: "Ob du ein menschliches Wesen bist oder ein dämonisches Wesen, komm sofort hervor!" Der Junge sagte: "Ich werde herauskommen, doch zuvor schwört, dass ihr mich nicht angreifen werdet, dann werde ich herauskommen." Diese schworen, dass sie ihn nicht angreifeu werden. Der Junge kam hervor und erzählte alles von Anfang bis Ende, dass er sich hierher verirrt hat. Diese sagten: "Geht in Ordnung, du wirst unser Diener sein, wir werden dich auch ein Kunststück lehren." Der Junge willigte sofort ein und begann, sie zu versorgen. Als er schon eine Weile bei ihnen wohnte, übergaben ihm die Burschen die Schlüssel zu allen Räumen, doch befahlen sie ihm, diese nicht zu öffnen.