Zs. Kakuk , I. Baski (Hrsg.): Kasantatarische Volksmärchen: Auf Grund der Sammlung von Ignác Kúnos.

Texte

99 Alpam Schah ging nach diesen Worten der alten Frau unter die Pferde und begann, sie in Augenschein zu nehmen. Alle Pferde hatten die gleiche Farbe. Als Schah Alpam das gute Pferd unter ihnen erkannte, sprach das Pferd: "Hei, Bursche, ich werde dein sein, gehe zum Mütterchen zurück, [111] wenn ich an dir vorbeilaufe, werde ich hinken". Alpam Schah drehte sich um und ging zu der alten Frau zurück. Das Mütterchen fragte: "Welches Pferd nimmst du in Besitz?" Alpam Schah sagte: "Ich konnte mich für kein einziges entscheiden, lass sie vor uns treiben, auf welchem mein Blick hängen bleibt, das werde ich davonführen." Die alte Frau sagte: "Sehr gut", gab Alpam Schah einen Halfter und ging zu den Pferden. Als sie dort schneller als der Wind ankam, sagte sie zu einem roten Pferd: "Wenn du an Alpam Schah vorbei­laufen wirst, beginnst du zu hinken", und alle Pferde aufschreckend, begann sie sie vor Alpam Schah zu treiben. Die Pferde liefen einzeln vorbei. Von ganz hinten kam ein rotes Pferd hinkend. Es näherte sich Alpam Schah er­griff den Halfter, trat vor das Pferd und legte es ihm auf den Kopf. Das Mütterchen lief zu ihm: und fragte: "Warum nimmst du nicht ein gesundes Pferd, ein lahmes Pferd wählst du?" Alpam Schah sagte: "Ei, Mütterchen, die sind sehr gut, ich bin ein Kalbhirt, mir entspricht auch ein lahmes Pferd", und sie gingen in das Zelt des Pferdehirts, und die alte Frau fragte: "Warum lahmt dieses Pferd?" Der Hirte sagte: "Nun, es ist schon seit lan­gem nicht so gesund." Das Pferd stand mit einem erhobenen Bein und gesenk­tem Kopf traurig da. Alpam Schah sagte: "Nun wie es ist, so ist es, das ist mein Glück", und kurz danach verabschiedete er sich und führte das lahme Pferd hinweg, damit es ihre Worte nicht lange höre. Das Mütterchen blieb wie eingerammt, einem Pfahl gleich neben den Zelt [stehen]. Als er mit Alpam Schah [112] verschwunden war, legte sich das Pferd auf den Boden, wälzte und schüttelte sich, streifte das Fell ab und wurde ein prächtiges Ross. Alpam Schah setzte sofort den Fuss in den Steigbügel, schwang sich auf seinen Rücken und stiess ihm die Sporen in die Flanken. Das Pferd schnaubte und sagte mit geblähten Nüstern: "Hei, Bursche, schliesse die Augen, denn wenn du diese Orte sehen wirst, durch die wir gehen werden, wirst du es nicht aushalten, dir wird schwindlig werden, die Augen werden geblendet, du wirst hinunterfallen und sterben." Der Bursche sohloss die Augen und sie gingen eine kurze Weile, dann blieb das Ross stehen und sagte: "Jetzt öffne die Augen, wir sind angekommen, wohin ich gesagt habe." Alpam Schah öffne­te die Augen und sah, dass sie in einen dichten Wald traten. Das Pferd sagte: "Hier ruhe etwas, auch ich will Kräfte sammeln, der Platz, an den wir danach gehen, ist noch gefährlicher." Alpam Schah band die Zügel Uber dem Kopf des Pferdes und legte sich auf den Boden: "Wenn du sagst, dass dieser Platz gefähr­lich ist, an den wir gehen werden, dann ruhe ein wenig, ich aber erzähle dir et­was", und Alpam Schah begann, ihm seine Sorgen mitzuteilen: "Ich war das Kind eines Padischahs, meine zwei älteren Schwestern leben auf einem Bergrücken in der Gefangenschaft einer Hexe. Ich möchte sie befreien. Da sagte das rötliche und schnellere als der Wind Pferd: [113] "Nun, Bursche, uns kann auch was im­mer zustossen, eins ist gemeinsam, ich gebe dir mein Wort, dass ich dir bis zum Tode dienen werde."

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