György, Josef: Die Goethe-Sammlung Balthasar Elischers in der Bibliothek der Ungarischen Akademie der Wissenschaften (A MTAK kiadványai 39. Budapest, 1963)
interessanter Weise wider; obwohl die Manuskripte zum Teil schon publiziert sind, haben sie als Autographen an sich, sowie als Quellenmaterial, als Fundorte von Daten und Angaben auch heute noch bedeutenden Wert. Ebenfalls reichhaltig ist die Sammlung der auf Goethe bezüglichen Druckschriften. Der im Hellerschen Katalog vom Jahre 1896 verzeichnete Bestand wurde im Laufe der Zeiten teils durch Schenkungen, teils durch Ankäufe wesentlich vermehrt 9 2. Neben den illustrierten und Prachtausgaben, den verschiedenen Veröffentlichungen von Korrespondenzen und Gesprächen, der Literatur über Goethe Biographien und Würdigungen bilden die Erstausgaben und 20 verschiedene Gesamtausgaben von Goethes Werken den wertvollsten Teil der Bibliothek. Es finden sich hier: Goethens Schriften (1—3. Bd.) Berlin, Himburg 1775—1776; Goethe: Schriften (Bd. 1—8.) Leipzig, Göschen 1787-89; J. W. Goethens Schriften (Bd. 1-4.) Carlsruhe, Schmieder 1778-80; Goethe's neue Schriften (Bd. 1—7.) Berlin, Unger 1794—1800; Goethe's Schriften (Bd. 1—10.) Neue Auflage Mannheim 1801; Goethe's Werke (Bd. 1-13.) Tübingen, Cotta 1806-10; Goethe's Werke, Original Ausgabe (Bd. 1-26.) Wien und Stuttgart Cotta 1816-21 und endlich Goethe's Werke, Vollständige Ausgabe letzter Hand (Bd. 1-60.) Stuttgart-Tübingen, Cotta 1827—1842. Ausserdem enthält die Sammlung jede von 1852 an bis zu Ende des vorigen Jahrhunderts erschienene bedeutendere Goethe-Ausgabe, ja sogar auch eine fünfbändige, in Paris erschienene (Tétot 1836). In der Gruppe der Erstausgaben ist fast jedes bedeutendere Werk Goethes vertreten : Götz von Berlichingen, Die Leiden des jungen Werthers, Clavigo, Egmont, Iphigenie, Torquato Tasso, Hermann und Dorothea usw., in erster oder zweiter Ausgabe. Hervorzuheben sind auch die zahlreichen Prachtausgaben (Faust, Italienische Reise, usw.), sowie die Übersetzungen von Goethes Werken ins Französische, Italienische, Englische und Ungarische. Daran schliesst sich die lange Reihe der Werke über Goethe an; neben den bekanntesten Biographien des Dichters (Bielschowsky, Goedeke, Düntzer, usw.) machen die Schriften und Kommentare zum Faust allein schon eine kleine Bibliothek aus 9 3. Unter den Bildnissen Goethes und der Zeitgenossen sind vor allem die fünf Schattenrisse hervorzuheben, von denen Hellers Katalog zwei als „Unica" bezeichnet (Heller: Goethe-Porträts N0 1 und 18.). Eines der Silhouetten stellt Goethe im Alter von 14 Jahren dar : ein entzückender Kinderkopf im Rechtsprofil, bei dem die charakteristische Schädelform, die hohe gewölbte Stirn, die vorspringende Nase und die feine Linie des Kinns keinen Zweifel über die Identität aufkommen lassen. Diese mit Tusche ergänzte Silhouette ist eine der frühesten bildlichen Darstellungen des Dichters. Ihre Entstehung wurde von Zarncke und Rollett, in deren ikonographischen Werken behandelt; sie ist als Illustration in zahlreiche Publikationen aufgenommen worden. Die zweite als Unikum bezeichnete Silhouette stammt aus den Jahren um 1776; sie ist aus schwarzem Glanzpapier geschnitten, zeigt den Kopf im Linksprofil und wird von einem in Kupfer gestochenen ovalen Ornament umrahmt. Darunter steht in vergilbter Schrift der Name Goethes, vielleicht — es ist dies noch nicht einwandfrei bewiesen — von der Hand Herders. Ein dritter Schattenriss, aus dem Jahre 1775, nach dem Katalog Hellers mit dem Profil von links, ist von einem ovalen Rahmen mit Blumenschmuck umgeben und trägt in einer darunter angebrachten Tafel die Beschriftung: ,Johann 92 Dem Akzessionsjournal der Goethe-Sammlung nach betrug der Zuwachs zwischen 1902 und 1943 ungefähr 600 Bände. GS. 93 Die Handschriften und Reliquien des Goethe-Zimmers wurden nach dessen Auflösung in der Handschriftenabteilung, die Bücher aber im Magazin untergebracht. Im Laufe einer Revision der Bestände wurde festgestellt, dass einzelne Buchexemplare der Goethe-Sammlung, Zeitschriften, sowie Bildmaterial infolge der Kriegsereignisse zugrunde gingen. Die Lücken im Bestände werden sich nach Abschluss des neuen Katalogs in Gänze herausstellen. 27