György, Josef: Die Goethe-Sammlung Balthasar Elischers in der Bibliothek der Ungarischen Akademie der Wissenschaften (A MTAK kiadványai 39. Budapest, 1963)
Wolfgang Goethe der deutsche Shakespeare. Sein Berlichingen, Clavigo, Werther brachten ihn zuerst in Ruf." Zarncke setzte die Entstehung dieser Silhouette in das Jahr 1780 und vermutet, dass sie eine Nachbildung des von dem dänischen Maler Jens Juel (1745—1802) im November 1779 angefertigten Porträts sei. Ausser den Silhouetten enthält die Sammlung noch Goethe-Bildnisse in Öl, Kupferstiche und Lithographien, Bilder von Städten und italienischen Landschaften, die auf Goethe Bezug haben. Zur Sammlung gehören ferner Denkmünzen in wertvollen Rahmen (34 Stück), aus Neusilber, Packfong und Bronze, Jetons und ein Siegel unter Glas, das der Hofziseleur Philipp Hirsch aus Stuttgart angefertigt hatte : ein Amethyst mit Goethes Kopf. Diese Gemme soll ursprünglich im Besitze des Herzogs Karl August gewesen sein, der sie als Petschaft benützte und später dem Dichter überliess. Die Denkmünzen sind gelegentlich verschiedener Goethe-Jubiläen angefertigt worden, und zwar nach Werken namhafter Künstler. Ergänzt wird die Sammlung von einigen Goethe-Statuetten, sowie von der Karlsbader kleinen Mineraliensammlung. Die Zahl der auf Goethesche Texte verfassten Musikstücke beträgt 250; es finden sich darunter Kompositionen von Schumann, Schubert, Zelter, Reichardt, Franz Liszt und Meyerbeer. Die Musik Schumanns zum Faust, die Vertonung Reichardts zu Erwin und Elmire, sowie der Jahrgang 1812 der Zeitschrift „Erato" gehören zu den interessantesten Stücken dieser Gruppe. (Es finden sich hier auch 8 verschiedene Vertonungen von Goethes Erlkönig.) Schliesslich sind noch einige Erinnerungsgegenstände der Sammlung zu erwähnen. Den geschliffenen Trinkbecher mit dem Goethe-Porträt von Bovy-Rauch hatte die Karlsbader Kurdirektion dem Dichter dargereicht. Dieser schenkte den Becher der Künstlerin Szymanowska, von dieser gelangte der Trinkbecher in den Besitz von Dr. Löblin, der ihn hinwiederum an Balthasar Elischer weitergab. Ergreifend ist der Text des Schenkungsbriefes, nach dem es Dr. Löblin für das richtigste hält, wenn die Goethe-Reliquie in die Sammlung Elischers eingeht. (Katalog der Reliquien II.) 94 Unter den Reliquien findet sich auch ein Aquarell Goethes (V.) und eine Bleistiftzeichnung mit Ansichten aus der Gegend um Weimar (VII.), durch den Jenaer Maler namens Schueler als echt beglaubigt 9 5. In die Gruppe der Reliquien wurde auch eine Originalhandschrift Beethovens eingereiht (XXXIII.) : die Vertonung des Liedes „Nord oder Süd" von Karl Lappe 9 6. Ferner ein Lineal (XVII.) aus dem Holze des Birnbaums, den Goethes mütterlicher Grossvater im Geburtsjahr des Dichters gesetzt hatte und der nach dessen Tode verdorrte, sowie ein Engelsköpfchen in Pastell, von Oeser (XXVII.). Abschliessend können wir neuerlich feststellen, dass Elischer die Sammlung mit unermüdlichem Fleisse, grossen materiellen Opfern und schwärmerischer Verehrung für „seinen Dichter" aufgebaut hat. Es gehörten besondere Fachkenntnisse und ausserordentliche Begeisterung dazu, die Sammlung in ihrer endgültigen Gestalt zusammenzubringen. Diese Sammlung ist nicht nur eine Sehenswürdigkeit im gewohnten 94 Dr. Ignaz Löblin schreibt in seinem, Ofen, 22. Okt. 1860 datierten Briefe, dass es nach Mitteilung seiner Frau der Wunsch ihres früh verstorbenen Sohnes Heinrich gewesen sei, der Becher möge Elischer geschenkt werden, den er für den trefflichsten Goetheverehrer hielt. Dem Wunsche des Sohnes entsprechend, übersende er nun den Brief, seinem Sohne zum Gedenken. GS. 95 Der Katalog der Reliquien bezeichnet das Aquarell als italienische Landschaft; es stellt jedoch den Kammerberg in der Nähe der Stadt Eger dar. Es ist eine Variante des in mehreren Exemplaren ausgeführten Bildes. 96 Früher nahm man irrtümlich an, Beethoven habe hier die Dichtung: „Talismane: Nord und südliches Gelände ..." des West-östlichen Diwans vertont. Es handelt sich aber um ein Gedicht Karl Lappes. Vgl. G. Kinsky-H. Halm: Das Werk Beethovens. Verzeichnis S. 618—619. Das Maunskript ist ein Konzept Beethovens aus dem Jahre 1817. 28