Miklós Kásler - Zoltán Szentirmay (szerk): Identifizierung der Skelette von Angehörigen des Arpadenhauses in der Matthiaskirche. Unter Verwendung von historischen, archäologischen, anthropologischen, radiologischen, morphologischen, Radiokarbondatierungs- und genetischen Daten (Budapest, 2021)
3. KAPITEL – Archäologische, anthropologische und radiologische Daten
Entzündungen (Syphilis, Lepra, Tuberkulose), obwohl es in Wahrheit viel mehr Entzündungsprozesse gibt, deren Mehrzahl von den Paläopathologen mit makroskopischer Beobachtung eindeutig erkannt werden. In keinem einzigen Fall nahmen sie jedoch eine Mittelohrentzündung bzw. Mastoiditis wahr, obwohl aufgrund heimischer und ausländischer Erfahrungen zur damaligen Zeit die Hälfte der Bevölkerung Anzeichen dafür zeigte. Diese Prozesse konnte man von Fall zu Fall nur anhand der Deformierung der Gehörknöchelchen bei geringer Vergrößerung diagnostizieren. Tumorähnliche Knochenveränderungen wurden auf Ansicht diagnostiziert und ihre Größe wurde ungenau angegeben. Es wurden keine pathologischen Experten herangezogen, deren Kenntnisse und instrumentellen Möglichkeiten ein viel breiteres Spektrum an Aufarbeitung und eine genauere Diagnose gesichert hätten. Danach wirft Dr. Józsa im Namen der Leser die Frage auf, für wen diese riesige Arbeit erstellt wurde. Vielleicht für Historiker oder Archäologen? Sie können die tausenden anthropologischen Messdaten nicht verwerten. Für Ärzte oder für Forscher mit ärztlicher Grundausbildung, die sich mit der Urzeit beschäftigen? Wohl kaum, da sie die sehr ungenauen Diagnosen der krankhaften Veränderungen nicht verwenden können. Wir finden keine Erläuterung bzw. Zusammenfassung der anthropologischen oder wenigstens der physiologischen Daten und es werden auch keine gemeinsamen Lehren daraus gezogen. Nach alldem ist zu Recht die Frage zu stellen: wem nutzt diese sicherlich riesige Arbeit? Die (zum Zeitpunkt der Verfassung dieses Buches letzte) Öffnung der in der Matthiaskirche behüteten Sarkophage von Béla III. und 96