Miklós Kásler - Zoltán Szentirmay (szerk): Identifizierung der Skelette von Angehörigen des Arpadenhauses in der Matthiaskirche. Unter Verwendung von historischen, archäologischen, anthropologischen, radiologischen, morphologischen, Radiokarbondatierungs- und genetischen Daten (Budapest, 2021)
3. KAPITEL – Archäologische, anthropologische und radiologische Daten
begonnen wurde. Anfang September stieß man während der Erdarbeiten um den Brunnen herum auf die Mauern eines alten Gebäudes. 1848 wurden die Erdarbeiten für den Brunnen fortgesetzt: am 5. Mai berichtete Ingenieur Källinger, dass die Steine herausgehoben worden waren, doch „zeigt sich in der einen Ecken der ausgegrabenen viereckigen Grube ein Sarg, der erst nach Fertigstellung des Brunnen ausgegraben werden kann“ (Stadtarchiv Székesfehérvár, Protokoll der Ratssitzung 1848/1596; Pauer, 1849/2). Die Eintragung Nr. 4509 des Ratsprotokolls vom 5. Dezember 1848 beschreibt „in einer Entfernung von 2 bis 3 Klaftern vom artesischen Brunnen in südöstlicher Richtung entfernt“ den Fund von Marmorsärgen und die Öffnung des ersten Marmorsarges. Das Protokoll beschreibt begeistert die im Sarg gefundenen „zerbrechlichen Knochen eines menschlichen Körpers“, deren „Leichnam anhand der ärztlichen Untersuchung als menschliche Überreste einer etwa 40-jährigen Frau identifiziert wurden“, neben der man eine „einfache Krone ... aus 15-fach geprägtem Silber“ und „Teile eines Seidenschleiers mit Goldgewebe“ fand. Da die Skelette dem zur Sache gehörenden Beschluss zufolge „als königlich und wahrscheinlich zur Arpaden-Dynastie gehörend erscheinen“, wurden die Beigaben vom Amtsleiter Ede Eischl an das Ungarische Nationalmuseum geschickt. (Die Übergabe wurde auf dem Beleg Nr. 4573 quittiert und die Funde von Ágoston Kubinyi als Geschenk übernommen.)Eischl schrieb einen Brief an den Sekretär der Ungarischen Akademie der Wissenschaften János Luczenba cher (János Érdy) und an den Verteidigungsausschuss „über diesen interessanten Fund“ und darüber, dass neben dem freigelegten Grab auch noch ein anderes zu sehen ist. Zur Öffnung des anderen Grabes luden sie den „landesweit bekannten fachwissenschaftlichen Exper- 64