Miklós Kásler - Zoltán Szentirmay (szerk): Identifizierung der Skelette von Angehörigen des Arpadenhauses in der Matthiaskirche. Unter Verwendung von historischen, archäologischen, anthropologischen, radiologischen, morphologischen, Radiokarbondatierungs- und genetischen Daten (Budapest, 2021)
2. KAPITEL – Historischer Hintergrund
kirche nicht in das allgemeine System der Kirchenhierarchie eingliedern, sondern behielt sie sich und dem jeweiligen ungarischen König als privilegierte Propstei vor. Am 15. August 1038 starb der erste ungarische König, Stephan der Heilige, der mit seinem Lebenswerk die Neugründung des ungarischen Staates vollbrachte: Anstelle des Großfürstentums Ungarn gründete er das Königreich Ungarn, das er zu einem unabhängigen und angesehenen Mitglied der Gemeinschaft christlicher Monarchien machte. Er widmete sein Land der Jungfrau Maria und es zeugt von starker Symbolik, dass er an Mariä Himmelfahrt starb. Bestattet wurde er in der von ihm errichteten Basilika von Székesfehérvár. Sei ne persönliche Tragödie war, dass er nicht als Erster des Arpadenhauses in der Marienbasilika begraben wurde: im Herbst 1031 wurde sein einziger erwachsener Sohn, Prinz Emmerich, der später gleichzeitig mit ihm heiliggesprochen wurde, im Inneren der Krönungskirche zu Grabe getragen. Bis die Bestattungen in Székesfehérvár zu einer festen Gewohnheit und Tradition wurden, brauchte es Zeit. Die Leichname der Könige des 11. Jahrhunderts wurden nämlich alle anderswo begraben: im Allgemeinen dort, wo sie Kirchen gegründet (bzw. diese mit Schenkungen versorgt) hatten. Es stellt sich also die Frage, warum man nach 1038 mit der nächsten Bestattung eines Herrschers in Szé kesfehérvár bis 1116 warten musste. Wie bekannt, wechselten sich zwei Neffen aus der schwesterlichen Linie von Stephan I. zwischen 1038 und 1046 auf dem ungarischen Thron ab: Peter Orseolo wurde in Pécs (1046) und Sámuel Aba zuerst in Feldebrö und später in Abasár begraben (1044); beide in der von ihnen gegründeten (bzw. mit Schenkungen versorgten) 43