Miklós Kásler - Zoltán Szentirmay (szerk): Identifizierung der Skelette von Angehörigen des Arpadenhauses in der Matthiaskirche. Unter Verwendung von historischen, archäologischen, anthropologischen, radiologischen, morphologischen, Radiokarbondatierungs- und genetischen Daten (Budapest, 2021)
2. KAPITEL – Historischer Hintergrund
Kirche. Zur Erklärung der Fälle nach 1046 ist allerdings auch ein neuer Faktor zu berücksichtigen. Von 1046 bis zum Aussterben der Dynastie in 1301 besetzte die männliche Linie des Arpadenhauses den königlichen Thron. Sie waren allesamt Nachkommen von Vazul, dem Cousin von König Stephan I. (Stephan und Vazuls gemeinsamer Großvater war Taksony, ungarischer Großfürst im dritten Viertel des 10. Jahrhunderts). Stephan I. selbst hatte Prinz Vazul blenden und sogar seine Söhne - Levente, Andreas und Béla - ins Exil verbannen lassen. Dies geschah, da er nach dem Tod von Emmerich ohne eigenen Sohn geblieben war und Peter, seinen Neffen aus der schwesterlichen Linie als offiziellen Thronfolger bestimmt hatte, was ihm Vazul - sein Cousin aus der brüderlichen Linie - verständlicherweise sehr übelnahm, weshalb begründet angenommen werden kann, dass er auch ein Attentat gegen Stephan I. organisierte. Auf jeden Fall regierte Peter Orseolo das Königreich so erfolglos, dass man ihn sogar zweimal verjagte: seine zweite Regentschaft wurde durch einen landesweiten Heidenaufstand hinweggefegt, in dessen Folge die Ausübung der Herrschaft durch die männliche Linie des Arpadenhauses wiederhergestellt wurde, und so kehrten Vazuls Söhne zurück. Von den zurückgekehrten Vazul-Söhnen wurden Andreas I. (1046-1060) und Béla I. (1060-1063) zu Königen, später folgten ihre Söhne, der älteste Sohn von Andreas L, Salomon (1063- 1074), sowie zwei ältere Söhne von Béla, Géza (1074-1077) und Ladislaus I. der Heilige (1077-1095). Von den Aufgezählten hatte sich kein Einziger seine letzte Ruhestätte neben Stephan I. dem Heiligen vorgestellt: Andreas I. wurde in Tihany, Béla I. in Szekszárd, Géza I. in Vác und Ladislaus der Heilige in Nagyvárad (heute: Oradea, Rumänien) bestattet. 44