Miklós Kásler - Zoltán Szentirmay (szerk): Identifizierung der Skelette von Angehörigen des Arpadenhauses in der Matthiaskirche. Unter Verwendung von historischen, archäologischen, anthropologischen, radiologischen, morphologischen, Radiokarbondatierungs- und genetischen Daten (Budapest, 2021)

2. KAPITEL – Historischer Hintergrund

auch verlieren konnten, wenn sie oder ihre Nachkommen sich als unwürdig erwiesen. In Westeuropa hatte sich die Lehenskette und dabei das Prinzip „der Lehnsmann meines Lehnsmannes ist nicht mein Lehnsmann“ zum Nachteil des Staates durchgesetzt, während es im Königreich Ungarn der Arpaden die Kraft des Staates nicht ge­stattete, ein solches Feudalwesen entstehen zu lassen. Die Kraft der zentralistischen Macht der Dynastie war so groß, dass weder eine Aufteilung der Ländereien unter den Angehörigen des Herrscher­geschlechts (ducatus) kontinuierlich durchgesetzt werden konnte, noch sich die weltlichen Verwaltungseinheiten, die Komitate, zu Erbgrafschaften entwickeln konnten, da die Gespane als Verwalter der Komitate vom König jederzeit nach Belieben abgesetzt oder an die Spitze eines anderen Komitats versetzen werden konnte. (Höman 1931, Szabados 2011). Indem sich König Stephan I. der Heilige im Jahr 1000 in Székes ­fehérvár in der von ihm errichteten Marienbasilika krönen ließ, er­schuf er eine Tradition. In dieser Tradition folgten ihm seine Nach­folger bis zur türkischen Eroberung der Stadt (1543) ohne Ausnahme. Székesfehérvár wurde also durch König Stephan I. im mittelalterlichen Königreich Ungarn zur Krönungshauptstadt, wo zwischen 1000 und 1527 insgesamt 38 ungarische Könige gekrönt wurden. Ein souverä­nes Herrscherbewusstheit zeigte König Stephan I. auch in der Frage, dass er in Székesfehérvár weder einen erzbischöflichen noch einen Bischofssitz gründete. Die Marienbasilika lag ihm sehr am Herzen, was Bischof Hartvik mit folgenden Worten ausdrückte: „der König betrachtet die erwähnte, überaus schöne Kirche als seine eigene Ka­pelle und schenkte ihr eine solche Freiheit, dass über sie kein einziger Bischof jemals Macht ausüben können sollte“. Er ließ die Krönungs­42

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