Zalai Múzeum 11. Kereszténység Pannóniában az első évezredben (Zalaegerszeg, 2002)

Dopsch, Heinz: Zwischen Salzburg, Byzanz und Rom. Zur Missionierung Pannoniens im 9. Jahrhundert

Zwischen Salzburg, Byzanz und Rom 277 unterstellte Kirchenorganisation. Schon Nikolaus I. hatte 860 mit der Griindung des Bistums Nin (Nona) in Kroatien, das direkt dem hi. Stuhl untergeordnet war, ein Beispiel gegeben 188 . Jetzt trafen sich die Interessen Chozils mit denen seiner mahrischen Todfeinde, deren Fiirst Rastizlav die beiden Slawenlehrer deshalb nach Konstantinopel zurücksenden wollte, weil sie nicht über die Vollmachten zur Errichtung einer eigenstândi­gen slawischen Kirche verfügten. Hadrian II., der die Tragweite der Situation klar erkannte, zögerte nicht und ernannte Method zum Erz­bischof von Pannonién „auf dem Stuhl des hl. Androni­kos, eines Apostels der siebzig" 189 . Die Methodvita hebt ausdmcklich hervor, dass Chozil es war, der Method postwendend zum Papst zurückgeschickt und dessen Ernennung zum Metropoliten durchgesetzt hatte 190 . Das neue Erzbistum aber beschrânkte sich nicht auf das pannonische Fiirstentum, sondern unter­mauerte mit dem nominellen Sitz in der einstige römi­schen Provinzhauptstadt Sirmium (heute Sremska Mit­rovica an der Save, westlich von Belgrád), wo Andro­nikos gewirkt hatte, den papstlichen Anspruch auf das gesamte Illyricum 191 . Auch das mahrische Reich des Fürsten Rastizlav gehörte zur neugeschaffenen Kir­chenprovinz Methods, der bis 879 als Erzbischof von Pannonién tituliert wurde 192 , obwohl er sich damais schon langst in Mahren aufhielt. Papst Hadrian II. rich­tete sein berühmtes Schreiben, mit dem er 869 die Ernennung Methods zum apostolischen Legaten und die Genehmigung der slawischen Liturgie bekanntgab, an „seine geliebten Sonne" Rastizlav, Zwentibold und Chozil gemeinsam 193 . Der Wunsch nach Errichtung einer eigenstândigen Kirchenorganisation hatte also die tiefe Kluft zwischen den Fürsten des mahrischen Rei­ches und dem pannonischen Fürsten Chozil, dessen Vater Priwina zuerst von den Mahrern vertrieben und dann getötet worden war, zumindest fur den Augen­blick überwunden. Gemeinsam erreichten die slawi­schen Fürsten innerhalb weniger Monate das, worum der Bulgarenkhan Boris trotz eines politischen Seiten­wechsels viele Jahre vergeblich gekampft 194 und das auch Byzanz den Mahrern nicht zugestanden hatte: Die Errichtung einer eigenstândigen, direkt Rom unterstell­ten und damit von der frankischen Reichskirche und der bayerischen Kirchenprovinz unabhangigen Kirchenor­ganisation. Entscheidend dafür war, dass sich die Interessen des Papsttums und der slawischen Fürsten in einem ent­scheidenden Punkt trafen. Beide wollten ihre Position auf Kosten des Erzbistums Salzburg und damit auch der Frankenherrscher stârken. Die Pâpste Nikolaus I., Hadrian II. und Johannes VIII. nutzten dabei geschickt die Schwachstelle in der bayerischen Missionsarbeit: weder Salzburg noch Passau oder Regensburg verfüg­ten über eine Zuteilung der Missionsgebiete in Panno­nién, Mahren und Böhmen durch den Papst. Deshalb konnten die Pâpste die bis dahin erzielten Erfolge in der Slawenmission einfach negieren, um im Bund mit den slawischen Fürsten ihre eigenen Ansprüche, auch gegenüber dem Patriarchat Konstantinopel, durchzuset­zen 195 . Die rechtliche Argumentation der Pâpste war zwar konsequent, in manchen Punkten aber fragwürdig. Das Reich der Mâhrer wurde einfach als Teil der pan­nonischen Kirchenprovinz angesprochen, obwohl historisch betrachtet das mahrische Kerngebiet an der March nie zu Pannonién gehört hatte 196 . Method erhielt mit Sirmium einen Metropolitansitz, der im Machtbe­reich der Bulgaren lag und fur ihn unerreichbar blieb. Er diente alléin zur Demonstration der papstlichen Ansprüche. Die Allianz zwischen dem Papsttum und den slawi­schen Fürsten blieb zunâchst erfolgreich, weil König Ludwig der Deutsche als Vertreter des karolingischen Herrscherhauses und Protektor der bayerischen Kirche nicht reagieren konnte. Daran hinderten ihn nicht zuletzt die Schwierigkeiten in seiner eigenen Familie, deren Angehörige immer wieder Bündnisse mit der wachsenden Macht des Mahrischen Reiches gegen ihn schlossen 197 . Bereits in Bulgarien, wo sich das Papst­tum ungehindert über die Passauer Missionsbemühun­gen und damit über die Interessen der frankischen Reichskirche hinweggesetzt hatte 198 , war Rom erfolg­reich geblieben. Mit der Schaffung des pannonischen Erzbistums wurden König Ludwig und der bayerische Episkopat erneut und zunâchst durchaus erfolgreich düpiert. Bald jedoch sollte sich zeigen, dass Method auch als Erzbischof bloB ein Spielball der groBen Poli­tik war und es dem Papsttum nur um seinen EinfluB auf die slawischen Völker ging, aber nicht darum, eine bestimmte Person als Exekutor der papstlichen Interes­sen zu installieren und dauerhaft zu unterstützen. Das erste prominente Opfer dieser „flexiblen" papstlichen Kirchenpolitik sollte neben Method selbst Fürst Chozil mit seinem pannonischen Fürstentum sein. Machtspiele in Pannonién - Das Ende der Slawenmission Method konnte sich seiner Stellung als Metropolit nur kurze Zeit erfreuen. Als der Mahrerfürst Rastizlav im Jahre 870 von seinem Neffen Zwentibold gestürzt und an die Frankén ausgeliefert wurde 199 , geriet auch Method in bayerische Gefangenschaft. Die nâheren Umstânde sind nicht geklârt. War der Slawenlehrer selbst nach Mâhren gegangen, das zu seinem Metropo­litanbereich zâhlte? Hatte ihn Zwentibold, der stets eine kritische Distanz zu Method bewahrte, an König Ludwig den Deutschen ausgeliefert, um den Frieden mit dem Ostfrânkischen Reich zu sichern? Oder hatten bayerische Truppén bei ihrer Offensive Method im Für­stentum des Chozil gefangengenommen und den unbot­mâBigen Fürsten selbst zur Ordnung gerufen? Über Vermutungen kommt man in diesem Punkt wohl kaum hinaus. Das weitere Schicksal Methods darf als bekannt

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