Zalai Múzeum 8. (Zalaegerszeg, 1997)
Ramls, Peter C.: Die hallstatt-/latenezeitliche Siedlungsstruktur in Niederösterreich
Latènezeitliche Siedlungsstruktur in Niederösterreich 53 3.3. Die Besiedlungsgeschichte Niederösterreichs im Latène C-D In den Phasen Latène С und D kommt es zur gröiiten Siedlungsdichte im niederösterreichischen Raum (Abb. 4). Die in dièse Phasen datierbaren Fundstellen machen 54,8% der gesamten aus Niederösterreich bekannten latènezeitlichen Siedlungstellen aus. Obwohl dies relativiert zu betrachten ist, da dièse Phasen zusammen ja wesentlich langer dauern, als die beiden einzeinen davor, ergibt sich, alleine schon durch die Aufsiedlung des Weinviertels, eine hóhere Besiedlungsdichte als zuvor. Im Waldviertel wird der Тур Kamegg-PoigenMaiersch nun durch klassische latènezeitliche Formen abgelöst. Im Weinviertel setzt in diesem Abschnitt die Besiedlung mit grofier Intensitat ein, es können in diesem Gebiet von insgesamt 113 datierten Siedlungsplàtzen 99 dem Abschnitt Latène C-D zugeordnet werden, was immerhin 87,6% aller datierten Fundplátze sind. Wie dies zu erklàren ist, bleibt momentán noch offen, eine durchaus vorstellbare Erklârungsmoglichkeit wiirde sich aber in einer Zuwanderung, möglicherweise von Stammesteilen der Boier, finden lassen. Somit ware auch fur das Auftreten von Siedlungen im Latène В eher im Norden des Marchfelds mit aller Vorsicht eine mögliche Begriindung geboten. 4. Latènezeitliche Siedlungsstrukturen in Niederösterreich Zweites Ziel dieser Arbeit war es, Siedlungsstrukturen im latènezeitlichen Niederösterreich zu fassen zu versuchen. Wieder wurden hierfur als Basis Karten angefertigt, teilweise auf Basis der Gesamtverbreitungskarte, teilweise als Detailkarten auf Basis der ÖK 1:50.000 (Abb. 5, 6-8). Aus diesen Karten wurde dann ebenfalls versucht, Schluiifolgerungen abzuleiten, die in Folge ausgeführt werden. Für die Beschreibung der Strukturen wurde auf die von J. Waldhauser definierten Begriffe 13 zuriickgegriffen. 4.1. Makroregionen Für Niederösterreich wurden fünf Makroregionen (Abb. 5) unterschieden, von denen vor allém die südlich der Donau teilweise sehr spekulatív sind. Dennoch bieten sie eine gewisse erste Vorstellungsmöglichkeit, die für den Anfang zumindest hilfreich ist. Zwei Makroregionen lassen sich jedoch, meiner Einschatzung nach, relatív klar fassen. Es ist dies einerseits die Makroregion des Horner Beckens/Manhartsberggebietes mit dem unteren Kamptal und andererseits die Makroregion des Weinviertels. Die Erstere der Beiden ist nicht nur klar geographisch als niederösterreichischer Teil der böhmischen Masse abgegrenzt, sondern auch durch die „latènezeitliche Hallstattkultur", die doch fast ausschlieftlich nur das umrissene Gebiet, das in dieser Makroregion zusammengefasst wurde, umfasst. Die Keramik vom Тур Kamegg-Poigen-Maiersch grenzt das Horner Becken und das Manhartsberggebiet meiner Einschátzung nach deutlich genug vom restlichen Niederösterreich ab, um dieses Gebiet als eigene Makroregion herausheben zu können. Die Zweite, das Weinviertel, hebt sich durch ein anderes Kritérium klar vom restlichen Niederösterreich ab, auf das ich schon weiter oben zu sprechen gekommen bin. Es ist dies das spate Einsetzen der Besiedlung dieses Raums, komplementiert durch ein fast vollstándiges Fehlen latènezeitlicher Bestattungen in diesem Gebiet, 14 das dieses Gebiet krass von den anderen niederösterreichischen Gebieten abgrenzt. Durch diese spátere Besiedlung definiert sich hier sehr gut ein Gebiet, das ebenfalls mit gutem Gewissen als Makroregion angesprochen werden kann. Im Gebiet südlich der Donau sieht es hier fur diese Fragestellung schon wesentlich schlechter aus, und das, obwohl generell der Forschungsstand als besser als nördlich der Donau bezeichnet werden kann. Besonders ist es hier das Problem, dali die Funde des unteren Traisentals mit seinen enormen ausgegrabenen Flâchen das Bild verfalschen mögen. Dennoch denke ich, dafi die Ansicht, im Traisental ein Zentrum der Friihlatènekultur zu sehen, ein mögliches Definitionskriterium für eine eigene Makroregion Traisental/südliches Tullnerfeld ware, ebenso wie für das Wiener Becken, mit einem Zentrum am Leithagebirgsabhang diese Definition möglich ware. Dann reilien aber nach Westen zu die Fundstellen ab, und aus den wenigen Fundstellen, die aus dem Gebiet zwischen Traisental und Enns bekannt sind, la/it sich keine Aussage ableiten. Somit bleibt diese Frage für Niederösterreich südlich der Donau für den Augenblick noch offen, vielleicht wird sich nach einer genauen Aufarbeitung der Materialien des Traisentals mehr dazu sagen lassen. 4.2. Regionén War es schon schwer, Makroregionen zu fassen, so ist die Fragestellung nach Regionén zum momentanen Zeitpunkt noch schwerer zu kláren. Dennoch scheint es so, als ob sich einige Regionén abgrenzen lassen könnten, wenngleich dies auch als sehr relativ und forschungsstandabhângig gesehen werden muli. So habe ich Regionén in erster Linie durch erhöhte Ansammlungen von Siedlungsplàtzen mit dazwischenliegenden, gröBeren „Leerrâumen" angenommen, um zumindest zu