Zalai Múzeum 8. (Zalaegerszeg, 1997)

Lauermann, Ernst: Bestattungssitten der Hallstattkultur im Weinviertel Niederösterreichs

ZALAI MÚZEUM 8 1997 Lauermann, Ernst: Bestattungssitten der Hallstattkultur im Weinviertel Niederösterreichs Das wellige Hügelland des Weinviertels war zu allén ur- und frühgeschichtlichen Epochen ein Anziehungs­punkt des Menschen. Heute noch zeugen machtige Grabhügel, die allesamt der Hallstattkultur zugerechnet werden können, von einstiger Macht und Grofie. Hier steht auch der höchste Grabhügel im Gesamtbereich der Hallstattkultur, der 16 m hohe Tumulus von Grofimugl. Die Bestattungssitten sind im Hallstattbereich nicht ein­heitlich. Die Toten wurden begraben oder verbrannt und sowohl in Flachgràbern als auch in Hügeln bestattet. Wie hinlánglich bekannt bildet der Osten Österreichs mit den angrenzenden Gebieten Mahrens, der Slowakei und Ungarns eine Hallstattgruppe, in derén Grabbeiga­ben sich im Gegensatz etwa zum Grâberfeld von Hall­statt nur wenige Bronzén finden, dafür aber grofie Men­gen einer eigenartigen bizarren und überladenen Kera­mik. In Niederösterreich sind es Fundorte wie Statzen­dorf, Gemeinlebarn, Langenlebara, in denen üppig wu­chernde Tonformen auftreten. Wir kermen Stierkopfge­fafie, Etagenurnen, grofie Gefáfie mit Miniaturnachbil­dungen auf den Schultern, Mondidole und sogar Gefáfie mit menschlichen Gliedmafien. Zweifellos sind diese Schöpfungen keine Gebrauchskeramik in unserem Sinn, sondera habén eine Bedeutung, die mit der Jenseitsvor­stellung des eisenzeitlichen Menschen zusammenhing, was ihre Benützung als Grabkeramik nahelegt. Meine Aufgabe ist es nun einen Einblick in die Be­stattungssitten gerade in einem begrenzten geographi­schen Raum, dem Weinviertel Niederösterreichs zu ge­bén. Bedeutende Forscher vor mir befafiten sich bereits eingehend mit dieser Problematik. 1957 brachten K. Kromer und Chr. Pescheck 1 einen umfassenden Über­blick über die ráumliche Verteilung der Hügelgraber heraus. K. Kaus 2 fafite 1973 den Bestattungsbrauch in Niederösterreich und im Nordburgenland zusammen. In den Jahren 1970 bis 1987 war es J.-W. Neugebauer, 3 der im Zuge seiner umfangreichen Rettungsgrabungen, sei es im Traisental, in Hohenau an der March oder in Lan­genlebara, neue Ergebnisse zu dieser Fragestellung lie­ferte. Trotz dieser überaus wichtigen und grundlegenden Arbeiten erscheint es mir durchaus angebracht, diese Forschungen weiterzutreiben und neue Überlegungen in die Diskussion einzubringen. Befassen wir uns vorerst mit den Hügegrabern. Hier erkennen wir bereits einen Punkt, wodurch sich das Weinviertel von andera angrenzenden Gebieten unter­scheidet. Treten etwa im Burgenland neben Einzelgrab­hiigeln auch ausgedehnte Hügelgrabrfelder mit Erdauf­wiirfen mit eher kleinerer Dimension auf, so finden wir im Weinviertel eher die Grofigrabhügel reprásentiert. Sie stehen meist einzeln abgesehen von den Hügeln von Bernhardsthal, Rabensburg und Oberweiden, wo je drei Grofigrabhügel beisammenstehen. In Grofimugl ist ne­ben dem Riesengrabhiigel ein kleiner, bereits alt gegra­bener Hügel. Etwas entferat davon befinden sich drei weitere, allerdings bereits eingeebnete Hügelgraber. Warum diese Hügel eben alleine stehen, kann viel­leicht in einer höher gestellten sozialen Stellung des Be­statteten gesehen werden. Oftmals nützte man auch to­pographische Gegebenheiten aus, um die Grabhügel hö­her, imposanter erscheinen zu lassen. Ihre Errichtung auf natorlich anstehenden Gelânderippen oder knapp an Terrassenstufen, wohl oberhalb des vorbeiführenden Weges, ist mehrmals belegt. 4 Die Hügel von Absdorf, Gaisruck, Niederhollabrunn oder Niederfellabrunn wàren hier als Beispiele zu nennen. Einen weiteren Grund führt R. Meyer-Orlac 5 ins Treffen. Sie vertritt die Meinung, dafi die Verstorbenen und unter ihnen besonders die Hauptlinge, die Àltesten, die Familienoberháupter weiterhin den Überblick über ihr Dorf haben sollten. Sie wollten „sehen und eben gesehen werden". Dafi diese Grofigrabhügel die Begrâbnisplâtze höher gestellter Persönlichkeiten waren, kann wohl als Tatsa­che angesehen werden, die Funde aus zahlreichen Alt­grabungen belegen dies deutlich. Zum Glück verhindert der moderne Denkmalschutz eine Ausgrabung dieser Hügel, solange sie nicht gefahrdet sind. Neuerdings kann ein interessanter Befund zu dieser Frage Stellung nehmen. 1988 wurde ein eingeebneter Grabhügel der Hallstatt­kultur in Unterparschenbrunn gegraben. 6 Unterparschenbrunn liegt im südlichen Weinviertel, ca. 45 km nordwestlich von Wien. Die Fundstelle liegt auf einem nach Norden starker und nach Süden flacher

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