Zalai Múzeum 8. (Zalaegerszeg, 1997)

Lauermann, Ernst: Bestattungssitten der Hallstattkultur im Weinviertel Niederösterreichs

40 Lauermann, Ernst abfallenden Hügelrücken. Immer wieder kamen menschliche Knochen bei Feldarbeiten zum Vorschein. Nach einer Testgrabung im Herbst 1987, bei der der Durchmesser des Kreises von ca. 33 m festgestellt wur­de, wurde 1988 die Gesamtflâche, 40 x 40 m 2 unter­sucht. Annâherad im Zentrum der Anlage stieli man auf eine 5 m lange und 2 m breite Verfarbung, deren Tiefe an der Nordseite 2 m betrug. Auffallend war die lockere Verfiillungserde, die stark mit Humus, Löli und Holz­kohle vermischt war. Besonders in den oberen Schich­ten kamen zahlreiche Keramikfragmente, Bronzekügel­chen, Bronzeplàttchen und Bronzenieten zutage. Mit zunehmender Tiefe hörte der Fundanfall abprut auf. Der angetroffene Befund sowie das Fundmaterial las­sen die Annahme zu, dali die zentrale Verfarbung mit dem Ringgraben die Reste eines eingeebneten Hiigel­grabes mit Beraubungsschacht darstellen. Der Schacht war offensichtlich offengeblieben und langsam verfal­len. Der obère Teil der Grube war stark mit Fundmateri­al und auch mit kalzinierten Menschenknochen versetzt. Wie die anthropologische Untersuchung durch M. Teschler-Nicola ergab, handelte es sich um ein zerstör­tes Brandgrab eines altera weiblichen Individuums. Auch die zoologische Untersuchung einiger unver­brannter Tierknochen lieferte einen iiberraschenden As­pekt. Reste von Rind, Vogel, Reh sind der Beweis fur die Reste einer Fuchsmahlzeit, der hier anscheinend sei­nen Bau angelegt hatte. Für ein Hügelgrab sprechen weiters zwei fruhmittel­alterliche Ko^ergràber der zweiten Hâlfte des 9Jhs., die sehr seicht gelegen, urspriinglich in die damais noch deutlich sichtbare Hügelaufschüttung eingesenkt waren. Durch Bodenerosion und Ackertâtigkeit wurde der Hü­gel im Laufe der Zeit völlig eingeebnet und die Bestat­tungen kamen sehr seicht zu liegen. Der Erhaltungszustand des Fundmaterials kann als àulierst mangelhaft angesprochen werden. Am auffal­lendsten ist wohl das Bruchstück einer Tasse mit typi­scher Alb-Hegau-Verzierung, das auf der Schulter noch an zwei Stellen je drei Bronzeschüppchen aufweist. Die­ser Bronzenagelbesatz tritt schon ab der spáten Urnen­felderkultur auf und wird in der Halstattkultur weiterge­führt. Beeinflulit wurde diese Verzierungsweise durch die Stufe II der Este-Kultur, wo die Keramik in überaus reichem Mafie mit Bronzeschüppchen versehen wurde. 7 Weitere Bruchstücke mit Grafitstreifenbemalung auf rő­tem Untergrund, Radchenverzierungen, Dreieckverzie­rungen, Buckel und Kanneluren rundén das Bild des Beigabenensemls eines Brandgrabes der Halstattkultur ab. Dali die Beraubung mit ziemlicher Sicherheit Zeit­genossen der Bestatteten in die Schuhe zu schieben ist, kann angenommen werden. Ziel muli wohl die völlige Zerstörung und somit das Auslöschen der Toten aus dem Gedáchtnis gewesen sein. Vielleicht ein frühes An­zeichen von „Schwiegermuttersyndrom?" Der Befund dieser Ausgrabung fíihrt uns mit aller Deutlichkeit die ganze Problematik des antiken Grab­raubs vor Augen. Diese Art von Hügelgrabera werden wohl in allén Zeiten Anziehungspunkt fur Grabrâuber gewesen sein. Die Grande mögen verschieden gewesen sein, dem Archàologen von heute bleibt es anheim die Befundsituation möglichst genau zu beobachten und sei­ne Schlüsse daraus zu ziehen. Wie sieht nun die Situation bei den Flachgrâberfel­dern des Bearbeitungsgebietes aus? Die aus der spâturaenfelderzeitlichen Tradition über­nommene Brandbestattung bleibt in der Hallstattzeit der Stufen С und D im groíien und ganzen weiter die vor­herrschende Bestattungsform. Daneben treten aber be­reits in der Stufe Hallstatt С Körpergraber auf. Nach K. Kaus 8 kommt es erst in der Stufe Hallstatt D zu einer Zunahme von Körperbestattungen, was allerdings nicht fur ganz Niederosterreich zutrifft. Die Kx^erbestattun­gen kommen eher im Einflulibereich des Typus Statzen­dorf-Gemeinlebara vor. Es handelt sich dabei wahr­scheinlich um Einflüsse aus dem westlichen, nordalpi­nen Bereich der Hallstattkultur, wo Köфergrâber die ty­pische Bestattungsform darstellen. 9 Deutlich zeigen die Graberfelder von Grafenworfh, 10 Maiersch, 11 Statzen­dorf 12 und Maissau 13 ein Nebeneinander von Brand- und Körperbestattungen. Anders verhâlt sich die Situation im Bereich des Ty­pus Bernhardsthal, zu dem das Graberfeld von Hohenau an der March gehört. Bei den freigelegten Beisetzungen der Hallstattkultur handelt es sich, mit einer einzigen Ausnahme ein Körpergrab eines Kindes als Nachbestat­tung, ausschlielilich um Brandgrâber. Anhand dieser Beispiele sehen wir ganz deutlich, dali im überwiegen­den Teil des Weinviertels im Einflulibereich des Typus Bernhardsthal der Brandbestattungsritus vorherrschend ist. In der Ijbergangangszone zum Typus Staztendorf­Gemeinlebara, wohin die Graberfelder von Grafenwörth und Maissau gehören, treten eben auch Kö^erbestat­tungen auf. Sind nun die Flachgrâber die Gràber der Armen? Im Verhâltnis zu den reich ausgestatteten Adelsgrâ­bern wirken diese Gràber im ersten Anschein armlich. Jedoch zeigen die Beigabenkombinationen, dali es Grà­ber von Angehörigen einer durchaus nicht armen Ge­sellschaftsschicht sind. lm Gesamtbereich der Hallstattkultur ist in den Grâ­bern ein mit einer bestimmten Trinksitte in Verbindung stehendes Gefaliensemble feststellbar. Dieses besteht aus Mischgefali, Eimer, Schöpf- und Trinkgefalien. In den Flachgrâbern besteht dieses Ensemble meist aus einem tönernen Kegelhalsgefáli, einem Eimer, einer Tasse und einer Schale. Gut kommt dies im Gráberfeld von Hohenau an der March ans Licht. Obwohl die endgültige Bearbeitung dieses 210 Gràber zàhlenden Grâberfeldes leider noch

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