Zalai Múzeum 5. (Zalaegerszeg, 1994)
Neugebauer, Johannes-Wolfgang: Die frühe und beginnende mittlere Bronzezeit in Ostösterreich südlich der Donau
92 Neugebauer, Johannes — Wolfgang ad 3) Die Wieselburg- (=Moson-) oder Gàta-Kultur (-gruppé) 1917 erkannte К. Miske die Eigenstàndigkeit des Materials des ab 1897 von A. Sötér ausgegrabenen Gràberfeldes 1 von Gattendorf (Burgenland; ungar. Gâta) und bezeichnete es als Gàta-Kultur (-grappe). D. Menghin faBte 1921 die österreichischen Materialien unter dem Namen Wieselburg-, bzw. Moson-Kultur aufgrund der Hàufigkeit der entsprechenden Nachweise im ungarischen Komitat Moson (=Wieselburg), zusammen. Als Leittyp wurde von ihm der Krag mit trichterförmigem Hals und zwei weitlâufigen, sanduhrförmigen Henkeln herausgestellt. Wahrend I. Bona 1975 den Stand der ungarischen Forschung letztmalig dargelegt hat (er faBte unter den Gruppén der mitteleuropàischen Region im mittleren Donaubecken, nördlich der Donau und westlich der Waag, den in die Westslowakei reichenden Zweig der màhrisch-osterreichischen Grappe der Aunjetitzkultur und südlich der Donau und westlich der Raab die GátaWieselburg-(Moson-)gruppe zusammen 54 , geschah dies fur Österreich 1987 durch A. Leeb 55 . 1958 stellte A. Tocik anhand des Friedhofes von Velky Grob fur den Bereich nordöstlich von Bratislava noch eine „Aunjetitz — Wieselburg-Gruppe" fur die Slowakei heraus. 56 Nach A. Leeb beschrànkt sich der Siedlungsraum der Wieselburg-Kultur auf den Bereich östlich des Wienerwaldes zwischen der Donau im Norden und der Raab im Siidosten (Abb. 12). Als wichtigste Gràberfelder sind neben Hainburg-Teichtal noch Gattendorf (=Gáta mit den Gràberfeldern 1 und2 57 ) Jois (Hügelgraber!) und Oggau, 58 sowie Mannersdorf am Leithagebirge 59 anzuführen. Südlich des Braunsberges und südöstlich des SchloBberges erstreckt sich zwischen dem Hundsheimer Berg und dem Teichberg auf dem Gebiet der Stadtgemeinde Hainburg, etwain süd-nördlicher Richtung, das sogenannte „Teichtal". An seinem nördlichen Ausgang zieht sich westlich des Einschnittes ein sanft nach Norden abfallender, zumeist mit Schwemmsanden, aber auch mit schottrigen und tegeligen Straten bedeckter Rücken in etwa 200 m Seehöhe hin. Dieser, auch als Flur „Am Röhrengraben" bezeichnete Abschnitt, liegt heute brach und ist ein Übungsgelande des österreichischen Bundesheeres. 60 In der Zwischenkriegszeit wurde das Areal landwirtschaftlich genutzt. Ende 1927 wurde am Ausgang des Teichtales, entlang der sogenannten , ,BurgenlandstraBe" die Sandgrabe Reinschedl eröffnet. Noch im Dezember konnten Oberstleutnant Franz Mühlhofer und der Gemeinderat und Bauwerkmeister der Tabakfabrik, Franz Thier, die Existenz einer friihbronzezeitlichen Nekropole konstatieren. Obwohl Mühlhofer Arbeiten in der Sandgrabe weiterhin mit Aufmerksamkeit betrachtete, ging ein Teil der Gràber verloren. Dies ànderte sich erst ab dem Friihjahr 1928, als ihm die anthropologisch-pràhistorische Abteilung des Naturhistorischen Museums in Wien Geldmittel für Grabungen zur Verfügung stellte. Bis zum Sommer konnten die Gràber 1—9 dokumentiert und a— 1 festgehalten werden; sie wurden spàter als Bestattungen 1—16(?) gezàhlt. 61 In einer zweiten Grabungsperiode wurden zwischen 1930 und 1933, mit funf Nachtrâgen bis 1938, im Auftrage des Naturhistorischen Museums von hiefür Verpflichteten und Einheimischen die Beisetzungen 17—146 freigelegt. Vor einem geplanten groBflàchigen Kasernenneubau im betreffenden Areal unternahmen im Friihjahr 1939 die Fachleute Eduárd Beninger und Àmilian Kloiber eine dritte und letzte Ausgrabungskampagne, die die Gràber 147—253 zutage brachte. Damit galt — wenn man von verstreuten neolithischen Siedlungsobjekten und einem Zufallsfund jenseits der BurgenlandstraBe aus dem Jahre 1973 (Grab 254 62 ) absieht — die friihbronzezeitliche (Haupt-) Nekropole als vollstàndig erschöpft. Am 15. Feber 1980 erfolgte jedoch über den Gendarmerieposten Hainburg die Meldung an die Abteilung fur Bodendenkmale des Bundesdenkmalamtes, daB man auf dem Übungsgelande des Bundesheeres in der Flur ,, Am Röhrengraben" auf ein Hockergrab gestoBen sei. Zwar erwies sich die Bestattung als der jüngeren Notenkopfkeramik zugehörig, doch lösten dieser Fund und standige Erdbewegungen auf dem betroffenen Areal groBflachige Rettungsgrabungen aus. Sie erbrachten in den Jahren 1980/81 und 1987/88 jungsteinzeitliche und spatbronzezeitliche Siedlungs- und Bestattungsreste, sowie 1982, 1985—86 und 1989/90 insgesamt 62 neue friihbronzezeitliche Hockergráber, die sowohl noch zur altbekannten Hauptnekropole (zu den 254 bisherigen kamen 31 neue Bestattungen hinzu, sodaB die Gesamtzahl nunmehr 285 betrágt), wie auch zu einer neuentdeckten Grappe (31 Hocker; daher nunmehr 316 Beisetzungen) zugehörten (Abb. 13). Ausgelöst durch die Beobachtungen des österreichischen Bundesheeres beim (übungsweisen) Schützengrabenbau (1982 kamen so zwei weitere friihbronzezeitliche Hocker zum Vorschein) sah man sich gezwungen, die unzerstörten Teile des Bestattungsplatzes im AnschluB an die ehemalige Sandgrabe Reinschedl nochmals systematisch abzudecken. Hiebei wurden bis 1988 nochmals 31, seinerzeit übersehene oder wegen zu geringer Beigaben nicht geborgene frühbronzezeitliche Hocker festgestellt. Da auch die altén Ausgrabungsgraben, die noch deutlich erkennbar waren, in Relation zu den neuentdeckten Grabschachten eingemessen wurden, konnte für weite Bereiche der Nekropole ein glaubwürdiger Grundplan erarbeitet werden. Dieser ergab, daB die Toten in einem Südost-Nordwest verlaufenden Streifen von etwa 130 m Lange und 30 m Breite beigesetzt worden sind. Die Grabgruben waren zumeist Südwest-Nordost ausgerichtet. Eine geschlechtsspezifische Orientierang und die entsprechende Seitenlage konnten bislang nicht