Zalai Múzeum 5. (Zalaegerszeg, 1994)

Neugebauer, Johannes-Wolfgang: Die frühe und beginnende mittlere Bronzezeit in Ostösterreich südlich der Donau

Die frühe und beginnende mittlere Bronzezeit in Ostösterreich südlich der Donau 87 Als der Frühbronzezeit zugehörig konnten bislang in 100 Meter Entfernung von der Terrassenkante und mit ei­nem Ab stand von 600 Meter voneinander zwei Gehöfte, 20 bestehend aus Wohnhausern, Wirtschaftsbauten und Kul­turgruben, nachgewiesen werden. 300 Meter weiter im Hinterland dehnte sich der zugehörige Nord-Süd aus­gerichtete Gráberstreifen aus. Die von 1981 bis 1983 zur Ganzé untersuchte Nekropole Franzhausen I (Abb. 4) hatte eine Lángé von 220 und eine Breite von 140 Meter. Trotz wahrscheinlicher, geringer Verluste durch den Ein­bi6 einer Schottergrube im Osten und teilweise relatív tiefes maschinelles Entferen des Humus und Humusüber­ganges im Süden konnten auf 18.200 m 2 eine Doppel­bestattung der Badener Kultur, zwölf Beisetzungen der Schnurkeramik und 714 frühbronzezeitliche (Hocker-) Graber festgestellt werden. 21 Fundraum Franzhausen — Wagram/Tr. Rettungsgrabungen des Bundesdenkmalamentes 1981—1992 (Bau der Kremser SchnellstraBe S 33 und Scotterwerke) Wahrend die schnurkeramischen Bestattungen sehr locker über eine relatív groBe Flàche gestreut waren und durch spátere Respektierung den Eindruck ehemaliger Hügelüberdeckungen erweckten, fanden sich die Graber der Stufe Gemeinlebarn I ausschlieBlich im SW-Bereich. Von dort weitete sich die Belegung in der Stufe Gemeinle­barn II horizontalstratigraphisch gegen Osten aus, um spater nochmals die ursprüngliche Zone zu erfassen; dies führte zu einer auBergewöhnlichen Dichte, ja manchmal sogar zu Überschneidungen. In zwei Fallen wurden auch gestörte altère Skelette pietâtvoll in kleineren Grübchen wiederbestattet. Die Stufe III brachte eine Ausweitung ge­gen Süden. Die neuen Beisetzungen, die nicht mehr der Unterwölblinger, sondern bereits der Böheimkirchner Kulturerscheinung zuzurechnen sind, weisen eine sehr lockere Belegung auf. Wahrend in der Unterwölblinger Kulturgruppe bei einphasiger Benutzung eines Platzes auf 25 m 2 ein Grab kommt, so betràgt der Durchschnitt in der Spatzeit 75—76 m 2 . Die gröBeren Zwischenraume und gelegentliche Gruppenbildungen konnten wiederum Hin­weise auf Hügel(-gráber) darstellen. Das frühbronzezeitliche Gràberfeld von Franzhausen wurde 700 Jahre láng von Familien, die die Gehöfte der Umgebung bewohnten, als Bestattungsplatz verwendet. Wenn man die Lebenserwartung der bronzezeitlichen Menschen von der Geburt an auf durchschnittlich etwa 25 Jahren berechnet, so umfaBten diese Siedlungsplatze nicht mehr als 30 Personen pro Generation. Die Graber der Frühbronzezeit dürften oberirdisch deutlich gekennzeichnet gewesen sein: durch ovale bis kreisrunde, unterschiedlich hohe Erdaufwürfe und/oder durch Holzpfáhle und Steinstelen (je ein Grabstein bei Grab 76 von Gemeinlebarn F und Grab Verf. 114 von Franzhausen II 22 ). GroBfláchigere Hügel können auch mehrere Bestattungen einer Familie (?) überdeckt habén (Hügel Obj. 1264 von Franzhausen II 23 ). Die umfang­reichen Humusabdeckungen erbrachten zusatzlich Pfostensetzungen und Fundamentgráben inmitten freier Fláchen und, randlich des Bestattungsplatzes, Überreste bisher nahezu unbekannter Funeralbauten mit kultischem Charakter. 24 Die Verstorbenen der Frühbronzezeit wurden in der Regei unverbrannt in rechteckigen bis ovalen Gruben beigesetzt, die in den Dimensionen mit der ehemaligen Sozialstellung in Relation standén. Die Grabtiefen schwankten je nach Alter, Geschlecht und Sozialposition zwischen 37 und 429 cm, der Durchschnitt lag bei 131 cm. Durch hellén, grauvioletten Moder, durch sekundare Hu­musfüllung des einstigen Hohlraumes und durch spezifische Skelettlagen konnte die ehemalige, relatív háufige Sitté der Bestattung in Holzsargen für die Früh­bronzezeit nachgewiesen werden. In Franzhausen I und II herrschten langshalbierte Eichenstámme vor, die trogartig zu Baumsargen ausgehöhlt worden waren. In Gemeinle­barn F konnten dagegen Kisten mit rechteckigem oder trapezförmigem Querschnitt beobachtet werden. Wahrend in Gemeinlebarn F keine zusatzlichen Steineinbauten vorhanden waren, sind solche in Franzhausen I durchaus bekannt; in der Nekropole II sogar relativ hohe Steinum­stellungen und/oder - abdeckungen, Steinpackungen und - kisten. Die Toten wurden fast ausnahmslos in seitlich liegender Siedlungen Gràber Neolithikum — Badener K. Nr. 1 — Schnurkeramik 2 Friihbronzezeit Nr. 3 2 Friedhöfe 4 1= 714 Gr. 5 II = 1388 Gr. Mittelbronzezeit — 6 Urnenfelderkultur 7 2 Friedhöfe 8 = 411 Gr. 9 Hallstattkultur 10 11 Laténe Kultur 12 13 SG = groBteils unkontrolliert zerstörte Schotterabbaubereiche

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