Zalai Múzeum 5. (Zalaegerszeg, 1994)

Eibner, Clemens: Chronologische Fragen der urnenfelderzeitlichen Wehranlage von Stillfried an der March, NO

212 Eibner, Clemens wie etwa ein Tor mit Palisade aus der Zeit vor der Er­richtung des Walles. 13 Erst in der Stufe Ha Bl setzt die Besiedlung des Ring­areals wieder deutlich ein. Der Wallaufbau mit seinen reich gegliederten Schichten deutet auf Ha B2 und На B3, nach F. Barg soil er auch eine eindeutige Umbauphase der Hallstattzeit besitzen. 14 Jedenfalls kann davon ausgegan­gen werden, daB der Hochststand der Besiedlung in der Stufe На В erreicht wurde. Das Gràberfeld „In der Gans" liegt jenseits des kleinen Seitentàlchens mit der auch heute noch fur die Ortswasserleitung genutzten Quelle im S der Anlage. Die Nachuntersuchung hat die Zugehörigkeit zu den Gráberfeldern der mitteldanubischen Podoler — Still­frieder — Phase voll bestàtigt. Manche, wie das Grab 6, deuten durch reichere Geschirrsátze schon auf hallstat­tische Verhaltnisse, wie unlángst L. Nebelsick fur trans­danubische Materialien glaubhaft machen konnte. 15 Es hat den Anschein, daB die gesamte Sequenz von Ha Bl bis Ha D im derzeit ergrabenen Siedlungsmaterial vertreten ist. Die Hauptmasse der Funde stammt aus wiederver­füllten Speichergruben, seltener aus eingetieften Wohn­und Gewerbeobjekten, unter denen die Webhàuser am leichtesten nachzuvollziehen sind. 16 Die im Hochmit­telalter so beliebten Gràbchen als Weidezaun(?) sind zumindest nach stratigraphischen Befunden und Keramik­fuhrung wenigstens teilweise in die Urzeit zu datieren. Die reiche nachhallstáttische Siedlungs- und spàtere Ak­kertatigkeit hat aber vielfach die zu erwartenden Pfosten­setzungen der ehemaligen Háuser vernichtet. Urnenfel­derzeitliche Wandpfosten sind aber dennoch mit Sicherheit, so z. B. auch unter dem Hausberg und aus der , ,Vorwallphase" unter dem Westwall bekannt. 17 Ein Hort der Depotstufe Rohod konnte aus einer Speichergrube als Versteck geborgen werden, 18 und auf unruhige Zeiten deutet nicht nur das Massengrab einer Familie im Kontakt­bereich mit der Umbauphase des Walles am Kirchhügel, sondern zahlreiche wohl in gleiche Richtung deutbare Be­funde im Bereich des W-Walles. ш Letztendlich sind aber auch zahlreiche eindeutige Kulthandlungen innerhalb der Wehranlage nachzuweisen, sie reichen von Tierdeponierungen bis zu Kultpraktiken mit weichteillosen Menschenschâdeln, wie das im Jahr 1992 aufgefundene Schàdelnest erweist. 20 Das sog. spaturnenfelderzeitliche Depot, das in der al­teren Forschung nicht nur wegen der Seitenstangen von Zaumzeugen mit Pferdeköpfchenbekrönung als geschlos­sener Fund eine groBe Rolle spielte, muB wie die Bron­zetasse vom Typus Stillfried — Hostomice als Teil der Gràberfeldausstattung gelten. 21 Eine detaillierte Analyse der Chronologie ist durch die unter F Felgenhauer weit vorangetriebene Materialauf­nahme der von ihm ausgegrabenen Teile in absehbarer Zeit möglich. Neuland betreten wir allerding mit der Er­forschung des Hinterlandes. Archáologisch ist das Gelànde von der March bis in die intensiv bewirtschafte­ten LöBhügel gut erforscht, der anshlieBende Matzener Wald birgt aber sicher noch manches Geheimnis. Dank der Grenzöffnung zur Slowakei und zum nahen siid­máhrischen Gebiet ist auch die Kooperation über die Lan­desgrenze hinaus besser möglich als friiher, zumal die March in dem langen Abschnitt zwischen Hainburg und der máhrisch-slowakischen Grenze in der Bronzezeit keine Kulturscheide darstellt, so liegt z. B. das spáthügel­gràberbronzezeitliche Zohor mit seinem GefáBdepot auf der anderen Marchseite. 22 Exkurse: Kupfererzbergbau und Kupferhandwerk in der Bronzezeit. Die absolute Chronologie — eine Herausforderung? Zu dem ersten Teil des Exkurses wurde wáhrend des Symposions gesprochen, da ohne das berg- und hütten­mànnische Ambiente eine Bronzeindustrie nicht denkbar ware. Um dem Thema der Tagung gerecht zu werden, sind hier Gedanken angeschlossen, die sich mit den neuen Zeitensàtzen auseinandersetzen, deren Annahme zwin­gend notwendig erscheint, wobei aber nur die Grundsàtze, nach denen vorgegangen werden müBte, erlàutert werden. An anderer Stelle 23 habe ich versucht, die innere Gliederung des bronzezeitlichen Bergbaus darzustellen. Als Ergebnis sei anzumerken, daB der Tiefbau bereits in der Friihbronzezeit einsetzt, d. h. reale Teufen von rund 180 m im S-Revier der Mitterberger Lagerstàtte, durchschnittlich aber mindestens 60 m wurden dabei er­reicht. Dieser Zeitabschnitt liegt konform mit dem Auftreten der Mad'arovce — Vetefov-Einflüsse in Niederösterreich, in der auch erstmals Litzenkeramik bis bin in die Bergbaureviere nachgewiesen ist. Ob sich der Tiefbau schon zum Einsetzen der ersten Zinnbronzen for­miert hat (d. h. noch in Bz Al), làBt sich bislang nicht zwingend erweisen. In einer Rettungsgrabung beim Höchlehen, oberhalb des Arthurstollenmundlochs (St. Jo­hann/Pg., Salzburg) sind stratigraphisch altère Berg­bauspuren belegt, die die Vorlâufertechnik demonstrie­ren. Die nachgewiesenen Abbautaschen sind den Gewinnungsmethoden auf Feuerstein oder Kupfererze im Chalkolithikum vergleichbar. In diesen Zeitabschnitt (d. h. vor Bz A2) gehört auch eine Schmelzgrube mit zer­brochener und teilweise liegengebliebener (aber disloziert liegender) angeschlackter Sohle. Der metallurgische Untersuchungsbefund 24 erweist die Produktion aus sul­fidischen Erzen. Da kein Zinn nachgewiesen wurde, ist naheliegend, daB es sich dabei um Verhüttungsreste und nicht um Umschmelzvorgânge (z. B. zum MetallgieBen) handelte. Ein erhöhter Kaliumnachweis kann als Finger­zeig fur ein Raffinationsverfahren aufgefaBt werden, da das Kálium wahrscheinlich durch (Buchen)-Holz oder-

Next

/
Oldalképek
Tartalom