Zalai Múzeum 5. (Zalaegerszeg, 1994)
Eibner, Clemens: Chronologische Fragen der urnenfelderzeitlichen Wehranlage von Stillfried an der March, NO
Chronologische Fragen der umenfelderzeitlichen Holzkohle eingeschleppt wurde. Das Zàhpolen zum Entfemen von Sauerstoff und Schwefel wird noch heute in den Kupferhütten mit griinen Baumstàmmen durchgefiihrt! Da wir fur diesen Zeithorizont nur die Keramik-Düsenspitzen von Blasrohren kennen, 25 ist naheliegend, dafi das Verfahren der Grubenverhüttung mit aufgeblasenem Wind àhnlich den chalkolithischen Befunden im gesamten Bereich der alten Welt 26 erfolgte. Mindestens in die Stufe Bz A2 gehört aber nach Ausweis der Keramikfunde die Technik des mehrstufigen Verhüttungsverfahrens, bei dem eine Vorröstung in Röststadeln erfolgte, die mit Bruchsteinen eingefafit sind und ein Schlackenbett an der Basis besitzen. Verschmolzen wurde in vielfacht paarig nachgewiesenen niedrigen Schachtöfen, die mit annáhernd quadratischem Grundrifi sorgfàltig aus Bruchsteinen gemauert wurden und eine durchschnittliche gemauerte Höhe von cca dem Eineinhalbfachen bis Doppeltem des Grundrisses besitzen (max. 90 cm). Der Wind wurde von vorne eingeblasen (von der Ofenbrust), die Blasrohre wurden durch etwa kuhhornförmige Geblàsetopfe aus Keramik ersetzt, wobei man sich vorstellen mufi, dafi über den oberen Rand ein Tierschlauch (Balg) gezogen wurde, dessen hinteres Ende mit der Hand als Ventil rhythmisch geöffnet und geschlossen wurde. Ethnographische und antiké Parallelen belegen dabei die eminente Bedeutung dieser Technik. 27 Funde und technologische Details lassen eine Entwicklung der Verhüttungstechnik bis in die Friihlatènezeit erkennen, jedoch lâfit sich anhand des Schlackenchemismus ableiten, dafi mannshohe und noch höhere Schachtöfen, wie sie in der Zeit Georg Agricolas üblich waren, nicht benutzt wurden. 28 Ob und inwieweit ein Technologietransfer in diesem jüngeren Abschnitt der Friihbronzezeit stattfand, d. h. ob die alpine Bevölkerung den Tiefbau und die Verhüttungstechnik in Schachtöfen von aufien iibernahm oder selbstandig entwickelte, ist noch völlig ungeklàrt. Da die gerade beschriebene Hiittenarchitektur bislang nur in den Alpen bekannt ist, sollte man bei aller Bescheidenheit eher letzteres annehmen. Dem widerspricht auch nicht eine kleine Drahtösennadel wie sie unter anderem aus Hernádlak und Nizna Mys'la (sogar aus einem Giefiergrab mit Blasrohrdüse und zweischaliger Gufiform für eine, im Grab auch mitgefundene, schraggelochte Kugelkopfnadel) vorliegt. 29 Sollte das Zinn des Slowakischen Erzgebirges damais wirklich bekannt gewesen sein, 30 ware der Zusammenschlufi der „Blechkreisgruppen" in der Spátzeit anhand der Metallressourcen verstándlich. Die montanistische Tátigkeit im Ostalpengebiet hàtte sich dann aus ihren chalkolithischen — und in dieser Form auch sonst altweltlich nachgewiesenen — Verháltnissen zum Tiefbau und ausgefeilter Hüttentechnik mit Kenntnis der Verhüttung sulfidischer Primárerze — einem Prozefi, der sicher anders als der , ,asiatische" Wehranlage von Stillfried an der March, NÖ. 213 verlief 31 — weiterentwickelt und zu einem langanhaltenden intensiven Bergbau und Kupferexport aus den Alpen geführt. Das Anliegen der Veranstalter war, die ins Stocken geratene Chronologiediskussion fur die Bronzezeit wieder in Gang zu bringen: in diesem Sinn mögen ein paar Gedanken angeschlossen sein, die sich mit der absoluten (hohen) Chronologie und unserem Chronologiesystem auseinandersetzen, zumal die jüngste Literatur dazu auch eine willkommene Gelegenheit bietet. 32 Die von P Reinecke nur áufierst knapp formulierten Vorstellungen zur Bronzezeitchronologie, die anders als bei der Urnenfelderzeit auch nicht durch Bildbeilagen begleitet waren, habén zu manchem Mifiverstàndnis Anlafi gégében, sind aber in Österreich seit ihren Anfàngen, d. h. schon zu Lebzeiten von M. Hoernes in Gebrauch. So nutzt dièse Chronologie auch die erste Zusammenschau der Mittelbronzezeit von K. Willvonseder, der allerdings die Holste Feingliederung weiterführte. Dadurch wird in Österreich seit Willvonseders Zeiten von Bz Bl und B2 gesprochen. 33 Man kann sich die Frage stellen, ob es sinnvoll ist, das Reinecke Schema beizubehalten. Eine Möglichkeit stellt die Benützung eines eigenen Chronologiegerüstes dar, wie dies В. Hànsel vor einiger Zeit für den Mitteldanubischen Raum tat. 34 Chronologieschemata sind immer von ihrer Akzeptanz abhángig. So hat sich das aus geschichtstheoretischen Überlegungen entwickelte Schema von R. Pittioni nicht durchsetzen können. 35 M. E. lag dies u. a. besonders daran, dafi Stufeninhalte nicht náher prázisiert wurden, zum anderen aber auch daran, dafi nur ein kleiner regionaler Bereich dargestellt wurde, seine weltweite Schau wurde nie publiziert. Auch wenn Pittioni versuchte, den Vorschlag der Englánder aufzugreifen, die Urnenfelderzeit der Bronzezeit anzugliedern (der ursprüngliche Vorschlag lautete Bz E und F für Ha A und B), so ist doch das Frühmetallikum mit unseren heutigen absoluten Zahlen zwischen 2300 und 750 v. Chr. gegenüber dem Mittel(750 bis 450) und dem Spátmetallikum (450 — Chr. G.) recht kopflastig. Die grofie monographische Bearbeitung einer Chronologievernetzung zur Zeit der Urnenfelderkulturen von Sizilien bis zum Deutschen Mittelgebirge durch H. Müller-Karpe stellt das andere Beispiel dar: es wurde vielleicht gerade deshalb akzeptiert, weil — wenn auch feiner gegliedert — die Reinecke Stufenbenennung übernommen wurde. 36 Es wird sich auch gegenüber dem jüngeren Vorschlag von H. Müller-Karpe behaupten können, in dem — allzu schematisch und nicht durch die naturwissenschaftlichen Datensátze abgesichert — die historischen Abschnitte gegliedert werden; Überlappungsbereiche werden zudem von der Forschung nur schwer akzeptiert und oftmals wieder in ein Hintereinander aufgelöst. 37 Mein Vorschlag wàre, sich weiterhin des Reinecke-