Zalai Múzeum 5. (Zalaegerszeg, 1994)

Hänsel, Bernhard–Medovic, Predrag: Bronzezeitliche Inkrustationskeramik aus Feudvar bei Mošorin an der Theissmündung

192 Hansel, Bernhard —Medovic, Predrag gebung hergestellt wurden. Wenn das richtig ist, besitzen wir in den groBen Kreismustern ornamentgeschichtlich die ersten Erscheinungsformen einer neuen Ziertechnik, die sicher einem groBraumiger wirksamen Zeitgeschmack folgend im mittleren bis unteren TheiBgebiet als eigene Variante entwickelt worden sind und als Feudvar-Ware bezeichnet werden könnten. Intéressant ist nun das Verhàltnis dieses Kreisstils zu den unter dem Inkrustationsmustern dominaten Gruppén der pannonischen Waren. Verbliiffend klar ist, daB es in Feudvar praktisch keine Anklànge an den Zierstil der süd­pannonischen Szekszárd-Gruppé gibt. Es fehlen die brei­ten, horizontalen Zierbânder, 17 es fehlen die die diese gliedernden Winkelmuster, 18 es fehlen die eng strich­gefiillten GefaBunterteile, 19 allenfalls weitmaschige Strichbiindel treten auf (Abb. 9.5,7). Zusammenhânge mit dem nordpannonischen Raum lassen sich dagegen merk­würdigerweise aufzeigen: So gibt es das Randfragment eines schlanken TrichterhalsgefaBes mit Randborte und darán hàngender Kreisreihe (Abb. 8,1), das vom slowakischen Patince 20 bis nach Kiralyszentiván der Pha­sen В und С nach Bona Parallelen hat. 21 Auch die tiefe Schale auf Abb. 7,1 hat ihr bestes, nahezu identisches Gegenstück im nördlichen Transdanubien. 22 Geht man von der stratigraphischen Position dieser wenigen Frag­mente aus, so ware die klassische Phase der nordpan­nonisch inkrustierten Keramik als partiell zeitgleich und vor allém als jünger als jene zuerst behandelte Kreismuster-Keramik zu bezeichnen. Sie dürfte ein wenig alter und zeitgleich mit dem Pancevo— Omolj ica-Stil sein und der Szerelme-Art der komplizierten und lockeren Inkrustationsverzierung vorausgehen. Insgesamt aber dürfte bei Betrachtung der Abbildungen 8 und 9 klar sein, daB unter den Inkrustationsmustern der sogenannte Szeremle-Stil dominiert, der sich recht deut­lich von dem zuvor genannten bronzezeitlichen Gruppén unterscheidet. Nach Anfangen durch I. Bona wurde er durch G. Bandi und T. Kovács charakterisiert, 23 einige GefaBe des eponymen Fundorts hat L. v. Károlyi veröffentlicht, ohne jedoch derén chronologische Bedeu­tung erkannt zu habén. 24 Inzwischen sind durch die Wiedervereinigung der Berliner Museen die Bestande des Gràberfeldes von Szeremle wieder zusammengekommen und werden in einer Dissertation durch Chr. Reich auf­gearbeitet. Dort wird eine gründliche Formen- und Or­namentanalyse vorgelegt werden, der hier nicht vor­gegriffen werden soil und kann. Vorerst einmal ist die Szeremle-Gruppe als in sich noch nicht gegliederte Ein­heit zu verstehen, derén Formrepertoire an GefáBen zum Teil wenigstens in Feudvar vorkommt. Das in erster Linie für die tiefe Schüssel (Abb. 9.2,4—5,7), 25 die schulterver­zierten bauchigen oder kugeligen GefáBe (Abb. 8.2—7) 26 und die ovalen Wannen (Abb. 8,10). 27 Weniger bekannt sind dort linsenförmige Schüsseln mit ausbiegendem Rand (Abb. 9.3,6), andererseits fehlen in Feudvar Blàhhalsge­fáBe, 28 wie sie eher in dem Dubovac—Zuto Brdo— Zusammenhang gehören, oder verzierten Teller und Scha­len. 29 Überhaupt ist die Dubovac—Zuto-Gruppe wohl eng mit dem hier vorgelegten Fundstoff verknüpft. Aller­dings ist aus dieser Anbindung keinerlei Gewinn fur die Datierung Feudvars zu gewinnen, sondern nur umgekehrt Stützen für derén zeitliche Einordnung zu gewinnen. Ehe aber die Nutzanwendung Feudvars für das Umfeld wir­kungsvoll greifen kann, müBte die Gruppé selbst erst ein­mal gründlicher beschrieben und gegen Erscheinungen von Szeremle-Art wie von Gírla Mare-Stil oder vergleich­baren Vrsac-Formen abgesetzt werden. Für die Gírla Mare-Gruppe gibt es immerhin als Kristallisationskern für die Definition die umfánglich ergrabene und gut pub­lizierte Nekropole von Cirna, 30 zu derén zeitlichen Gliederung viele Versuche unteraommen worden sind, ohne daB einer von innen voll befriedigte. 31 Vielleicht wird es nach der kompletten Durcharbeitung der Funde aus Feudvar möglich sein, in diese Diskussion wieder ein­zugreifen, vorerst wird man eine weitgehende Parallelitat der Feudvar-Funde von szeremleartiger Inkrustationske­ramik mit den genannten Gruppén zu konstatieren habén, die aile Spielarten ein und des gleichen Zeitgeschmacks sind. In Feudvar Hegen die auf Abb. 8 und 9 gezeigten Scherben in Fundverbanden der anfangs beschriebenen oberen Hausabfolge. Einige Stücke zeigen sich aber auch aus Zusammenhangen, die jünger als die geschlossene Hausabfolge, derén Ende durch die Nadel (Abb. 6,1) fi­xiert ist. Übersetzt man das in die Chronologiesprache, so beginnt der Szeremle-Stil vor dem Ende der Frühbron­zezeit im Reinecke'schen Sinne. Wieviel früher, làBt sich noch nicht genau sagen. Es ist aber verlockend anzuneh­men, er habé mit dem 1968 als MD I bezeichneten Horizont begonnen, wie er durch die àlteren Depots von Kosziderart gekennzeichnet ist. Das Auslaufen der Keramik vom Szeremle-Stil ist in Feudvar wenigstens beim derzeitigen Stand der Bear­beitung nicht genau festzulegen, es hat aber den Anschein, als hatte diese nicht sehr haufige Ware das Ende der geregelten Hausbebauung überdauert. Sie erreicht die reine Mittelbronzezeit, sollte aber nicht allzu lange wáhrend dieser Période benutzt worden sein. Man wird zusammenfassend nicht sehr fehlgehen, wenn man sie und damit den Szeremle-Stil der inkrustierten Keramik in­nerhalb der Zeitspanne zwischen einer spáten Reinecke BA 2 und der ersten Hâlfte der Mittelbronzezeit, also bis Reinecke BB 2 ansetzt. Das jedenfalls suggerieren die bis heute ergrabenen und bearbeiteten Funde.

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