Zalai Múzeum 5. (Zalaegerszeg, 1994)

Trnka, Gerhard: Frühbronzezeitliche Wehranlagen in Ostösterreich

ZALAI MÚZEUM 5. 1994 Trnka, Gerhard: Frühbronzezeitliche Wehranlagen in Ostösterreich Die Bronzezeitforschung im Osten Österreichs zeigt in den einzelnen Bundeslándern eine unterschiedliche Grabungsintensitát. In Niederösterreich fanden in den letzten Jahrzehnten sicher die meisten Untersuchungen statt, was durch die Náhe der in Wien angesiedelten For­schungsinstitute und eine entsprechende Subventionspoli­tik erklárt werden kann. Damit wird auch zu begründet, warum die im Rahmen dieser Arbeit vorgestellten früh­bronzezeitlichen Befestigungen aus Ostösterreich vorerst auf das Gebiet von Niederösterreich beschránkt bleiben, auch wenn wir für die angrenzenden Gebiete diese eben­falls voraussetzen können (Abb. 1). Im Folgenden werden nur gesicherte, durch Ausgrabun­gen bestátigte Anlagen vorgelegt und kurz charakterisiert, wobei als wesentlicher Kritérium der Nachweis von Graben gilt. Eine natürlich geschützte Lage alleine ist nicht ausschlaggebend. 1. Allhartsberg—, ,Türkenschanze". KG und MG Allhartsberg, GB Waidhofen an der Ybbs, VB Amstetten, Niederösterreich. Abschnittsbefestigung am Rand der rechten Ybbster­rasse auf einem etwa 340 m hohen, Ostwest gerichteten, zungenförmigen Gelàndesporn mit AuBengraben und heute noch 3—4 m hohen Innenwall. Die Anlage ist nur von der flachen Ostseite her zugánglich. Allé anderen Seiten stellen steile, 25—30 m abfallende, teils felsige Ab­stürze dar. Wall und Graben verlaufen Nord-Süd. Die Lange des Walls betrâgt etwa 35 m. Im Norden bricht er mit dem Gelánde zur Ybbs hin ab. An seinem südlichen Ende folgt ein schmaler, 5 m breiter Zwischenraum bis hin zum Steilabfall, der vielleicht den Zugang darstellt. Der heute noch im Gelánde erhaltene, eindrucksvolle Wall rie­gelt auf einer Lángé von 35 m ein ausgesprochen kleines, nach Nordwesten hin abfallendes Areal von annáhernd rechteckiger Gestalt ab. Dieses hat die MaBe von ca. 40x35 m ab. Die daraus resultierende Fláche von etwa 1400 m 2 verdeutlicht die geringe GröBe der Anlage. Der in den anstehenden Schotter eingetiefte Sohlgraben zeigt aufgrund zweier Schnitte ein verkehrt trapezförmi­ges Profil mit einer Breite von 2 und 4 m. Seine erhaltene Tiefe betrágt 0,80 und 1,10 m, die Breite der horizontalen Sohle 1,10 und 1,30 m. Die Verfüllung bestand aus einem homogénen, lehmigen Sediment. Der Wall wurde über einer natürlichen Gelándestufe errichtet, wobei seine erhöhte Innenseite flach in den Innenraum verláuft. Es handelt sich um einen einfach geschütteten Wall, dessen Material dem Graben entnommen wurde. Vielleicht Hegen auch Steineinbauten vor. Aus dem Anlageninneren stammt unstratiphizierte Keramik, möglicherweise habén auch Siedlungsobjekte bestanden. Zeitstellung: Veterov-Kultur. Literatur: Beninger—Mittmannsgruber 1955/56; Kaus-Urban 1986. (Abb. 2) 2. Böheimkirchen—,,Hochfeld". KG und MG Böheimkirchen, GB und VB St. Pölten, Niederösterreich. Die bis zu 250 m hohe, anfangs vielleicht unbefestigte, spáter zu einer Abschnittsbefestigung ausgebaute Höhen­siedlung der ,,Böheimkirchner Gruppé" der Vëtefov­Kultur liegt auf einer nach Norden gerichteten Terrasse zwischen der Perschling im Westen und dem Michelbach im Osten. Die Breite der Terrasse betrágt 100—120 m. Un­gefáhr 110 m von nördlichen Abbruch entfernt wurde ein Ost-West verlaufender Sohlgraben (Breite ca. 3,5 m, erhaltene Tiefe 1,60 m) der , ,klassischen Phase" auf einer Lángé von 6 m festgestellt. Über seinen weiteren Verlauf wie über seine Funktion ist nichts náher bekannt. In der letzten Besiedlungsphase („nachklassische" Phase) ver­tiefte man einen 170 m weiter im Süden (vom Nordabbmch entfernt) in Ost-West-Richtung verlaufenden natürlichen Einschnitt durch einen künstlichen Graben und errichtete in etwa 4—7 m Abstand davon einen Innenwall, der zwei Auf­schüttungsphasen aufweist. Die Fláche des auf diese Art befestigten Areals betrágt ca. 18.000 m 2 . Der Graben er­wies sich als 15 m breiter und etwa 4 m tiefer Sohlgraben. Für den Wall (mit Steinfundamenten von, Jnnenanbauten" sowie ,,Holzeinbauten") wird einen Breite von ungefáhr 8 m angenommen. Im Inneren wurden zahlreiche Sied­lungsspuren mit eine groBen Anzahl an Funden, aber auch der Nachweis metallurgischer Tátigkeiten festgestellt.

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