Zalai Múzeum 5. (Zalaegerszeg, 1994)

Leeb, Alexandra: Das frühbronzezeitliche Gräberfeld von Melk/Spielberg-Flur Pielamünd, Niederösterreich

116 Leeb, Alexandra sten Anteil. Diesem Übergewicht an weiblichen Bestat­tungen steht möglicherweise das urspriingliche Weiter­reichen des Gràberfeldes nach Norden entgegen, wo vielleicht ein höherer Anteil an mannlichen Bestattungen zu erwarten gewesen ware. Beim Vergleich Geschlecht — Alter sticht die überaus hohe Sterblichkeitsrate bei den juvenilen Frauen zwischen dem 13. und 18. Lebensjahr auf diesem Gràberfeld hervor. Die Verteilung auf die beiden Grâbergruppen mit vier (Gràber 6, 10, 18, 24) im westlichen und drei (4, 7, 12) In­dividuen im südlichen Bereich ist annáhernd gleich. Eine Frau im juvenil/adulten Alter (Grab 14) und drei (Gràber 3, 7, 16) von vier (Grab 28) adulten Frauenbestat­tungen wurden hingegen auf der südlichen Gràbergruppe lokalisiert. Sámtliche drei mature Frauen (Gràber 13, 17, 19) befin­den sich in der westlichen Gruppé. Bei den Mànnergràbern treten die ersten Bestattungen ab dem adulten Alter auf. Die Sterblichkeitsrate bleibt in Melk/Spielberg bis in das mature/senile Alter relativ gleich. Die Kindersterblichkeit ist bei den Kleinkindern hoch, geht aber offenbar ab dem vierten Lebensjahr zuriick. 4.4. Verteilung der Trachtbestandteile und Beigaben Bronzetrachtbestandteile waren in Melk/Spielberg den juvenilen bis adulten Frauen vorbehalten. Nur Frauen vom 13. bis zum 30. Lebensjahr wurden mit ihrer reichhaltigen Tracht — vorwiegend aus Bronzeschmuck — bestattet (Gràber 6, 7, 10, 12, 14, 16, 18, 19, 24, 28, 29). Offenbar diirfte dièse Tatsache mit einer ausgepràgten hohen Sterblichkeitsrate im gebàrfàhigen Alter der jungen Frauen zusammenhàngen. Ein gewisser sozialer Status bei den jungen Frauen von Melk/Spielberg muBte vorhan­den gewesen sein, da nur dièse mit ihrer Tracht bestattet worden waren. Ob dies auch auf die groBen Nekropolen im Unteren Traisental übertragbar sein wird, kann nur eine detaillierte Auswertung ergeben. Auffàllig ist, daB Frauen ab dem Übergang Adul­tus/Maturus — also ab dem 35. bzw. 40. Lebensjahr — keinerlei Trachtbestandteile mit ins Grab bekommen haben, dafür allerdings eine Keramikbeigabe. In Melk/Spielberg treten nun ein Napf oder ein Krug auf (Gràber 5, 13). Bei den àlteren Frauen fehlen schlieBlich jede Tracht und jede Beigabe. AuBer den oben genannten Frauengràbera befinden sich zwei weitere Bestattungen, die mit ihren Tracht­bestandteilen begraben worden waren. So wurde bereits Grab 31 erwàhnt, wo ein Infans II in frauenspezifischer Orientierung, Hockerlage und nun auch in der charakteristischen Tracht bestattet worden war. Das zweite Grab, das aus der Reihe fállt, ist die Bestattung 20, die anthropologisch nicht gesichert ein mànnliches In­dividuum sein soil. Hier diirfte das Ergebnis zu korrigieren sein, da in frauenspezifischer Orientierung, Hockerlage und mit Trachtbestandteilen bestattet worden war. Somit ergibt sich ein sehr einheitliches Bild fur die Frauenbestattungen im ,, gebàrfàhigen Alter" in der Flur Pielamiind in Melk/Spielberg. Sámtliche Beobachtungen können vorerst nur auf dieses Gràberfeld bezogen werden. Ob sich diese Bestattungsmerkmale auch auf die groBen Gràberfelder der Unterwölblinger Kulturgruppe im Traisental übertragen lassen, kann erst nach Vorlage der­selben überprüft werden. So reich und gut ausgestattet die Frauen begraben wor­den waren, so wenig wurde den Mânnern mit ins Grab gegeben. Von den fünf Gràbern (Gràber 1, 23, 25, 26, 30 — Grab 20 wurde bereits ausgeschieden) besaBen drei Keramik­beigaben und zwei einen Silex. Eine Bestattung war beigabenlos. Waffen und Geràte aus Bronze, ansonst üb­liche mànnliche Beigaben, fehlen auf diesem Gràberfeld völlig. Sehr einheitlich treten uns die Kindergràber entgegen. Sámtliche Kinder bis zum 8. Lebensjahr wurden beigabenlos und ohne Trachtbestandteile bestattet. Hier könnte die Orientierung und die Hockerlage einen möglichen AufschluB iiber das Geschlecht geben. Das bereits öfter erwâhnte Grab 31 mit dem 10—12 jàhrigen Màdchen (Infans П) muB aufgrund ihrer offenbar bereits anderen sozialen Position ausgegliedert und zu den jungen Frauen gerechnet werden. 4.4.1. Trachtbestandteile Die Trachtausstattung der jungen Frauen in der Unter­wölblinger Kulturgruppe war sehr reichhaltig und meistens aus Bronze, aber auch Bernstein, Knochen oder Dentalien hergestellt worden. Punktbuckelgesâumte Blechbànder, die als Besatz einer Kopf- oder Haubentracht anzusprechen sind, umfaBten das Haupt. In den meisten Fallen sind sie an den Schlàfen­seiten verziert, die Enden sind eingerollt. Bei Grab 6 wurden auch Brillenspiralanhànger als Be­satzteile dieser Kopftracht geborgen. Dieses Grab einer 17—25 jàhrigen Frau kann als eines der komplettest aus­gestatteten Frauengràber dieses Gràberfeldes gelten (Abb. 10 a,b). Um den Hals trugen die Frauen manchmal einen Ösen­halsreif. In Melk/Spielberg sind ein massiver und ein schwácher dimensioniertes Exemplar vertreten. Spiralröllchen, Blechröhrchen, Dentalien, eine Bernstein- und eine Bronzeperle oder ein durchlochter Eckzahn eines Haushundes sind als Bestandteile von Ket­ten anzusehen.

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