Zalai Múzeum 5. (Zalaegerszeg, 1994)

Leeb, Alexandra: Das frühbronzezeitliche Gräberfeld von Melk/Spielberg-Flur Pielamünd, Niederösterreich

Das frühbronzezeitliche Grâberfeld von Melk/Spielberg — Flur Pielamünd, Niederösterreich 117 An beiden Unterarmen schmückte die Frauen je ein Spiralarmreif . Dieser konnte mehrere Windungen umfas­sen oder auch nur wenige. Der Querschnitt konnte rauten­formig oder spitzoval sein. In der Schlàfengegend beidseits des Schàdels konnten paarweise angeordnete Noppenringe geborgen werden. Im Brustbereich hielt eine Nadel das Gewand zusam­men. Auf diesem Grâberfeld konnten Scheibenkopf­nadeln, Rollenkopfnadeln und Ösenkopfnadeln beo­bachtet werden. Leider ging die Scheibenkopfnadel aus Grab 6 anlâBlich einer Sonderausstellung des Bundes­denkmalamtes in Klagenfurt im Jahre 1970 verloren. Ein Fingerring befand sich beispielsweise bei Grab 6 an der linken Hand. Mit Hilfe der Grünfárbung am Skellettmaterial lassen sich in einigen Fallen charakteristische Trachtbestandteile rekonstruieren, auch wenn sie aufgrund der starken Störungen bereits abhanden gekommen waren. 44.2. Beigaben Die meisten Frauengràber (Gràber 3,4, 6, 10, 12, 17, 18, 19, 27) waren beigabenlos. Bei den Mànnern hatten drei (Gràber 23,26, 30) Beigaben (KeramikgefàBe, nicht nàher bestimmbare Silices). An Beigaben wurde hâufig eine Schüssel in den meisten Fallen in der Beuge vor dem Becken, beim Schàdel oder bei den FiiBen deponiert, die zur Aufnahme der Speise­beigaben diente (Abb. 11). Als einziges beigegebenes Werkzeug kann eine Bronzeahle in Grab 14 identifiziert werden. An Speisebeigaben konnten ein Radiusfragment und eine Rippe des Cervus elaphus (Rothirsch) unter einem kleinen HenkelgefâB in Grab 5, welches abhanden gekom­men war, sowie ein Humerus und ein Radiusfragment des Ovis ammon f. aries (Hausschaf) in einer Schüssel in Grab 26 dokumentiert und geborgen werden. 4.5. Auswertung Aufgrund der geschlechtsspezifischen Orientierung (Frauen Sud—Nord, Manner Nord— Süd), der seitlichen 1. Die vorliegende Arbeit gehört zu einem Teil der Magisterar­beit, die die Verfasserin unter der Leitung und Betreuung von o. Univ.-Prof . Dr. Herwig Friesinger am Institut für Ur- und Friih­geschichte der Universitât Wien 1993 abschlieBen wird. ANDRIAN-WEHRBURG 1897: Ferdinand Freiherr von Andrian-Wehrburg, Jahresbericht zur Jahresversammlung der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, Mitteilungen Hockerlage (Frauen rechtsseitig, Manner linksseitig) sowie der charakteristischen Trachtbestandteile aus Bronze und der Keramikbeigaben ist eine eindeutige Zuordnung zur Unterwölblinger Kulturgruppe gegeben. Anhand der Trachtbestandteile aus Bronze und der Kera­mikbeigaben können die Mehrzahl der Gràber in die Stufe Gemeinlebarn II (SCHUBERT 1973) gestellt werden. Knochenschmuck, wie er gerne in der Stufe Gemeinle­barn I vorkommt, oder spàt datierende Nadelformen (durchlochte Kugelkopfnadel oder Nadeln mit tordiertem Schaft), die charakteristisch fur die Stufe Gemeinlebarn III sind, fehlen im Inventor (NEUGEBAUER 1987, 23 ff. NEUGEBAUER und NEUGEBAUER-MARESCH 1990, 330 f.). Einen Hinweis auf ein mögliches Zuriickreichen des Gràberfeldes in die Stufe Gemeinlebarn I könnte die gekröpfte Scheibenkopfnadel geben. Eine detaillierte Auswertung des Fundmaterials ist aber derzeit noch in Bearbeitung. Der Hauptteil des Gràberfeldes von Melk/Spielberg ist in die ausgehende Stufe BZ Al und schwerpunktmàBig in die Stufe BZ A2 einzuordnen. Eine chronologisch genauere Zuordnung ist anhand dieses kleinen Gràberfeldes vorerst nicht möglich. Die Auswertung der groBen Gràberfelder im Traisental lâfit hier weitaus bessere Möglichkeiten fur eine genauere zeit­liche Einordnung erhoffen. Aufgrund der GröBe des Gràberfeldes (urspriinglich wahrscheinlich an die 40—60 Gràber) ist anzunehmen, daB es sich hier um einen Bestattungsplatz eines Gehöftes oder einer kleinen Gehöftgruppe gehandelt habén könnte. Zugehörige Siedlungsspuren konnten bei den Rettungs­grabungen nicht dokumentiert werden. DaB es im Melker Gebiet mehrere dieser kleinen Ge­höfte bzw. Gehöftgruppen gegeben haben muB, beweist die Publikation von R. Pittioni 1941. Er beschreibt hier acht Gràber der Unterwölblinger Kulturgruppe, die in der Nàhe unserer Fundstelle am Ostende der Gemeinde Spiel­berg (Parzellen 332, 333/3) in der Sandgrube Dober ge­borgen werden konnten (PITTIONI 1941, 16 ff.). Beriihmt wurde dieser Fundplatz durch die Auffindung einer blauen Glasperle in Grab 1, die 1934 von E. Beninger in seiner Publikation iiber die frühbronzezeitlichen Stab­dolche in Niederösterreich erwàhnte (BENINGER 1934, 144. WILLVONSEDER 1937, 3 f.). der Anthropologischen Gesellschaft 27, N. F. 17, [24]. BENINGER 1934: Eduárd Beninger, Frühbronzezeitliche Stab­dolche aus Niederösterreich, Prâhistorische Zeitschrift 25, 130-144. BURGER 1980: Ingrid Burger, Die chronologische Stellung der FuBschalen in den endneolithischen Kulturgruppen Mittel- und Südosteuropas. In: Konrád Spindler (Hg.), Vorzeit Anmerkungen:

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