Kovács Zsuzsa: Göcsejer Dorfmuseum. Austellungsleiter (Zalaegerszeg, 2008)
3 GLOCKENSTUHL Der Glockenstuhl ist das charakteristische und sakralische Gebäude von Göcsej, sowie der Dörfer und „Weiler" des benachbarten Komitats Vas. Das mit Holzschindeln und Bundstrohdächern bedeckte Gebäude wurde nach seinen Deckblättern benannt, die einen an einen Rock erinnern. Die Glockenstühle sind vor allem der Arbeit der Bauerndachdecker zu verdanken, die meistens in der Mitte des Dorfes aufgestellt wurden. Wo es keinen Platz gab, wurden sie zwischen den Häusern aufgebaut. Im Dorfleben hatte der Glockenklang eine unentbehrliche Rolle bei der Veröffentlichung. Er hat die Leute nicht nur zur Messe und zum Gottesdienst gerufen, sondern hat die Dorfbewohner auch auf die Gefahren aufmerksam gemacht. Er hat die Zeit der Arbeit und Erholung angedeutet, über Todesfälle benachrichtigt und die Toten auf den letzten Weg begleitet. Die alten aus Holz gebauten Glockenstühle mit Holzschindeln oder Bundstrohdach sind heutzutage in den Dörfern nicht mehr zu sehen, in fast allen Siedlungen wurden ja Kirchen mit Glocken gebaut und die nicht mehr benutzten Gebäude von schlechtem Zustand abgerissen. In den letzten Jahrzehnten wurden in vielen Dörfern die einst existierenden und für die Landeseinheit charakteristischen Glockenstühle wieder aufgebaut. Ihr Dach besteht heutzutage nicht mehr aus Holzschindeln oder Bundstrohdach, sondern es ist mit Blech, Schiefer oder Kacheln bedeckt. Obwohl der Ständer aus Holz angefertigt wurde, werden die Rippen nicht mit der traditionellen Behauen - Technik geformt, sondern einfach gerade gesägt. Im Dorfmuseum ausgestellter Glockenstuhl mit Holzschindeln stammt aus Budafa, wo er 1888 aufgebaut wurde.