Ljudje ob Muri. Népek a Mura Mentén 2. kötet (Zalaegerszeg, 1998)

Peter Krenn (Graz): Die gescheiterte Rückeroberung von Kanischa 1601 und ihre Auswirkungen auf das Landeszeughaus in Graz

Peter KRENN RESUME Die Festung Kanischa bildete einst ein wichtiges Verbindungsstück von der zwischen Save und Drau gelegenen windischen Grenze zu der nördlich davon anschließenden und bis zur Donau reichenden ungarischen Grenze. Als sie im Herbst 1600 von den Türken erobert worden war, herrschte deshalb große Trauer im Lager der Christenheit - der Papst soll sogar geweint haben - und natürlich äußerste Bestürzung bei den nun unmittelbar bedrohten Steirern, für welche Kanischa eine ganz wichtige Flankensicherung war. Als Reaktion darauf war 1601 eine internationale Hilfsaktion angelaufen um ein Heer zusammenzustellen, das dem Türken die Festung wieder eintreiss'en sollte. Der Papst, die Toskana, Spanien und der Kaiser sandten Truppen und Geld und auch die Steiermark und die anderen innerösterreichischen Länder waren beteiligt. Deren Regent, der junge in Graz residierende Erzherzog Ferdinand erhielt den Oberbefehl über die Streitmacht, obwohl er von Kriegsdingen überhaupt nichts verstand und zur Führung einer solchen disperaten Truppe keinerlei Voraussetzungen mitbrachte. Da die hochfahrenden italienischen Generäle, die sich die Befehlsgewalt angemaßt hatten, somit zu keinem einheitlichen Vorgehen koordiniert wurden und ein früher Wintereinbruch Ende September den Truppen sehr zusetzte, mündete diese versuchte Rückeroberung in einem völligen Disaster. Von den ca. 25.000 Mann sind ca. 3.000 erfroren oder von den Türken getötet worden. Der kaiserliche General Graf Rusworm, der mit einer Entsatzarmee von Stuhlweissenburg im November angerückt kam und die begangenen Fehler und Versäumnisse rasch festgestellt hatte, konnte angesichts der vorgerückten Jahreszeit dem Erzherzog nur den Abbruch der Belagerung empfehlen, was dann auch geschah. Am 16. November zogen die geschlagenen Belagerer ab, wobei die Verwundeten aber auch das Geschütz mangels vorhandener Ketten und Seile zurückgelassen wurden. Die Auswirkungen der Belagerung auf das Landeszeughaus kann man an einigen überlieferten Nachrichten und einigen Objekten feststellen. Die Steiermark nahm mit einem Aufgebot zu Roß an der Belagerung teil und außerdem war der Adel des Landes gehalten, nach alter Sitte mit dem Landesfürsten mit zu ziehen (Zuzugs-pflicht). Die Ausrüstung für diese Reitersoldaten, soweit benötigt, kam aus dem Zeughaus; außerdem wurden Kugeln und Räder für Geschütze geliehen. Als man nach der mißglückten Kampagne den Einfall der Türken in die Steiermark befürchtete, wurden im Zeughaus schnell mehrere Reiterharnische aus verschiedenen Teilen zusammengestellt, um ein weiteres Aufgebot ausrüsten zu können. Diese besonders schlecht und flüchtig ausgeführten Harnische sind ein sprechendes Indiz für die Hektik, die damals in Graz die Verantwortlichen erfaßt hatte. 202

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